„Der Klimawandel ist genauso gefährlich für die Wirtschaft“

Nach rund zwei Jahren Pause formiert sich “Fridays For Future” in Vorarlberg neu. Die beiden Aktivistinnen Gloria Trotter und Teresa Halbeisen sprechen über ihre Sorgen, gesellschaftliche Spaltung und politische Entscheidungen, die sie kritisch sehen.
“Und dadurch, dass die Lage so extrem ist, fühlt man sich schnell ganz klein.” Gloria Trotter macht ihre Gefühle über die Klimakrise schnell deutlich. Im Gespräch mit der NEUE legen sie und Teresa Halbeisen von der Klimabewegung “Fridays For Future” ihre Sorgen, Motivation und ersten Ziele dar.
Nachdem die Regionalgruppe Vorarlberg der weltweiten Bewegung in den letzten beiden Jahren nicht mehr aktiv war, stellt sich diese nun neu auf. Die beiden jungen Frauen sind dabei zwei von sechs Personen, die den Kern der Neuorganisation bilden. Ihre erste öffentliche Aktion findet am Freitag statt.
Zeit nutzen
Halbeisen und Trotter beschäftige das Thema Klima- und Umweltschutz bereits seit Jahren. Bestrebt, einen Beitrag zu leisten, haben beide kürzlich ihr Studium in “Umwelt und Technik” an der Fachhochschule Vorarlberg (FHV) abgeschlossen. Jetzt möchten sie erst einmal ihre Zeit nutzen, um in der Klimabewegung aktiver zu werden.

In ihrem Leben habe es zwar kein bestimmtes Ereignis gegeben, die ihr Interesse am Klimaschutz ausgelöst haben. Sie verweisen dennoch auf die Extreme der letzten Jahre wie die Starkregenereignisse 2024 – welche vor allem in Niederösterreich und Wien zu teils verheerenden Hochwassern führten – oder den diesjährigen Hitzesommer. In diesem Kontext versuchen sie die Perspektive über das eigene Kerninteresse hinaus zu öffnen. Trotter bemerkt allerdings, dass ein gutes Klimaschutzgesetz fehle.
“Dass die Wirtschaft auch immer noch so in Schutz genommen wird, das ist auch berechtigt, aber der Klimawandel ist genauso gefährlich für die Wirtschaft. Das haben wir jetzt im Sommer durch den Wassermangel gemerkt, weil die Wirtschaft auf Wasser aufgebaut ist. Und wenn da einmal zu wenig kommt, dann stehen wir auch alle da”, erklärt Trotter.
Spaltung in der Gesellschaft
Die jungen Frauen sehen, dass sich der Blick auf das Thema Klimaschutz verändert habe. 2019 sei es sehr präsent gewesen, sei jedoch durch die Corona-Pandemie ein Stück weit in Vergessenheit geraten. In jüngerer Zeit nimmt Halbeisen eine zwiegespaltene Diskussion.

“Ich habe das Gefühl, es entsteht eine Spaltung in der Gesellschaft.” Standpunkte tendieren demnach stark in die eine oder die andere Richtung. Social Media erachtet sie als einen Faktor. “Man trifft sich nirgendwo in der Mitte.”
Kritik am Naturschutzgesetz
Ein Thema, welches aktuell für Diskussionen sorgt, ist die Novelle für das neue Naturschutzgesetz in Vorarlberg. Über 200 Stellungnahmen wurden nach dem Begutachtungsverfahren eingereicht. Zustimmung kommt von Seiten der Industrie und der Wirtschaftskammer. Verschiedene Umweltorganisationen und Grüne zählen unter anderem zu den Kritikern. Die Rechtsanwaltskammer des Landes erachtet die Beschneidung der Rechte des Naturschutzanwalts als nicht vereinbar mit dem Rechtsstaat.
Diesen Punkt hebt Trotter ebenfalls hervor. Für sie sollte außer Frage stehen, dass die Rechte des Naturschutzanwalts in keiner Weise beschneiden beschnitten werden. “In die falsche Richtung” gehen laut ihr auch Überlegungen, die Bewilligungspflicht im Bereich von Moorgebieten zu lockern. Da spielen sowohl persönliche als auch fachliche Überlegungen mit hinein.
“Moore finde ich super, persönlich, aber auch generell. Beim Klimaschutz wird immer über Wälder gesprochen, dabei sind Moore die Superhelden und sorgen gleichzeitig für einen Super-Wasserhaushalt, sowohl in Trocken- als auch Regenperioden.”
Netzwerk aufbauen
Eine Gelegenheit für Menschen, sich an die Politik zu richten, soll die Aktion am Freitag bieten. Um 16 Uhr beginnen in mehreren Bundesländern Aktionen unter der Überschrift “Ohne Klimaschutz ist alles nix!”, dazu zählen Großstreiks in Wien, Linz, Klagenfurt, Salzburg und Innsbruck.


Für die regionale Gruppe in Vorarlberg kommt ein Demonstrationszug angesichts der aktuellen Neuaufstellung zu kurzfristig. Dennoch betonen die beiden Frauen im NEUE-Gespräch, dass sie Präsenz zeigen möchten. Daher wird ein gemütliches Zusammenkommen mit Rahmenprogramm unter dem Motto “Zemm Ko für’s Klima” am Bregenzer Kornmarktplatz stattfinden. Dabei werden unter anderem Postkarten und Plakate mit Botschaften an die Politik gestaltet.
Wichtig sei ihnen aber vor allem der Austausch. Die Menschen sollen ihre Sorgen und Anliegen einbringen können. Im Hinblick auf die Zukunft soll die Veranstaltung neue Aktionen ermöglichen. Trotter und Halbeisen hoffen, dass sich Menschen finden, die sich aktiv einbringen möchten. Es sei aber ebenso in Ordnung, wenn jemand nur zehn Minuten vorbeischauen möchte. “Es geht vor allem um Mobilisierung, dass wir ein Netzwerk aufbauen”, erklärt Halbeisen.
Trotter richtet abschließend nochmals einen Appell an die Bevölkerung, nämlich, dass “wir Menschen einfach zusammenkommen für ein gemeinsames Ziel bezüglich Klimawandel. Egal aus welchem Hintergrund wir jetzt kommen oder in welche Richtung wir abschweifen. Wir brauchen nur ein gemeinsames Ziel, an dem wir arbeiten können”.