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Handwerk statt Hörsaal

13.03.2026 • 14:16 Uhr
Handwerk statt Hörsaal
Welte ist schon seit einigen Jahren im Beruf. Hartinger

Vom Sommerjob zum Profi: Fahrradmechaniker Fabian Welte über Leidenschaft und Selbstständigkeit.

Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?

Fabian Welte: Es war eigentlich ganz spontan. Ursprünglich wollte ich studieren und war schon an der Montanuniversität Leoben inskribiert. Um die Zeit zu überbrücken, wollte ich einen Sommerjob machen und bin schlussendlich bei einem Sporthändler gelandet. Dort habe ich in der Werkstatt gearbeitet und es hat einfach sofort „Klick“ gemacht. Die Arbeit sowie der direkte Kundenkontakt haben mir so viel Spaß gemacht, dass ich im Herbst gar nicht mehr nach Leoben gegangen, sondern direkt im Handwerk geblieben bin.

Was macht die Arbeit so besonders?

Welte: Was mich an Fahrrädern am meisten fasziniert, ist die offene Mechanik. Man sieht alle Bauteile direkt vor sich; sie sind zugänglich und man versteht sofort, wie die einzelnen Teile ineinandergreifen. Es ist zudem eine sehr feine Arbeit. Man braucht ein gutes Gehör und Fingerspitzengefühl, besonders wenn es um das Einstellen der Gänge geht. Der Beruf ist ein ständiger Kompromiss zwischen Stabilität und Leichtgewicht, was jedes Rad zu einer filigranen Herausforderung macht.

Was sind die Herausforderungen als Fahrradmechaniker?

Welte: Im Vergleich zum Automobilsektor, wo alles industriell genormt und über Seriennummern perfekt dokumentiert ist, herrscht bei den Fahrrädern ein gewisser „Wildwuchs“. Es gibt in diesem Bereich ständig neue Innovationen, die manchmal genauso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. Das erfordert extrem viel Erfahrung, weil man oft vor einem Teil steht und sich denkt: „Oha, was ist das denn schon wieder?“ Aber genau diese Abwechslung macht den Beruf so spannend.

Was haben Sie gelernt und wo soll die Reise hingehen?

Welte: Die Selbstständigkeit hat mich vor allem Geduld und Resilienz gelehrt. Nach dem Start als mobiler Mechaniker liegt mein Fokus heute auf Professionalisierung. Ich baue digitale Strukturen und einen transparenten E-Bike-Service auf, damit das Geschäft gesund wachsen kann und ich weg vom 16-Stunden-Tag komme.