Kämpfe in ölreicher Provinz Marib im Jemen
Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Milizen liefern sich mit den Huthi-Rebellen schwere Kämpfe um die ölreiche Provinz Marib im Jemen. Bei den Gefechten seien in den vergangenen drei Tagen mehr als 50 Huthi-Kämpfer getötet worden, hieß es aus Militärkreisen. Laut Augenzeugen kam es dort zu gegenseitigem Artilleriefeuer, Geländegewinne konnte allerdings keine der Konfliktparteien erzielen.
Auch in Taiz und Lahj an Jemens Küsten zum Roten Meer und dem Golf von Aden und im Kahboub-Gebirge im Südwesten wurden Kämpfe gemeldet. Marib ist in dem Bürgerkrieg, der 2014 mit einem gewaltsamen Aufstand der Huthi begann, seit Jahren umkämpft. Die Provinz verfügt über Öl- und Gasfelder, zudem befindet sie sich in einer strategisch wichtigen Lage als Knotenpunkt zwischen mehreren Landesteilen.
Durch die Kämpfe wurden der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge mindestens 105.000 Menschen vertrieben. Das UNO-Nothilfeprogramm OCHA sprach von 125.000 Vertriebenen seit Anfang des Monats. Fast 3.000 Menschen flüchteten auf Booten nach Dschibuti am Horn von Afrika.
Kämpfe um Zugang zu wichtiger Meerenge Bab al-Mandab
Marib werde uneinnehmbar bleiben, sagte Kommandant Mansour Thawaba von den Regierungstruppen. Diese seien von der Verteidigung in die Offensive gegangen und hätten nun die von den Huthi kontrollierte Hauptstadt Sanaa als Ziel.
Die Regierungstruppen teilten mit, sie hätten mit Raketenwerfern mehrere Artilleriestellungen und Flakgeschütze der Huthi zerstört. Die mit der Regierung verbündeten sogenannten Riesen-Brigaden teilten mit, sie hätten im Kahboub-Gebirge Fahrzeuge der Huthi zerstört und sämtliche Insassen getötet. Das Gebirge überblickt die wichtige Meerenge Bab al-Mandab und die dorthin führenden Straßen. Unter den Todesopfern waren örtlichen Beobachtern zufolge auch zwei Kommandeure der Iran-treuen Miliz.
Ein Huthi-Militärsprecher teilte mit, saudische Kampfjets seien innerhalb von 24 Stunden mehr als zwei Dutzend Luftangriffe geflogen. Vier Menschen seien dabei in al Jawf im Norden getötet worden, berichtete die den Rebellen nahestehende Nachrichtenagentur Saba.
Saudi-Arabien war 2015 in den Krieg im Nachbarland eingetreten. Riad begann eine Blockade von Häfen und Flughäfen in von Huthi kontrollierten Gebieten mit dem Ziel, Waffenlieferungen des Irans an die Miliz zu verhindern.
Humanitäre Lage weiter verschärft
Schon vor den jüngsten Kämpfen steckte der Jemen in einer der schwersten humanitären Krisen weltweit. Im Land leben 4,8 Millionen Menschen, die schon vor der neuen Eskalation einmal oder mehrfach vertrieben wurden. Es fehlt an Unterkünften, Wasser, Lebens- und Arzneimitteln. Millionen Menschen im Land haben nicht genug zu essen, viele wurden an den Rand einer Hungersnot getrieben. Im Jemen sind etwa 90 Hilfsorganisationen im Einsatz.
Die jüngsten Gefechte verschärfen die humanitäre Lage im Land weiter. Unter den vor dem Konflikt Geflüchteten seien etwa 2.100 schwangere Frauen, von denen mehr als 400 dringend Geburtshilfe benötigten oder die Versorgung von Neugeborenen, teilte der UNO-Bevölkerungsfonds (UNFPA) am Montag mit. Frauen und Kinder seien besonders verwundbar. Es fehle an Notunterkünften und Sanitäranlagen. Wegen der laufenden Kämpfe sei die humanitäre Versorgung schwierig, da Gebiete zu gefährlich und Straßen nicht befahrbar seien.