MAK entführt mit Kateryna Lysovenko ins “Borderland”

15.09.2026 • 13:14 Uhr
MAK entführt mit Kateryna Lysovenko ins "Borderland"

Wer das Forum im Museum für angewandte Kunst (MAK) betritt, taucht in eine Zwischenwelt ein. Dort hängen für die Ausstellung “Borderland” etwa ein Dutzend großformatige Gemälde sowie kleinformatige Aquarelle der ukrainischen Künstlerin Kateryna Lysovenko. Krieg trifft Exil. “Ihre Kunst geht unter die Haut”, stellte MAK-Generaldirektorin Lilli Hollein am Dienstag fest. Das kann man angesichts kräftiger Rot- und Rosatöne und durchschimmernder Organe nur unterstreichen.

Für die Schau, die ab Mittwoch bis 18. Oktober zu sehen ist, hat Lysovenko eine Art Frau in Denkerpose auf die zu den Werken führenden Stufen gesetzt. Ihr wachsen rosa Stacheln aus der Wirbelsäule – nicht das einzige Mischwesen, auf das man trifft. Es überblickt eine zweigeteilte Welt. Rechter Hand gießt die 2022 aus der Ukraine nach Österreich geflüchtete Mittdreißigerin den Faschismus in verhältnismäßig subtile Aquarelle und dafür umso wuchtigere Ölgemälde. In “Stille Stunde” (2025) liegen in Schlafsäcke gehüllte Menschen mumienhaft im bedrohlich schimmernden Wald. “Dein Zuhause ist zu dir gekommen” (2024) zeigt eine weibliche, an einen Klumpen Fleisch erinnernde Figur an einem Tisch sitzend, während sich der Innenraum um sie herum in besorgniserregende Wolken und Rauch auflöst.

Zwei Flüsse, zwei Städte, ein Meer

Linker Hand geht es lockerer und deutlich heller zu. Die neueren, eigens für die Ausstellung angefertigten Arbeiten zeigen Kiew am Dnepr und das “schöne Wien an der Donau”. Beide Flüsse fließen ins Schwarze Meer, das sich in einem weiteren Gemälde in Grün-, Blau- und Rottönen bei Odessa zeigt. Die Erinnerungen transportierenden Flüsse stünden für Migration und den Umbruch politischer Systeme, heißt es im Text zur Schau.

Zentrales Werk der Ausstellung sei aber ein Porträt der Familie der Künstlerin, die durch den Krieg zerrissen wurde, erklärte Kuratorin Bärbel Vischer. Die in Blau, Gelb, Rosa oder auch Orange gehaltenen Familienmitglieder gewähren Einblick in ihr Innenleben. Das Gemälde ist so gehängt, dass es die beiden Seiten verbindet, quasi als Brücke zwischen den Welten dient. In diesem Zwischenland verortet sich auch die Künstlerin Lysovenko.

Der Großteil ihrer Familie befinde sich noch in der Ukraine, sie selbst baue sich in Wien ein neues Leben auf. Vollständig sei sie nirgendwo. Schuldgefühle plagen sie. Ständig frage sie sich, was sie tun dürfe. Ein Bild vom Spaziergang im Wald posten, wenn in der Ukraine wieder die Alarmsirenen geheult haben? Lieber nicht. Die Kunst helfe dabei, ihre Situation zu verarbeiten. Dabei habe sie sich in Wien bereits von so manchem Künstler und so mancher Künstlerin inspirieren lassen, erklärte Lysovenko und erwähnte etwa Oskar Kokoschka und Maria Lassnig.

Anlass für die Ausstellung ist der “Münze Österreich Preis”, mit dem Lysovenko im Rahmen der viennacontemporary 2025 ausgezeichnet wurde. Hollein bezeichnete die Ukrainerin als “sicher eine der wichtigsten Malerinnen ihrer Generation”. Ihr Werk passe wunderbar ins MAK, obwohl man normalerweise nicht erste Anlaufstelle für Malerei sei.

Reges Interesse an “Glanzstücke”-Ausstellung

Zum Blitzcoup im MAK, bei dem Ende August in der “Glanzstücke”-Ausstellung ein millionenschweres Diamentencollier entwendet worden war, gibt es indes keine Neuigkeiten. Man stehe in Austausch mit der Polizei und der Leihgeber des entwendeten Schmuckstücks in Austausch mit der Versicherung. Die Ausstellung laufe mit Blick auf die Besucherzahlen weiterhin sehr gut, sensationslüsterne Gruppen habe man bisher aber nicht ausgemacht, so Hollein gegenüber der APA. Rund zwei Wochen ist die Schau noch zu sehen. Wer sie begutachten möchte, muss durch einen Metalldetektor gehen und große Taschen oder Rucksäcke abgeben.

(S E R V I C E – Ausstellung “Kateryna Lysovenko. Borderland” im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK), Stubenring 5, 1010 Wien. Von 16. September bis 18. Oktober. Di 10-21 Uhr, Mi-So 10-18 Uhr. )