Kaiseradler-Bestand in Österreich steigt weiter

01.09.2026 • 09:36 Uhr
Kaiseradler-Bestand in Österreich steigt weiter

Die Bestände des weltweit bedrohten Kaiseradlers (Aquila heliaca) in Österreich entwickeln sich weiter positiv. 2026 wurden 68 Reviere erfasst – zehn Prozent mehr als im Vorjahr. In 56 Revieren kam es zu einer Brut. Der Bruterfolg war aber so niedrig wie seit 15 Jahren nicht mehr. “Der Kaiseradler breitet sich weiterhin in Österreich aus und besiedelt zunehmend die geeigneten Lebensräume”, so Matthias Schmidt, Greifvogelexperte von Birdlife, in einer Aussendung am Dienstag.

Nicht die unmittelbare Hitze, sondern regionale, kurze und heftige Schlechtwetterphasen waren laut Birdlife ausschlaggebend für den geringen Bruterfolg. Extreme Wetterereignisse Mitte Mai dürften bei mehreren Brutpaaren zum Verlust frisch geschlüpfter Jungvögel geführt haben. Wenige Tage mit starkem Niederschlag und niedrigen Temperaturen können in dieser sensiblen Phase zum Tod der Jungvögel führen.

Besonders stark betroffen waren Brutpaare im westlichen Weinviertel und im Bereich des Tullnerfelds. Im Nordburgenland und im südlichen Wiener Becken war der Bruterfolg hingegen gut. Dort gab es auch die meisten Bruten mit drei erfolgreich ausgeflogenen Jungvögeln.

“Theodora” Beispiel für internationale Zusammenarbeit

Die intensiven Schutzbemühungen und die Zusammenarbeit mit Partnern im benachbarten Ausland unterstützten die natürliche Wiederbesiedlung des ursprünglichen Lebensraums. Ein Beispiel für die Bedeutung internationaler Schutzmaßnahmen ist die Kaiseradlerdame “Theodora”. Sie wurde 2022 als Jungvogel im Grenzgebiet von Österreich und Ungarn im Rahmen einer Kooperation von Birdlife Österreich und Birdlife Ungarn (MME) beringt und besendert.

Vier Jahre später zog “Theodora” im Wiener Becken erstmals gemeinsam mit ihrem Partner zwei Jungvögel erfolgreich auf. Auch der männliche Vogel war 2022 im Rahmen eines Schutzprogramms in der Slowakei besendert worden. GPS-Daten dokumentieren die weiten Wanderungen des Paares über Polen bis an die Ostsee und in die Slowakei sowie schließlich nach Niederösterreich.

“Ein Sinnbild dieser partnerschaftlichen und engen Zusammenarbeit ist der Bruterfolg der Kaiseradlerdame ‘Theodora'”, sagte Schmidt. Ihre Geschichte zeige, wie wichtig internationale Schutzbemühungen und Kooperationen für die Erhaltung der Art seien. Ihre Beringung wurde 2022 zudem für eine ARTE-Dokumentation über Kaiseradler und ihre illegale Verfolgung filmisch begleitet.

Kaiseradler war lange ausgestorben

Der Kaiseradler war in Österreich lange ausgestorben und kehrte erst vor wenigen Jahrzehnten zurück. Heute ist es das westlichste Verbreitungsgebiet der Art. Sie kommt vom Nordburgenland über das Weinviertel bis ins östliche Waldviertel vor und bevorzugt weitläufige, beutereiche und störungsarme Offenlandschaften.

Bei der Erfassung der Kaiseradler arbeitet Birdlife Österreich mit einem breiten Netzwerk engagierter Greifvogelbeobachterinnen und -beobachter zusammen. Die Horste werden meist auf größeren Bäumen mit freiem Anflug errichtet – in Wäldern ebenso wie auf Einzelbäumen oder in Baumstreifen in Agrarlandschaften.