Iran-Krieg wirft auch Schatten auf Tourismus in Österreich
Der Krieg im Nahen Osten hinterlässt auch Spuren im heimischen Tourismus. Bei den arabischen Urlauberinnen und Urlaubern sowie bei Gästen aus Israel und Fernost ist es laut Österreichischer Hotelvereinigung (ÖHV) bereits zu ersten Stornos gekommen. Bei diesen Reisenden sind normalerweise vor allem Wien, Salzburg und auch Tirol beliebt – mit starken regionalen Unterschieden. Ein Hotspot für arabische Touristinnen und Touristen ist beispielsweise Zell am See.
“Die Hotspots merken es natürlich überdurchschnittlich und dort wieder die 4- und 5-Sterne-Hotellerie – die hat es wirklich hart getroffen, die spüren es massiv”, betonte ÖHV-Sprecher Martin Stanits im Gespräch mit der APA. Einzelne Häuser seien auf diese Herkunftsmärkte konzentriert.
Weniger arabische und israelische Gäste
“Wir werden vor dem Sommer sicher Geschäft verlieren”, sagte der Geschäftsführer der Salzburger Land Tourismus GmbH, Leo Bauernberger, zur APA. In dem Bundesland entfielen rund 4 Prozent der jährlich mehr als 30 Millionen Hotelnächtigungen auf den arabischen Raum. “Das ist schon eine Dimension, die man merkt”, hielt der Touristiker fest. Ob das andere Märkte kompensieren könnten, könne er aktuell nicht abschätzen. “Jede Stornierung und jedes nicht belegte Bett tut weh.”
Noch seien die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf den Salzburger Fremdenverkehr aber gering. “Die Saison für arabische Gäste ist vor allem der Sommer – im März des Vorjahres hatten wir lediglich 4.000 Nächtigungen aus arabischen Ländern”, so Bauernberger.
In Summe buchten die arabischen und israelischen Gäste 2025 rund 2,6 Millionen Übernachtungen in Österreich – gut 1,5 Millionen davon stammten von Ersteren. Insgesamt sind das zwar nicht einmal 2 Prozent aller 153,7 Millionen hierzulande verzeichneten Nächtigungen in den Beherbergungsbetrieben. Doch besagte Konzentration auf Hotspots – lokal und regional bzw. sektoral (Top-Hotelkategorien) – sorgt dort zu einer deutlich stärkeren Belastung, zumal es sich auch um wohlhabende Gäste mit üblicherweise besonders hohen Ausgaben handelt.
Besonders ausgabenfreudige Klientel
Reisende aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien gehören mit durchschnittlichen Tagesausgaben (ohne An- und Abreise) von 531 Euro bzw. 491 Euro pro Person laut Tourismusmarketing-Organisation Österreich Werbung (ÖW) zu den ausgabenfreudigsten. Das gilt auch für Gäste aus China mit im Schnitt 492 Euro. Zum Vergleich: Urlauberinnen und Urlauber aus Österreich geben täglich 179 Euro aus.
“Das Ausbleiben arabischer Gäste trifft die österreichische Tourismusbranche natürlich, aber Österreich ist kein Einmarkt-Land: Wir stehen auf mehreren stabilen Beinen – mit starken europäischen Märkten und wachstumsstarken Fernmärkten wie USA und China”, relativierte ÖW-Chefin Astrid Steharnig-Staudinger gegenüber der APA.
Märkte wie Südostasien oder Australien seien aktuell stärker unter Druck, vor allem aufgrund ihrer Flugabhängigkeit von den Golf-Hubs. “Wir bleiben im arabischen Markt präsent und positionieren Österreich weiterhin als sicheres, hochwertiges Reiseland für qualitätsorientierte Gäste.” Was der Sommer bringe, entscheide sich aber nicht in Wien, sondern im Weltgeschehen. “Diese Lage beobachten wir sehr genau und können jederzeit reagieren.”
Gedämpfte Nachfrage aus Fernost
Das Geschäft mit Reisenden aus Asien ist durch den Krieg Israels und der USA gegen den Iran ebenfalls beeinträchtigt. “Was wir noch merken, sind die Gäste aus Fernost – da haben wir rückläufige Zahlen”, berichtete Stanits. Alle, die normalerweise über die Drehkreuze Dubai oder Doha fliegen, müssten nun längere Ausweichrouten zu höheren Preisen für ihre Städtetrips und Reisen in Europa buchen. “Für den Sommer erwarten wir hier Rückgänge – teilweise merken wir es schon jetzt”, bekräftigte der Branchensprecher. “Für aktuell und für die kommenden Wochen ist storniert worden.”
Manche hätten auch bereits ihren Sommeraufenthalt gecancelt. “Einigen ist es zu unsicher, sie haben Angst, dass sie nicht wieder nach Hause kommen”, erklärte Stanits. Wie viel an Absagen dazukommt, hängt auch von der Dauer des Nahostkonflikts und der Wiederaufnahme von Flugverbindungen ab. “Wir hoffen, dass sich der Krieg nicht monatelang hinzieht”, sagte Bauernberger.
Im arabischen Raum fallen derzeit zentrale Drehkreuze weg. Die Verknappung von Flugtickets, Umwege wegen geschlossener Lufträume und höhere Kerosinpreise würden Auswirkungen auf die Flugpreise haben. “Das ist für Reisen nie gut.”
Österreicher überdenken Fernreisen
Einige heimische Urlauberinnen und Urlauber änderten ihre Reisepläne ebenfalls. “Österreicher canceln teilweise ihre Fernreisen und weichen aus – das muss nicht Österreich sein, ist aber zum Teil Österreich – statt Dubai zu Ostern zum Beispiel Österreich”, vermerkte Stanits.
Bei Flugreisen werde statt einer Langstrecke über Dubai oder Doha nach Japan, Australien oder Neuseeland eher die Mittelstrecke, etwa nach Spanien oder Italien, gewählt. In Summe gehe es dabei um “Zigtausende Leute”.
Doch auch die steigenden Energiepreise und die zu erwartende höhere Inflation bereiten einigen Beherbergungsbetrieben Sorge. “Das wird die nächste Teuerungswelle, die ankommt”, befürchtet der ÖHV-Sprecher. Die Sparsamkeit der Gäste dürfte weiter steigen.
(Von Birgit Kremser/APA)