Kreise: Sechs Tote bei Angriff Israels im Südlibanon

Bei einem israelischen Angriff nahe der südlibanesischen Küstenstadt Tyrus sind nach Angaben aus medizinischen Kreisen sechs Menschen getötet worden. Vier Syrer und zwei Palästinenser seien bei zwei Angriffen in dem Gebiet Al-Haush getötet worden, hieß es. Zuvor hatte die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA zwei israelische Angriffe in der Region gemeldet.
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Ungeachtet einer seit dem 17. April geltenden Feuerpause greift die von Teheran finanzierte und militärisch wie politisch aus dem Iran unterstützte Hisbollah-Miliz immer wieder Ziele in Nordisrael mit Drohnen und Raketen an. Israel attackiert im Gegenzug Ziele im Libanon aus der Luft und rückt zudem mit Bodentruppen weit im Süden des Landes vor.
Das israelische Militär fing indes nach eigenen Angaben ein “feindliches Flugobjekt” ab, das aus dem Libanon in den Luftraum über dem Norden Israels eingedrungen ist. Die Armee bringt den Vorfall zunächst nicht mit der libanesischen Hisbollah-Miliz in Verbindung. Zudem übernimmt die vom Iran unterstützte Gruppe keine Verantwortung dafür. Der Libanon hatte eine Teilwaffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel verkündet. Demnach stellt Israel seine Angriffe auf die von der Hisbollah kontrollierten Vororte von Beirut ein, während die Miliz ihre Angriffe auf Israel stoppt.
Hisbollah: Angriffe auf Tel Aviv bei neuen Attacken Israels
Während laufender Verhandlungen in den USA zum Krieg im Libanon drohte die Hisbollah-Miliz mit Vergeltungsangriffen auf die israelischen Metropolen Tel Aviv und Haifa. Solche Attacken drohten, sollte Israel wieder Beirut und dessen Vororte sowie die Bekaa-Ebene im Libanon angreifen, sagte der Hisbollah-Funktionär Mahmud Komati dem katarischen TV-Sender Al Araby. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte am Montag mit neuen Angriffen im Raum Beirut gedroht, wenn die mit dem Iran verbündete Hisbollah ihre Angriffe auf israelische Städte nicht einstelle.
“Die Hisbollah akzeptiert nichts weniger als ein umfassendes Kriegsende”, sagte Hisbollah-Funktionär Bilal Lakkis der Deutschen Presse-Agentur. Die schiitische Organisation werde auch nicht zulassen, dass Israels Armee sich im Libanon frei zu Land, Luft oder Wasser bewegen kann und dass Israel eine “Realität der Besatzung im Süden des Libanons” schaffen wird.
Erhoffter Abschied vom “Misserfolg über 20 Jahre”
In Washington laufen derzeit direkte Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon. Im Zuge der US-Vermittlung war im April eine Waffenruhe verkündet worden, die formell zwischen Israel und dem Libanon gilt. Die Hisbollah, gegen die Israel im Libanon kämpft, ist aber nicht an den Gesprächen beteiligt.
Die Gespräche sollten an diesem Mittwoch fortgesetzt werden, teilte ein Sprecher des US-Außenministeriums mit. Ziel sei, sich von “Misserfolgen der vergangenen 20 Jahre” zu verabschieden und ein umfassendes Abkommen zur Souveränität des Libanons und zur Sicherheit Israels zu erreichen. Der libanesische Staat ist nicht Konfliktpartei im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah.
Libanesischen Regierungskreisen zufolge soll es beim Treffen am Mittwoch auch um einen schrittweisen Abzug von Israels Truppen aus dem nördlichen Nachbarland, um die Stationierung der libanesischen Armee und eine Festigung der Waffenruhe gehen. Die USA erwägen, die staatliche libanesische Armee auszubilden als Teil einer angestrebten Entwaffnung der Hisbollah, wie der israelische Sender Kan unter Berufung auf eingeweihte Personen berichtete. Offiziell bestätigt sind diese Pläne nicht.
Israelische Bodentruppen waren vor einigen Tagen im Libanon nördlich des Litani-Flusses vorgedrungen, der im Konflikt als wichtige Trennlinie gilt. Die Truppen führten dort Einsätze gegen “Terror-Infrastruktur” durch, teilte Israels Armee mit. Sie habe nördlich des Flusses bisher mehr als 100 Luftangriffe geflogen und “Hunderte Waffen in Wohnhäusern” entdeckt. Heute griff Israel mit einer Drohne auch ein Fahrzeug auf einer Schnellstraße südlich von Beirut an, wie eine dpa-Reporterin berichtete. Israels Armee teilte mit, den Vorfall zu prüfen.