Kleine Abgesänge bei den Salzburger Festspielen

04.08.2026 • 05:00 Uhr
Kleine Abgesänge bei den Salzburger Festspielen

Abgesänge im kleinen Format und mit großem Gestus erschallten am Montagabend im Haus für Mozart. Mitglieder der Wiener Philharmoniker hatten sich zusammengefunden, um bei den Salzburger Festspielen vier Werke auf die Bühne zu heben, die auf den ersten Blick wenig, auf den zweiten aber durchaus einiges verbindet: Es sind letztlich vier musikalische Nachrufe, die von den so unterschiedlichen Meistern Arvo Pärt, Benjamin Britten, Richard Wagner und Richard Strauss stammen.

Den Auftakt gestaltete mit Pärts “Cantus in Memory of Benjamin Britten” das Werk des einzigen noch lebenden Komponisten, der hiermit 1977 dem kurz davor verstorbenen Kollegen seinen Respekt zollte. Mit zwölf Streichern und einer Glocke entwickelt der heute 90-jährige Este in kanonischer Form die für ihn später so charakteristische flirrende Klangfläche, die hier von einer einzelnen Glocke nicht vorangetrieben, sondern gestützt wird. Ein frühes Werk für Pärts eigenen “Tintinnabuli-Stil”, das bis heute berührt, wenn es in einem finalen Glockenschlag verklingt.

Britten als Antwort

Als programmatische, wenn auch chronologisch verdrehte Antwort stand danach Brittens “Serenade für Tenor, Horn und Streichorchester” im Fokus, für die man sich mit Julian Prégardien einen dezidierten Liedexperten an die Seite geholt hatte. In großer Diversität des Ausdrucks und streckenweise einer Arvo Pärt gänzlich abgehenden, verspielten Leichtigkeit wurden hier von Britten 1943 nach der Rückkehr aus dem US-Exil nach England sechs Gedichte über die Nacht vertont. Und auch wenn das Horn von Josef Reif unvermeidlich pastorale Assoziationen evoziert, geht Britten mit der Nacht zu Gericht, zielt nicht zuletzt auf ihren Charakter als Verwandte des Todes ab, was Prégardien mal neckisch, mal mit aller Vehemenz bei dem für ihn hochgesetzten Stück gestaltet.

Dem Grundprinzip der Reduktion frönte man auch im zweiten Teil des Abends, der von Richard Wagners Vorspiel zu “Tristan und Isolde” eröffnet wurde – in einer Fassung für Streichsextett. Bearbeitet vom Salzburger Violinisten Sebastian Gürtler, bekannt als Teil der Philharmonix, gelingt dieses eigentlich monumentale Hochamt auf die alles verschlingende Liebe auch in einer Sechserkombination, die naturgemäß solistische Einzelleistungen besser zur Geltung bringt.

Strauss im Kleinen

Den Abend beschlossen schließlich Richard Strauss’ “Metamorphosen”, die eigentlich für 23 Streicher geschrieben sind, aber auch in der Drittelung auf sieben funktionieren. Der Abgesang des bereits hochbetagten Tonsetzers auf seine Zeit, sich selbst, die Spätromantik, eine ganze Epoche der Menschheit, wurde wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs geschrieben. Ungeachtet der Schwere des Abschiedes angesichts der Zerstörungen verpassten die Musiker beim Lauf der Motive durch die Instrumentengruppen den Noten streckenweise eine beinahe jazzige Intonation und milderten so die Vehemenz des Verlusts. Und doch blieb am Ende dieses heißen Salzburger Festspieltages der Eindruck einer Melancholie angesichts des Verlusts und der Unausweichlichkeit, der gut ins Miserere-Thema der Ouverture spirituelle zu Beginn des Festivals gepasst hätte.

(Von Martin Fichter-Wöß/APA)

(S E R V I C E – )