IV: Konjunkturerholung durch Iran-Krieg zurückgestutzt

29.04.2026 • 12:08 Uhr

Die für heuer erwartete leichte konjunkturelle Erholung ist durch die jüngste Eskalation im Nahen Osten gebremst worden, vollständig abgesagt ist sie aber noch nicht. Das zeigt das Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung (IV). Der Index, ein gewichteter Mittelwert aus aktueller Geschäftslage und Erwartungen für die kommenden sechs Monate, verbesserte sich im ersten Quartal und erreichte +11,5 Punkte.

Die Industrie schätzt die aktuelle Geschäftslage dabei schlechter ein als noch im vierten Quartal 2025, der Teilindikator zeigt einen Rücksetzer von +14 auf +8 Punkte. Optimistischer sind die befragten Unternehmen mit Blick in die Zukunft, die Geschäftserwartungen verbesserten sich von +5 auf +15 Punkte.

Hoffnung auf konjunkturelle Erholung bleibt

“Natürlich wirkt sich der Krieg im Persischen Golf negativ auf die aktuelle Geschäftslage aus, aber noch sind wir nicht so weit, dass schon jede Hoffnung fahren gelassen worden wäre”, erklärte IV-Chefökonom Christian Helmenstein auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Demnach seien Firmen zum Zeitpunkt der Befragung davon ausgegangen, dass die durch den Iran-Krieg ausgelösten Lieferkettenunterbrechungen innerhalb von wenigen Monaten beendet sein könnten, so der Ökonom.

Erfreulich sei, dass sich der Teilindex für den Auftragsbestand in der Industrie bei +15 Punkten auf einem niedrigen Niveau stabilisiert habe, so Helmenstein. Die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen auf den internationalen Märkten habe außerdem davon profitiert, dass die Euro-Aufwertung gegenüber dem US-Dollar nicht mehr wesentlich vorangeschritten sei. Gleichzeitig sei beim chinesischen Yuan eine deutliche Aufwertung zu beobachten, was die internationale Positionierung europäischer Unternehmen ebenfalls erleichtere.

Inflation dürfte in den kommenden Monaten wieder steigen

Auch bei der Produktionstätigkeit in den nächsten drei Monaten verzeichnete die Industrie im ersten Quartal einen Rücksetzer. Der Output dürfte in den nächsten Monaten demnach nahe an der Stagnation liegen, er werde aber immerhin nicht sinken, so Helmenstein. Der Indikator für den Beschäftigungsstand in den kommenden drei Monaten verbesserte sich zwar, blieb aber weiterhin im negativen Bereich. “Bei der Beschäftigung wird es weiter abwärts gehen”, sagte der Ökonom.

Belastend auf die Industrieunternehmen wirken laut Helmenstein auch die durch den Krieg im Nahen Osten gestiegenen Kosten. Als Reaktion dürften die Verkaufspreise in den kommenden drei Monaten steigen. “Das ist natürlich ein sehr schlechter Vorbote für die weitere Entwicklung des Verbraucherpreisindex in Österreich”, so der Ökonom. Helmenstein rechnet mit einem erneuten Anstieg der Teuerung und einer Verfestigung der “deutlich überhöhten Inflationsniveaus”. Unter der aktuellen Situation leidet die Ertragslage der Unternehmen deutlich, für die kommenden sechs Monate dürfte sich laut Befragung eine Stagnation einstellen.