Im Lungau gestohlener Hubschrauber bleibt verschwunden

30.09.2026 • 14:52 Uhr

Auch zwei Tage nach dem mysteriösen Diebstahl eines Hubschraubers beim Flugplatz Mauterndorf im Lungau in der Nacht auf Montag ist die Maschine des Typs Robinson R44 mit dem Kennzeichen OE-XHK, die von der Firma von Ex-Skisprungstar Thomas Morgenstern betrieben wurde, noch nicht gefunden worden. Auch die Täter sind noch nicht ausgeforscht, wie eine Polizeisprecherin am Mittwoch auf APA-Anfrage erklärte. Morgenstern dachte zunächst an einen “schlechten Scherz”.

Die Ermittlungen laufen weiterhin auf Hochtouren. Zuletzt soll der Helikopter, der einem Pongauer Gastronom gehört, am Montag um 4.20 Uhr über der Insel Pag in Kroatien lokalisiert worden sein. Eine Polizeisprecherin hat zwar bestätigt, dass der Hubschrauber in Kroatien geortet wurde, über den Ort machte sie aber keine Angaben. Aus ermittlungstaktischen Gründen werden vorliegende Informationen nicht bekanntgegeben, hieß es.

Morgenstern: “Unverständlich, dass Hubschrauber nicht gesichtet wurde”

Wer die Täter sind und zu welchem Zweck sie den Hubschrauber mit einem Neuwert von 700.000 bis 800.000 Euro gestohlen haben, bietet viel Raum für Spekulationen. Ohne die entsprechenden Papiere lasse sich die Maschine kaum legal betreiben oder weiterverkaufen, erklärte etwa der Geschäftsführer von Heli Austria, Roy Knaus, gegenüber dem ORF Salzburg. Er hält den Verkauf oder Handel mit Einzelteilen in Europa für ausgeschlossen.

Thomas Morgenstern, der mit dem Hubschrauber Rundflüge angeboten hat, ist der gleichen Meinung. “Die ganzen Teile haben Seriennummern, die haben eine gewisse Ablaufzeit – kalendarisch oder auch nach Stunden”, sagte er am Mittwoch gegenüber Ö3. In Europa sei es aus seiner Sicht daher kaum möglich, solche Teile legal in einen anderen Hubschrauber einzubauen. “Wenn dann, glaube ich, geht das irgendwo in andere Teile der Welt.” Für ihn sei es unverständlich, “dass man mitten in der Nacht einen Hubschrauber stehlen kann und vor allem über einige Ländergrenzen fliegen kann, ohne dass man irgendwo gesichtet wird”.

Ex-Skispringer dachte zunächst an einen schlechten Scherz

Als er von dem Diebstahl des Hubschraubers erfahren hat, habe er zunächst gedacht, es handle sich um einen schlechten Scherz, sagte Morgenstern am Mittwoch im Gespräch mit der APA. Noch in der Nacht habe er zwei Anrufe bekommen. Er sei davon ausgegangen, das sei nur ein Scherz, es werde am Flugplatz gefeiert, weil jemand dort Geburtstag hatte. “In der Früh stand dann auf WhatsApp, der Hangar wurde aufgebrochen und der Hubschrauber ist gestohlen.”

Auch nachdem ihm der Eigentümer der Maschine erklärt hatte, der Hubschrauber sei gestohlen worden, habe er es immer noch nicht glauben können. Als er dann am Montagvormittag am Flugplatz in Mauterndorf ankam, dachte er, die Leute dort seien für die Sendung “Verstehen Sie Spaß?” gebrieft. “Ich habe nach der Kamera gesucht, ob sie versteckt ist.” Erst als Beamte des Landeskriminalamtes und Mitarbeiter der Spurensicherung ihre Arbeit aufnahmen, habe er langsam realisieren können, dass das Ganze kein Scherz sei.

Wie für viele andere ist es auch für Morgenstern ein Rätsel, wie ein Hubschrauber anscheinend unbemerkt über Grenzen fliegen kann und schon mehrere Tage verschwunden ist. “Was wir wissen ist, dass er von Mauterndorf aus in Richtung Osten geflogen ist. Was sinnvoll ist, denn die Berge sind dort niedriger. Ich habe aber keine Vorstellung darüber, wo er sein kann.”

Dass sich der Helikopter, der vor zwei Jahren generalüberholt worden ist und seither rund 600 Flugstunden verzeichnet hat, in Europa befindet oder zumindest Teile davon, hält Morgenstern für ausgeschlossen. Die Sicherheitsstandards in Europa seien hoch, man benötige die entsprechenden Dokumente, ohne diese würde keiner einen Hubschrauber kaufen, und jedes Teil habe eine Seriennummer. “Vielleicht wurde der Hubschrauber außerhalb Europas gebracht, aber das sind nur Mutmaßungen.” Den aktuellen Wert der Maschine schätzt er auf 450.000 bis 500.000 Euro.

“Wirtschaftlicher Schaden enorm”

Der wirtschaftliche Schaden sei für den Eigentümer und auch für ihn jedenfalls erheblich, sagte Morgenstern. Seit 2019 führe er Rundflüge durch, und nachdem er im Vorjahr seinen eigenen Hubschrauber verkauft hat, bietet die Thomas Morgenstern Helicopter GmbH seit Mitte des Sommers 2025 Sightseeingflüge und Personentransporte mit dem Hubschrauber von Manuel Aster an.

Morgenstern flog am vergangenen Sonntag noch selbst die Maschine für einen Rundflug, wie er schilderte. In dem Helikopter haben insgesamt vier Personen inklusive dem Piloten Platz. Einen Verdacht, wer die Maschine gestohlen haben könnte, hat er nicht. “Jetzt mache ich mir Gedanken, wie es weitergeht.” Einen Plan B habe er nicht parat. Er hoffe jedenfalls, dass der Helikopter gefunden wird. “Die Hoffnung stirbt zuletzt”, zeigte sich Morgenstern optimistisch. Er setzt auf eine enge, europaweite Zusammenarbeit und gab zu bedenken, dass man mit einem gestohlenen Fluggerät viel anrichten könne.

Suche nach Hubschrauber schwierig

Die Suche nach dem fehlenden Hubschrauber gestaltet sich jedenfalls schwierig, weil Ortungssysteme im Hubschrauber deaktiviert worden sind. Derzeit würden gesicherte Radardaten untersucht, um herauszufinden, welcher weitere Flugweg mit dem Hubschrauber eingeschlagen wurde, hatte der Sprecher von Austro Control, Markus Pohanka, am Dienstag erklärt. “Sämtliche Flugspuren werden jetzt detailliert ausgewertet. In Zusammenarbeit mit dem Bundesheer und der Polizei werden die Erkenntnisse zusammengetragen. Die Nachforschungen werden von uns unterstützt.”

Der Helikopter hat den österreichischen Luftraum am Montag kurz nach 2.00 Uhr verlassen. Die Diebe haben wohl die mondhelle Nacht mit klarem Himmel gezielt für den Coup gewählt. Die Maschine ist laut dem Pongauer Eigentümer Manuel Aster aus Wagrain nicht nachtflugtauglich. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter mit dem Flugplatz örtlich vertraut waren. Derzeit werden gesicherte Spuren ausgewertet und Personen einvernommen, darunter auch jene, die Zugang zum Flugplatz haben.