Künftiger ORF-Chef Pig stellt seine Direktorensuche neu auf
Der designierte ORF-Chef Clemens Pig stellt die Suche nach 13 ORF-Direktorinnen und -Direktoren auf neue Beine. “Meine oberste Aufgabe ist es, für ein EMFA- und ORF-gesetzeskonformes Auswahlverfahren zu sorgen”, sagte er der APA am Montag. So zieht er zwei externe Personalberater aus Deutschland und der Schweiz hinzu, um einen “maximal äquidistanten Blick auf die Bewerbungen zu erhalten”. Sein Team wird er erst Mitte August dem ORF-Stiftungsrat zur Bestellung vorschlagen.
Ursprünglich war der 21. Juli für die Bestellung der vier ORF-Direktorinnen und -Direktoren und der neun ORF-Landesdirektorinnen und -direktoren vorgesehen. Um einen ordnungsgemäßen Auswahlprozess zu gewährleisten, verschiebt sich der Termin nach hinten, berichteten zunächst “Standard” und “Kurier”. Denn die Bewerbungsfrist endet erst am 14. Juli um 24 Uhr. Damit wären nur wenige Tage zur Sichtung der eingegangenen Bewerbungen und der Auswahl geblieben. Bereits jetzt nimmt Pig “eine große Anzahl an Interessensbekundungen” wahr, sagte er zur APA.
Objektiv, transparent, nicht diskriminierend
Pig will mit Blick auf das Europäische Medienfreiheitsgesetz (EMFA) und das ORF-Gesetz für ein “objektives, transparentes und nicht diskriminierendes Verfahren” sorgen. Mit den zwei Beratern aus der Schweiz und Deutschland erstellt er nach Eingang der Bewerbungen eine Shortlist und führt auf Basis dieser gemeinsam mit den Beratern Bewerbungsgespräche. Die Berater würden laut dem künftigen ORF-Chef bisher keinen Bezugspunkt zu ihm oder seiner bisherigen Tätigkeit aufweisen.
Hat Pig die künftigen Direktoren – vier zentrale und neun Landesdirektoren – gefunden, muss er sie dem ORF-Stiftungsrat zur Bestellung vorschlagen. “Mein Job liegt darin, dem Stiftungsrat das beste Team vorzuschlagen”, antwortete Pig danach gefragt, ob er mit Gegenwind rechnet, wenn er auf Wünsche aus der Politiksphäre keine Rücksicht nehme. ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer und dessen Stellvertreter Gregor Schütze habe er informiert, sein Vorgehen aber nicht mit ihnen abgestimmt, betonte Pig.
Laut Ausschreibung sucht Pig Direktoren für “Programm und Brands”, “Audience und Plattformen”, “Finanzen und Verwaltung”, “Technologie und Innovation” und neun Landesdirektoren für die Jahre 2027 bis 2031. Er will auf ein strikt ausgewogenes Geschlechterverhältnis achten. Die Informationsagenden behält er weiter bei sich. Pig will Bewerberinnen und Bewerber u.a. zu ihrer Überzeugung für ein öffentlich-rechtliches Medienunternehmen, ihrer Identifikation mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag, den Programmgrundsätzen wie Objektivität, Meinungsvielfalt und Achtung der Menschenwürde, sowie den Programmrichtlinien des ORF befragen.
Maurer: “Absolute Mindestvoraussetzung”
“Entscheidend wird sein, ob die Bestellung tatsächlich nach Qualifikation erfolgt und nicht nach parteipolitischen Interessen”, hielt Sigrid Maurer, Mediensprecherin der Grünen, in einer Aussendung fest. Die Einhaltung europäischer und nationaler Rechtsvorschriften sei “die absolute Mindestvoraussetzung für einen glaubwürdigen und unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk”.
“Der nun eingeschlagene Weg entlang des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes ist ein wichtiger Schritt, auf den wir NEOS immer gepocht haben”, reagierte NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter. Die Neuausrichtung dürfe jedoch keine Eintagsfliege sein. “Entscheidend ist, dass der ORF danach nicht wieder in alte Hinterzimmer-Routinen zurückfällt”, so die Politikerin.