Klimaerwärmung in den Alpen: Bergführer rüsten sich

20.09.2026 • 06:00 Uhr
Klimaerwärmung in den Alpen: Bergführer rüsten sich

Mit der Klimaerwärmung hat sich die Steinschlag- und Spaltensturzgefahr in den Bergen erhöht und die Wegfindung im hochalpinen Gelände erschwert. Damit sind auch die Anforderungen für die Bergführerinnen und Bergführer gestiegen, ihre Gäste sicher auf die Gipfel zu führen. “Ein wesentlicher Bereich in der Ausbildung ist die Prävention”, schilderte der Ausbildungsleiter des Salzburger Bergsportführerverbandes, Bernhard Egger, im APA-Gespräch.

Speziell im diesjährigen Hitze-Sommer sei die Situation schwierig gewesen. “Die Klimaerwärmung war heuer für alle eklatant bemerkbar”, sagte der staatlich geprüfte Berg- und Skiführer und Bergretter aus Bramberg im Pinzgau “Bereits im Winter lag wenig Schnee auf den Gletschern. Im Sommer war es auch auf den Bergen sehr warm. Der Schnee ist rasch geschmolzen. Die Spaltensturzgefahr hat sich erhöht.” Auch in der Nacht gab es auf 3.000 Meter Plusgrade. Die Schneebrücken über die Gletscherspalten sind aufgrund der Schneeschmelze dünner geworden, das Betreten wurde gefährlicher, weil sie jederzeit brechen konnten.

Übergänge vom Gletscher auf den Fels gefährlicher

“Die Gletscher sind enorm zurückgegangen. An einigen frequentierten Übergängen vom Gletscher zum Fels befand sich nur mehr wenig Eis oder kein Eis mehr. Es hat sich eine Kluft gebildet.” Als Beispiel nannte Egger die Randkluft beim Schulterklettersteig am Dachstein. Bei einem österreichweiten Bergführer-Ausbildungskurs Anfang September habe sich gezeigt, dass der – bei guten Bedingungen – nicht schwierige Übertritt vom Gletscher auf den Fels ein richtig alpines Unterfangen geworden sei. “Es ist eine tickende Zeitbombe, wann dort das Eis bricht.” Beim Randkluftklettersteig sei im Juli schon kein Durchkommen mehr gewesen.

Am viel begangenen Großvenediger bildete sich im Spätersommer an der Venedigerscharte eine breite Gletscherspalte. Seilschaften sicherten sich bei der Querung mit Eisschrauben, damit sich keine Sturzenergie aufbauen und niemand mitgerissen werden konnte. “Innerhalb eines Monats schaut der Gletscher völlig anders aus. Vor allem für klassische Zweier-Seilschaften sind Passagen schwieriger geworden “, erklärte Egger.

“Wir empfehlen, sich mit anderen Seilschaften zusammenzuhängen, dann ist die Spaltensturzgefahr geringer.” Je mehr Personen in einer Seilschaft am Gletscher gehen, desto leichter kann eine Person, die einbricht, gehalten werden. Bergführer und Bergführerinnen seien geschult, diese Gefahren zu erkennen, und würden entsprechend reagieren, sagte der Ausbildungsleiter. Sie haben alle erforderlichen Seilsicherungstechniken erlernt.

Risiko von Steinschlag- und Erdrutschgefahr erhöht

Manche Freizeitsportler seien sich den Gefahren in den Bergen nicht bewusst. Zu beobachten seien beispielsweise Trailrunnerinnen und Trailrunner, die ungesichert mit Laufschuhen auf Gletschern unterwegs sind, motiviert offenbar von ihren Vorbildern, die in den sozialen Medien ihre Erfolge posten.

Auch das Risiko von Steinschlag und Erdrutschereignissen am Berg sei größer geworden. Felsgrate, die noch vor einigen Jahren von der Gletschermasse gestützt wurden, seien wegen des Gletscherrückgangs instabil geworden, auch durch den auftauenden Permafrost. Um das Restrisiko möglichst gering zu halten, werde ständig Ausschau nach Umgehungen und neuen Routen gehalten. “Die Wegfindung ist schwieriger geworden. Wirte von Alpenvereinshütten sind permanent bemüht, dass die Hütten zugänglich bleiben.” Einige Wegstrecken, die noch auf älteren Karten abgebildet sind, können teils nicht mehr begangen werden.

Auf Notfälle und Unfälle gut vorbereitet

Als Berg- und Skiführer müsse man bestmöglich auf Notfälle und Unfälle vorbereitet sein, gab Egger zu bedenken. “Fortbildungen sind ein wichtiger Bestandteil der Tätigkeit.” Erst am 12. September gab es eine spezielle Fortbildung des Salzburger Bergsportführerverbandes, der 274 Mitglieder hat, mit der ÖAMTC-Flugrettung und einem Arzt beim Truppenübungsplatz Hochfilzen.

An fünf Stationen wurden verschiedene Szenarien und Bergungstechniken praktisch trainiert, wie die Erstversorgung, Reanimation und Lagerung von Verunfallten und ihr schonender und sicherer Abtransport. Geübt wurde auch die Windenbergung, eine neue Möglichkeit der raschen Bergung von Verunfallten in Österreich auch in der Nacht, bei der Personen mit einer Winde vom Rettungshubschrauber-Team hochgezogen und aufgenommen werden.

Zusammenarbeit mit Christophorus-Flugrettung optimiert

Der Rettungshubschrauber Christophorus 14 in Niederöblarn in der Steiermark fliegt seit Juli 2025 mit Winde im 24 Stunden- und Siebentagesbetrieb, wie der Pinzgauer Bergführer und Bergretter Markus Amon, Technical Operation Manager der ÖAMTC-Flugrettung, erläutert. Mit Jahresende 2026 geht auch der C4 in Reith/Kitzbühel in Tirol mit einer täglichen Dienstzeit von 7.00 Uhr bis 21.30 Uhr in Betrieb.

“Ziel der Fortbildung in Hochfilzen war, die Handgriffe zu festigen und die Zusammenarbeit zu optimieren”, schilderte Egger. “Im Ernstfall zählt die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Gute Vorbereitung und regelmäßiges Training schaffen Sicherheit.”