Klanglicht Graz als projizierte Poesie im Schloss Eggenberg

24.10.2026 • 11:28 Uhr
Klanglicht Graz als projizierte Poesie im Schloss Eggenberg

Das Licht- und Soundfestival Klanglicht in Graz kehrte Freitagnacht zu einem alten “Tatort” zurück – dem märchenhaften Park und dem Schloss Eggenberg im Grazer Westen. Inmitten von 14 lichtvollen und klangstarken Installationen ließ sich die Kälte des Herbstabends gut aushalten – und wer sich auf das heurige Leitmotiv “Zeit” einließ, sah und spürte Altbekanntes auf wunderbar unbekannte Weise.

Die Allee im Park zum Schloss ist bereits Teil der Inszenierung: In “Räume der Zeit” warfen Hartung & Trenz, klangliche Begleitung von Timber Hemprich, einen leuchtenden Buchstabenwald auf die Bäume, der ihren sonst schattenhaften nächtlichen, bisweilen unheimlichen Konturen eine zauberhafte Tiefe verleiht – und sich alle paar Schritte anders präsentiert, als Rechtecke, tiefgestaffelt durch die ausladende Größe ihrer Äste. Rechts und links der Allee weitere Installationen, einerseits der etwas bescheidene “Floral Forest” im Café-Pavillon, andererseits die räumlich weiter gefassten “Prism” von Studierenden der FH Joanneum auf der Picknickwiese, “All the Light You See” von Alicia Eggert und das intensive “Energy in Time” von Zeineb Kaabi am verwunschenen Gebäude an der Schlossmauer.

In “Kadenzen” neu interpretierte Schlossfassade

Erstmals wird für das ganze Festival Eintrittsgeld verlangt, bei den größeren Formaten der vergangenen Jahre in der Innenstadt, am Schloßberg und im neuen Stadtteil Reininghaus war das nur bei einem Teil der Installationen der Fall, etwa jenen in den Schloßbergstollen. Allerdings: Alleine schon “Kadenzen” von Daniel Rossa (Sound: Iona W.), auf die Schlossfassade projiziert, ist den Ticketpreis allemal wert. Jede Säule, jeder Fensterrahmen, jede Gaube wird neu interpretiert, praktisch digitalisiert, die stetig in schnellem Zeitfluss neu gestalteten Bilder und Konturen werden durch eine weißgewandte Tänzerin verbunden. Im Arkadenhof warten dann die mutmaßlichen Publikumslieblinge, zumindest was die Kadenz der Selfies der Besucher angeht: die sanftbunten “Whispering Mountains” des australischen Studios Eness.

Der Planetensaal, ohnehin schon voll der Allegorien, überrascht mit vier nur auf den ersten Blick weiß-grauen Wänden. “Jahres Licht Weiss” von Inge Dick fordert auf, erschließt sich erst, wenn man sich einige Zeit nimmt. Vier Wände wie die vier Jahreszeiten, im Schloss mit seinen vier Türmen allegorisiert. Dick hat über Jahre hinweg einfallendes Licht in einem weißen Raum im Laufe der Jahreszeiten fotografisch eingefangen und die Farbspektren in Standbildern aneinandergereiht. Zeit ist hier der Schlüssel, vieles erschließt sich eben nicht augenblicklich. Einige Räume weiter, in der Kapelle, hat der Niederländer Robin Beekman mit “Continuum” eine eigene Zeitmessung in 24 schwach leuchtenden Stelen geschaffen. Schlichte Gestaltung, große Wirkung – in der scheinbaren Ewigkeit der stillen, dunklen Schlosskapelle.

Kuratorin Birgit Lill-Schnabl beschrieb bei der Eröffnung die 14 künstlerischen Arbeiten als Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft der “Zeitmaschine Schloss”. Größerer Raum wurde dieses Mal den prachtvollen Innenräumen und Arkadenhöfen von Eggenberg gewidmet. Beim ersten Klanglicht in Eggenberg Ende Oktober des Coronajahres 2021 spielte aus Abstandsgründen das Innere keine Rolle.

Kalte Nacht, wärmendes Licht

Zur Eröffnung hatte sich – angesichts der Beteiligung dreier holländischer Künstler – auch der Botschafter der Niederlande in Wien, Peter Christiaan Potman, eingefunden. Potman wies auf den Support durch den Mondriaan Fonds für die Künstler hin: “Unsere Welt braucht gegenseitige Unterstützung.”

Das Publikum war trotz der im Vergleich zu früheren Jahren etwas verringerten Licht- und Klangpräsenz angetan – trotz der kühlen Nacht durchwegs strahlende Besucher. “Es ist ja alleine schon wundervoll, durch den nächtlichen Park zu schlendern – aber mit den Installationen…”, schwärmte eine Dame. “Es ist heute sehr kalt, aber das Licht wärmt”, urteilte Bühnen-Graz-Chef und Klanglicht-Macher Bernhard Rinner. Der Grazer Poetry-Slamer Christoph Steiner hatte beim Dunkelwerden das heurige Klanglicht unter dem Leitmotiv “Zeit” eingeleitet, mit einem eigens geschaffenen Text – den möchte man im Grunde jeden Abend mit Einbruch der Dämmerung hören – so viel Zeit muss sein.

(Von Peter Kolb/APA)

(S E R V I C E – Nähere Info zu Klanglicht 2026 in Graz sowie Tickets unter bzw. in Wien unter . Karten kosten 19 Euro im Vorverkauf und 24 Euro an der Abendkasse, inkludiert ist eine freie Fahrt mit den Graz Linien. Kinder bis sieben Jahre haben freien Eintritt.)