Maria Kolesnikowa unterricht am Mozarteum

06.10.2026 • 13:23 Uhr
Maria Kolesnikowa unterricht am Mozarteum

Das neue Unisemester am Salzburger Mozarteum beginnt unter anderem mit der belarussischen Oppositionellen und Flötistin Maria Kolesnikowa (auch: Kalesnikova, Kalesnikava) als Uni-Assistentin. Sie wird ihre Doktorarbeit am Mozarteum schreiben und unterrichten, wie die “Salzburger Nachrichten” am Dienstag berichteten. Am Montag war ihr unter tosendem Applaus die Ehrenprofessur am Mozarteum verliehen worden, die sie 2022 wegen ihrer Inhaftierung in Abwesenheit erhalten hatte.

“Ich habe von eurer Entscheidung durch einen Brief meiner Schwester erfahren”, berichtete das bekannteste Gesicht der belarussischen Opposition. Es sei die letzte Nachricht gewesen, bevor drei Jahre nichts zu ihr durchdrang. Kolesnikowa war im September 2020 im Zuge der Massenproteste gegen die gefälschten Präsidentschaftswahlen in Belarus verhaftet worden. Sie sollte gewaltsam außer Landes gebracht werden, zerriss jedoch an der ukrainischen Grenze ihren Pass und blieb in Belarus. In der Folge wurde sie zu elf Jahren Lagerhaft verurteilt. Über fünf Jahre wurde sie unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten, drei davon in völliger Isolation. Im Dezember 2025 kam sie nach fünf Jahren durch Vermittlung der USA frei.

“Ohne Scham in den Spiegel schauen”

Laut Mozarteum-Rektorin Constanze Wimmer wird die Flötistin ihre Doktorarbeit hier schreiben. Kolesnikowa sagte laut der Zeitung: “Eure Unterstützung hat mich erreicht. Sie erinnerte mich daran, dass man an mich dachte und dass ich noch zu dieser Welt gehörte. Ich weiß, wie viele Menschen daran beteiligt waren und wie viel Zeit, Kraft und Geduld diese Arbeit gebraucht hat. Gerade dann, als der Kontakt zu mir fast unmöglich war. Im Jahr 2022, als ich im Gefängnis war, habt Ihr mir die Ehrenprofessur verliehen, heute kann ich sie endlich persönlich entgegennehmen und Euch danken.”

Kolesnikowa wollte den Studierenden etwas mitgeben: “Manchmal bleibt wenig Zeit für eine Entscheidung und der Druck und die Angst sind groß. In dem Büro, in dem man dich zu einer Entscheidung zwingt, wirst du vielleicht 15 Sekunden verbringen. Danach wirst du dein ganzes Leben lang in den Spiegel schauen. Ich wünsche Euch allen, dass, wenn dieser Moment kommt, Ihr eine Entscheidung treffen könnt, nach der Ihr Euch ohne Scham in den Spiegel schauen könnt.”

Kolesnikowa bleibt weiterhin ein politischer Mensch: Am Samstag, 10. Oktober um 12.00 Uhr, diskutiert sie an der Kunstuniversität Graz unter anderem mit der Professorin für Europäische Zeitgeschichte an der Uni Graz, Barbara Stelzl-Marx, über “Zivilcourage durch Kunst: Welche Rolle spielen Kunst, Neue Musik und Kulturvermittlung in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Krisen?”. Im Sommer hatte Kolesnikowa bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele die Festrede gehalten.