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OnlyFans, Maga, Gouverneur von Texas? Jakob Kasimir trägt Candy Ken zu Grabe

13.03.2026 • 14:13 Uhr
OnlyFans, Maga, Gouverneur von Texas? Jakob Kasimir trägt Candy Ken zu Grabe
Jakob Kasimir lebt mit seiner Frau und den beiden Söhnen auf einer Ranch in Texas. Kasimir (7)

Interview. 17 Millionen Menschen folgen Jakob Kasimir, früher Candy Ken, auf TikTok. Nun legt der gebürtige Bregenzer seine schillernde Kunstfigur ab und distanziert sich öffentlich von der Maga-Bewegung und Donald Trump.

Ruhe in Frieden, Candy Ken. Warum haben Sie sich entschlossen, Ihr Alter Ego zu begraben?
Jakob Kasimir:
Als ich 22 war, hatte ich das Gefühl, dass alles, was ich im Leben mache, gesellschaftlich geprägt ist. Wo ich aufgewachsen bin, meine Eltern, die Schule, meine Freunde, wie ich mich anziehe. Für mich war es wichtig, mich neu zu identifizieren und mir einen neuen Namen zu geben, um mich von diesen Normen zu lösen. Candy Ken war ein Selbstexperiment. Ich wollte gesellschaftliche Erwartungen umdrehen. Rosa für Männer, Hello Kitty, Sticker, dieses extrem bunte Auftreten. Das war für mich ein Freiheitsgefühl. Ich habe bewusst das Gegenteil von dem gemacht, was man von einem weißen, heterosexuellen Mann erwartet. Das war mein Mittelfinger gegenüber gesellschaftlichen Normen. Damals war das für mich nicht politisch. Ich hatte nicht das Gefühl, eine politische Botschaft zu senden. In den vergangenen Jahren habe ich jedoch den Eindruck gewonnen, dass die Liberalen die LGBTQ+ Community stark politisiert haben. Für mich war das ursprünglich kein politischer Akt, sondern ein künstlerisches Hinterfragen von Normen.

Jakob Kasimir Candy Ken
Sein Alter Ego „Candy Ken“ hat er hinter sich gelassen.

Sie sind später politischer geworden und haben lange mit Maga sympathisiert. Warum kam es nun zum Bruch?
Kasimir:
Während des Wahlkampfs hatte ich das Gefühl, dass Persönlichkeiten wie Elon Musk, Joe Rogan oder Jordan Peterson sich aktiv eingemischt haben. Ich wollte damals ebenfalls dazu beitragen, dass Donald Trump gewinnt und nicht Kamala Harris. Ich habe sie als extrem unqualifiziert wahrgenommen. Zudem hatte ich den Eindruck, dass in Swing-States viele Migranten eingeflogen oder mit Bussen gebracht wurden. Ich empfand es als wichtig, dass Trump gewinnt. Was mich später irritiert hat, war die Erkenntnis, dass beide politischen Parteien wenig echtes Interesse an den amerikanischen Bürgern zeigen. Besonders die Diskussion rund um die Epstein-Files hat bei mir Zweifel ausgelöst. Ich weiß nicht mehr, was im Hintergrund tatsächlich passiert. Ich kann mich nicht hinter eine Person stellen, wenn ich nicht durchblicke, wer wirklich Entscheidungen trifft. Ein weiterer Punkt war die Entwicklung in der Außenpolitik. Gaza, Israel, Iran, Venezuela, die Diskussion um Grönland. Diese Kriegsthemen haben mich zunehmend distanziert. Ich hatte ursprünglich den Eindruck, es gehe um Familienwerte, um „Make America Healthy Again“, um Meinungsfreiheit. Das christliche Auftreten im Wahlkampf war stark betont. Doch mit den aktuellen Entwicklungen und der aus meiner Sicht nicht eingelösten Transparenz bei den Epstein-Files habe ich mich von Maga distanziert.

Jakob Kasimir Candy Ken
Hier präsentiert Jakob Kasimir stolz seine Einbürgerungsurkunde – im Herzen bleibt er Österreicher und gleichzeitig US-Patriot.

Sie haben sich im Umfeld von „Make America Healthy Again“ engagiert. Wie stehen Sie heute zu Persönlichkeiten wie Robert F. Kennedy Jr.?
Kasimir:
Ich finde die Bewegung, Amerika gesünder zu machen, grundsätzlich gut. Weniger Pharmaeinfluss, kritischere Haltung zu Impfungen, gesündere Ernährung. Ich bin ein großer Fan von Robert Kennedy. Er hat einmal sinngemäß gesagt, wer früher Kokain von Toilettensitzen gesnifft habe, müsse keine Angst vor Keimen haben. Solche Aussagen werden oft überspitzt dargestellt. Mir geht es aber darum, Dinge zu hinterfragen. Farbstoffe in Lebensmitteln, übermäßige Impfungen, der Einfluss der Pharmaindustrie. Man kann sich nie zu 100 Prozent mit einer politischen Partei identifizieren, aber einzelne Themen finde ich wichtig.

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Ihre Frau hat ecuadorianische Wurzeln. War das Vorgehen von ICE gegen Migranten ein Thema in Ihrer Familie?
Kasimir:
Nicht wirklich. Wir sind beide legal in die USA gekommen. Wir haben viel Geld bezahlt und jahrelang gewartet. Meine Frau schon als Kind. Ich glaube, ein Land funktioniert nicht, wenn man einfach alle illegal einreisen lässt. Wie ICE vorgeht, ist sicherlich diskutabel und möglicherweise nicht immer korrekt. Aber ich persönlich würde mich nicht mit amerikanischen Polizisten oder ICE-Agenten anlegen. Die Frage ist komplex. In Ländern ohne solche Behörden gibt es auch Probleme.

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Sie wurden von Teilen der queeren Community kritisiert. Wie haben Sie das erlebt?
Kasimir:
Absolut, da gab es viel Kritik. Oft wird alles unter dem Begriff LGBTQ+ zusammengefasst. Ich habe das Gefühl, dass zwischen homosexuellen Menschen und dem Thema Trans vieles vermischt wird, obwohl es unterschiedliche Fragestellungen sind, etwa im medizinischen Bereich. Ich hatte nie das Gefühl, dass mein buntes Auftreten mit meiner sexuellen Orientierung zu tun hatte. Es ging um Inszenierung und Provokation. Mit dem Maga-Hut habe ich dieses Provokationsgefühl wieder gespürt. Dieses Real-Life-Trolling, dieses Auslösen von Irritation. Kunst darf provozieren. Heute ist die Provokation subtiler. Sie liegt in Informationen, etwa bei der Diskussion über pasteurisierte Milch, Impfungen oder Schulbildung.

Sie betonen häufig „Family, Fitness, Faith“. Welche Rolle spielt der Glaube?
Kasimir:
Ich bin christlich in Bregenz aufgewachsen. Später habe ich erlebt, wie stark Religion aus Schule und Gesellschaft verdrängt wurde. Es ist fast modern geworden, sich über Religion lustig zu machen. Ich war lange nicht religiös. Heute habe ich das Gefühl, dass Glaube wichtig ist. Viele religiöse und familiäre Werte sind verloren gegangen. Stattdessen geht es oft nur um Konsum, um das eigene Ich, um Depressionen, Genderfragen oder Selbstverwirklichung. Religion in ihren Grundwerten betont Gemeinschaft, Familie und Verantwortung. Natürlich wird auch Glaube politisiert. So wie Essen oder Geschlechterfragen. Aber man darf sich die Botschaft nicht von politischen Akteuren kaputt machen lassen.

Jakob Kasimir Candy Ken

Glaube wird aber auch zur Legitimation von Kriegen herangezogen. Donald Trump spricht von einer göttlichen Mission. Wie stehen Sie dazu?
Kasimir:
Glaube ist politisiert worden, das stimmt. Wie Essen oder Geschlechterfragen. Man muss versuchen, sich davon zu distanzieren. So wie ich Amerika nicht mit der jeweiligen Regierung gleichsetze. Ich bin Amerika-Fan, weil ich dort meine Frau kennengelernt habe, meinen Beruf gefunden und meine Familie gegründet habe. Das hat für mich nicht eins zu eins mit der Regierung zu tun. Wenn Religion instrumentalisiert wird, um politische oder militärische Ziele zu rechtfertigen, ist das problematisch. Man darf sich die ursprüngliche Botschaft nicht zerstören lassen.

Jakob Kasimir Candy Ken

Wie bewerten Sie das internationale Auftreten der USA?
Kasimir:
Ich habe den Eindruck, dass in Europa eine starke Anti-Trump-Stimmung herrscht. Oft werden kurze Redeausschnitte ohne Kontext verbreitet. Gleichzeitig haben mich die Entwicklungen rund um Gaza, Iran oder Venezuela verunsichert. Ich sehe Videos aus dem Iran, in denen Menschen auf der Straße tanzen. Man weiß nicht, ob ein Diktator weg ist und das gut ist, oder ob wirtschaftliche Interessen, etwa Öl, im Vordergrund stehen. Ich glaube nicht, dass militärische Eingriffe aus reiner Menschenliebe erfolgen. Das alles, zusammen mit der Debatte um die Epstein-Files, hat zu meiner Distanzierung geführt.

Ein TikTok mit einer Halsabschneider-Geste vor der Österreich-Flagge sorgte für Irritation.
Kasimir:
Das war ein Trend mit einem bestimmten Sound. Es war Clickbait. Ich habe auch eine Version gemacht, in der ich die Amerika-Flagge durch die Österreich-Flagge ersetze. Ich werde im Herzen immer Österreicher sein. Amerika ist eines der wenigen Länder, in denen man als Einwanderer wirklich als Amerikaner gelten kann. Das finde ich faszinierend.

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Sie zeigen Ihre Kinder regelmäßig auf Social Media. Wie reagieren Sie auf Kritik?
Kasimir:
Wir haben uns gefragt, ob wir unsere Kinder komplett verstecken sollen. Ich möchte meine Kinder nicht in eine Nanny oder Tagesbetreuung geben. Ich möchte sie immer bei mir haben. Um das zu ermöglichen, veröffentlichen wir auch private Inhalte. Für mich liegt die größere Gefahr darin, wem ich mein Kind anvertraue. In Fremdbetreuung sehe ich mehr Risiko als in einem Foto im Internet. Natürlich können Kinder nicht selbst entscheiden. Aber Eltern treffen ständig Entscheidungen für ihre Kinder, etwa bei Impfungen oder Schulbildung.

Ihre Frau ist auf OnlyFans aktiv und zeigt sich sehr freizügig. Wie passt das zu Ihrem christlichen Werteverständnis?
Kasimir:
Das steht im Kontrast zu unseren Werten. Das ist uns bewusst. Wir haben finanzielle Verpflichtungen, etwa durch den Hauskauf. Der Plan ist, dass der Podcast groß genug wird, um OnlyFans beenden zu können. OnlyFans ist nicht erfüllend. Es ist keine langfristige Lösung. Gleichzeitig kann man Inhalte im privaten Rahmen mit dem eigenen Partner erstellen, ohne Untreue oder andere Personen einzubeziehen. Mit der Entwicklung von künstlicher Intelligenz wird sich dieser Markt ohnehin verändern. Ich glaube, wir sind die letzte Generation, die mit solchen Inhalten noch Geld verdienen kann.

Jakob Kasimir Candy Ken
Kasimir räumt selbst ein, dass die Freizügigkeit seiner Frau auf OnlyFans im Kontrast zu seinen Werten steht.

Macht Ihnen künstliche Intelligenz Sorgen, gerade auch im militärischen Bereich?
Kasimir:
Nein. Ich bin ein großer Fan von KI. Sie hilft mir bei rechtlichen Fragen, bei gesundheitlichen Themen oder bei Content-Produktion. Neue Technologien werden oft verteufelt. Wer sie früh nutzt, kann profitieren.

Ist Arnold Schwarzenegger für Sie ein Vorbild?
Kasimir:
Sein Mindset beeindruckt mich. Er hat sich nie in eine Box stecken lassen, ist mit Akzent Filmstar und später Gouverneur geworden. Was ich kritisch sehe, ist sein Umgang mit der Familie. Am Ende bleiben die Kinder und die Erinnerungen. Familie ist mir wichtiger als reine Karriere.

Jakob Kasimir Candy Ken

Berufsziel: Jakob Kasimir, Gouverneur von Texas?
Kasimir:
Warum nicht? Mit meinem Podcast schlage ich bewusst einen politischen Weg ein (schmunzelt).

Welche Verbindungen haben Sie noch nach Österreich?
Kasimir:
Ich war seit sechs Jahren nicht mehr dort. Mit zwei kleinen Kindern ist eine Reise nicht einfach. Wir planen es. Meine Eltern kommen jedes Jahr nach Texas, um uns zu besuchen.

Jakob Kasimir Candy Ken
Vom bunten Paradiesvogel zum texanischen Cowboy.