Vor Erdbeben und Flut gewappnet: ÖBB überwacht Spullersee rund um die Uhr

Der Gebirgssee mit ÖBB-Kraftwerk liegt in einem Erdbeben-Gebiet. Wie ist die Infrastruktur im Ernstfall geschützt? Die ÖBB zeigt auf, welche Sicherheitseinrichtungen es gibt.
Wie sicher sind unsere Stauseen? Diese Frage stellte die NEUE vergangene Woche auf der Titelseite angesichts der verheerenden Flutkatastrophe in Nepal und Tibet, aller Wahrscheinlichkeit nach ausgelöst durch einen Gletscherabbruch.
Nun ist ein solches Horrorszanario, wie die Illwerke vkw aufzeigte, in Vorarlberg glücklicherweise nahezu ausgeschlossen. Dennoch werden die Stauseen in der Silvretta und im Brandnertal rund um die Uhr überwacht, denn unvorhergesehene Naturereignisse können auch in Vorarlberg auftreten – siehe die mehrmaligen Erdrutsche auf die Silvretta-Hochalpenstraße.
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Einen besonderen Fall stellt der Spullersee dar. Er ist – anders als der unweit entfernte Formarinsee – aufgestaut und wird mithilfe eines Wasserkraftwerks zur Energiegewinnung benutzt. Betreiber sind die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die den Strom aus dem Spullerseekraftwerk zur Elektrifizierung der Arlbergbahnstrecke benutzen. Zudem liegt die Kraftwerksinfrastruktur im Bereich der sogenannten „Spullerseestörung“, einer seismisch aktiven alpinen Bruchzone, in der es in der Vergangenheit schon Erdbeben beachtlicher Stärke (etwa 2018 mit einer Magnitude von 3,9) gab. Darum beleuchtet die NEUE nachfolgend, welche Sicherheitssysteme die ÖBB betreibt, um ihre Infrastruktur am Spullersee vor Naturgefahren zu schützen – drei Szenarien im Überblick.
Szenario 1: Felssturz
Das Worst-Case-Szenario eines großen Felssturzes, der eine Flutwelle in Richtung darunterliegendes Klostertal auslösen könnte, ist praktisch ausgeschlossen. „Die Umgebung der Stauanlage wird seit Jahrzehnten von Geologen und Talsperren-Experten überwacht. Aufgrund der günstigen Geländeformen und Felsstruktur am Spullersee kann ein für die Stauanlage relevantes Felssturzereignis nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen werden“, teilt die ÖBB-Infrastruktur AG auf Anfrage mit.

Am Spullersee gibt es ein rund um die Uhr überwachtes Sicherheitssystem. „Alle relevanten Messwerte der Stauanlage werden in die durchgehend besetzte Leitstelle der ÖBB Infra übertragen, sodass auch kleinste Änderungen frühzeitig erkannt werden. Ein speziell für die Talsperrenüberwachung geschulter und mit der Anlage bestens vertrauter Bereitschaftsdienst mit Geologen und Statik-Experten steht 365 Tage im Jahr Tag und Nacht zur Verfügung, um Änderungen sofort beurteilen zu können und allenfalls erforderliche Maßnahmen einzuleiten.“
Szenario 2: Erdbeben
Auch vor einem stärkeren Erdbeben ist die Infrastruktur am Spullersee gewappnet: „Die Stauanlagen sind mit modernen Messsystemen ausgestattet, die selbst kleinste Bewegungen erkennen und werden rund um die Uhr durch ÖBB-Personal überwacht. Im Falle eines Erdbebens erfolgt eine umgehende Alarmierung der Sicherheitsverantwortlichen.“ Daher wären die Folgen laut ÖBB überschaubar: „Ein größeres Erdbeben würde von den derzeit vorhanden Sicherheitsreserven der Spullersee-Sperren ohne Schaden für die tragende Struktur aufgenommen werden.“
Szenario 3: Stromausfall
Sollte dennoch ein unvorhergesehenes Szenario zum Ausfall des Kraftwerks führen, wäre die Arlbergbahnstrecke ohne Strom. Auch hierfür ist vorgesorgt: „Im Rahmen der Notfallvorsorge ist für einen Ausfall des Kraftwerks Spullersee der Bezug von Bahnstrom aus Tirol und der Schweiz vorgesehen, sodass der Verkehr auf der Arlbergstrecke aufrechterhalten werden kann.“

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)