Waldbrände in Deutschland und Tschechien weiten sich aus

26.07.2022 • 15:11 Uhr / 9 Minuten Lesezeit

Von der extremen Trockenheit begünstigte Waldbrände halten zahlreiche Staaten Europas, aber auch Marokko in Nordafrika und die USA in Atem. In Deutschland befanden sich Feuer in Brandenburg und im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet außer Kontrolle. Auf tschechischer Seite wurden Bewohner wegen des Feuers in einem Nationalpark in der böhmischen Schweiz evakuiert. In Marokko kam ein Freiwilliger Feuerwehrmann ums Leben.

Die Lage in den Waldbrandgebieten in Brandenburg und Sachsen war weiter sehr kritisch – die Feuer befanden sich nicht unter Kontrolle. In Brandenburg brannte es auf einer Wald- und Wiesenfläche von 8,5 Quadratkilometern – fast 1.200 Fußballfelder groß. Der Feuerwehrverband spricht vom größten Waldbrand in diesem Jahr in Brandenburg. Das Gebiet ist teilweise munitionsbelastet. Eine gute Nachricht gab es: Die Evakuierung zweier Orte konnte aufgehoben werden. Beim Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz wurde durch den betroffenen Landkreis Katastrophenalarm für Bad Schandau ausgelöst.

Bei Rehfeld im Brandenburger Elbe-Elster-Kreis unweit der sächsischen Grenze stemmen sich 350 Einsatzkräfte gegen ein großes Feuer auf einer Wald- und Wiesenflächen von 850 Hektar. Zwei Löschhubschrauber der deutschen Bundeswehr unterstützten die Feuerwehren aus der Luft, drei weitere wurden erwartet. Ein Hubschrauber der Polizei half bei der Lageerkundung.

Die Brandfläche ist teilweise munitionsbelastet, auch deshalb ist das Löschen aus der Luft notwendig. Durch Detonationen im Boden seien neue Munitions-Verdachtsflächen entdeckt wurden, die noch gar nicht in Karten verzeichnet gewesen seien, berichtete Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen in Falkenberg. Die Brandursache war bisher unklar, der Ort des Ausbruchs südwestlich des Einsatzgebietes aber bekannt, so der Minister.

Im Nationalpark Sächsische Schweiz hat sich inzwischen die Zahl der Einsatzstellen rund um den Großen Winterberg nach Angaben des Landratsamtssprechers von drei auf fünf erhöht. Zur genauen Fläche, die in dem unwegsamen, felsigen Gebiet in Flammen steht, konnte er keine Angaben machen. Derzeit seien 254 Feuerwehrleute und Kräfte der Bundes- und Landespolizei im Einsatz. Zur Brandbekämpfung seien auch zwei Wasserwerfer mit jeweils 10.000 Litern Fassungsvermögen und zwei Hubschrauber am Ort. Die Wasserversorgung erfolge etwa von der Elbe. Auch vier Hubschrauber der Bundeswehr sollten unterstützen.

Das Feuer hatte am Montag vom Nationalpark Böhmische Schweiz in Tschechien auf den Nationalpark Sächsische Schweiz übergegriffen. Touristen wurden dringend aufgefordert, den Bereich Hintere Sächsische Schweiz zu meiden, es bestehe Gefahr für Leib und Leben, teilte das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge am Dienstag mit. Bereits am Montag waren 70 Kinder, die sich in einem Ferienlager in Ceska Kamenice befanden, in Bad Schandau untergebracht worden.

In Tschechien spitzte sich unterdessen die Lage bei dem Waldbrand im Nationalpark Böhmische Schweiz nahe der Grenze zu Sachsen dramatisch zu. Mehr als 400 Feuerwehrleute kämpften am Dienstag auf tschechischer Seite gegen die Flammen, wie ein Sprecher mitteilte. Sie wurden von Polizei- und Armeehubschraubern unterstützt. Bei den Löscharbeiten wurden nach Angaben des Innenministeriums acht Feuerwehrleute verletzt. Vier mussten mit einer Rauchgasvergiftung im Krankenhaus behandelt werden. Anrainer wurden demnach nicht verletzt.

In dem Ort Mezna fingen mehrere Gebäude Feuer. Die Löscharbeiten wurden in der Früh nach einer nächtlichen Unterbrechung wieder aufgenommen. Die Einsatzkräfte evakuierten zudem ein Kinderferienlager mit rund 100 Teilnehmern aus Deutschland. Die Kinder und ihre Betreuer wurden an der Grenze deutschen Hilfskräften übergeben.

Mehr als 150 Feuerwehrleute waren am Ort des Geschehens, um die Flammen zu bekämpfen. Sie werden von Polizei- und Armeehubschraubern unterstützt. Der Waldbrand war am Sonntag auf einer Fläche von ursprünglich rund sieben Hektar ausgebrochen. Er bedroht inzwischen das Prebischtor mit der Ausflugsgaststätte “Falkennest”. Die Felsenformation gilt als Wahrzeichen des Nationalparks. Der Rauch war am Dienstag noch im rund 90 Kilometer entfernten Prag und darüber hinaus zu riechen.

Doch auch andernorts in Europa brannten weiter Waldflächen, etwa in Griechenland, wo die Gefahr für weitere Feuer auch am Dienstag hoch blieb. Allerdings meldeten die Einsatzkräfte eine leicht verbesserte Situation. Im Südteil der Insel Lesbos konnten 85 Feuerwehrleute mit 21 Löschzügen sowie Löschflugzeugen und -hubschraubern die Flammen in Schach halten. Auf der Halbinsel Peloponnes konnte der Waldbrand vorerst zurückgedrängt, aber bis in der Früh noch nicht vollständig gelöscht werden. Dort waren 159 Feuerwehrleute im Einsatz, wie die Zeitung “Kathimerini” berichtete.

Schwierig blieb die Lage im Nationalpark Dadia im Nordosten des Landes. Dort kämpften den sechsten Tag in Folge 320 Feuerwehrleute gegen das Feuer. Militär und Förster versuchten, große Schneisen in die Wälder zu schlagen, um ein weiteres Ausbreiten der Flammen zu verhindern. “Die Brandherde weiten sich aus”, sagte Dimitris Petrovits, stellvertretender Gouverneur des Regionalbezirks Evros, am Dienstag. Das Feuer hat bereits 2.500 Hektar Kiefernwald vernichtet.

Der wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernte Nationalpark Dadia zählt zu den bedeutendsten Schutzgebieten Europas. Er ist vor allem für seine Kolonie schwarzer Geier bekannt. Er beherbergt fast alle Arten der im Balkan vorkommenden Raubvögel, außerdem mehr als 100 Schmetterlings- und 65 Säugetierarten. Das Vogelobservatorium im Park sei schon komplett zerstört worden, sagte Vize-Parkchefin Konstandinidou. Das “einzige Ziel” sei es jetzt, den “wichtigsten Bereich” zu schützen, in dem sich die Nester der schwarzen Geier befänden.

Allein in den vergangenen 24 Stunden sind in Griechenland der nationalen Brandschutzbehörde zufolge fast 60 weitere Waldbrände ausgebrochen. Mehrere Dörfer wurden bereits evakuiert. In vielen Teilen Griechenland galt auch am Dienstag ein hohes bis sehr hohes Waldbrandrisiko.

Unterdessen kam bei erneuten Waldbränden im Norden Marokkos ein freiwilliger Feuerwehrmann ums Leben. Ein weiterer Brandbekämpfer sei verletzt worden und werde im Krankenhaus behandelt, teilten örtliche Behörden am Montag mit. Bei dem Brand in der Provinz Tanouate nahe den Großstädten Fès und Meknès wurden rund 33 Hektar Vegetation zerstört.

Die Feuerwehr war in der Nacht auf Dienstag im Einsatz, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Seit Montag waren im Norden Marokkos erneut mehrere Brände ausgebrochen. Besonders betroffen war die Provinz Larache, in der bereits Mitte Juli verheerende Waldbrände gewütet hatten. Damals kam ein Mensch im Feuer ums Leben, 10.500 Hektar Vegetation gingen in Flammen auf.

Während die Waldbrände an der südfranzösischen Atlantikküste südlich von Bordeaux langsam unter Kontrolle kommen, sorgt wiederum die anhaltende Hitze verstärkt am Mittelmeer wegen steigender Wassertemperatur für Sorge. Die auf fast 30 Grad angestiegenen Wassertemperaturen bezeichnete das französische Observatorium für Tornados und schwere Gewitter mittlerweile als außergewöhnlich und sehr beunruhigend.

Im US-Bundesstaat Kalifornien kämpften knapp 3.000 Feuerwehrleute weiterhin gegen einen verheerenden Waldbrand in der Nähe des Yosemite-Nationalparks. Auch Tage nach Ausbruch des Feuers waren nach Angaben der Feuerwehr erst 16 Prozent eingedämmt. Am späten Montagabend breiteten sich die Flammen demnach aber deutlich langsamer aus als bisher. Das “Oak Fire” war am Freitag im Mariposa County nahe dem Nationalpark mit seinen berühmten Sequoia-Mammutbäumen ausgebrochen. Bisher wurden fast 7.000 Hektar und 55 Gebäude zerstört, tausende Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Tausende Feuerwehrleute arbeiteten weiter “unter Hochdruck”, teilte die kalifornische Forst- und Brandschutzbehörde Cal Fire mit. Unterstützt würden sie dabei von Planierraupen und rund zwei Dutzend Löschhubschraubern. Der Behörde zufolge handelt es sich um das bisher zerstörerischste Feuer der diesjährigen Brandsaison. Feuerwehrsprecher Jon Heggie bezeichnete das “Oak Fire” als einen der typischen Brände in der Region der vergangenen Jahre. Die Flammen breiteten sich mit derart “beispielloser” Geschwindigkeit aus, dass sie für die dortigen Bewohner wie auch für die Feuerwehr “extrem gefährlich” seien, sagte Heggie dem Sender CNN. Für Evakuierungen bleibe nur wenig Zeit. Die Region leidet unter Hitze und akutem Wassermangel, abgestorbene Bäume und verdorrte Büsche bieten den Flammen Nahrung.

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