Markenartikelindustrie kritisiert “Niedrigpreis-Wahn”

Der Geschäftsführer des Markenartikelindustrie-Verbands (MAV), Günter Thumser, kritisiert den “Niedrigpreis-Wahn” der Supermarktketten. Es gebe nur mehr dieses eine Thema, sagte er bei der Präsentation der 30. Markenartikelkampagne am Donnerstag in Wien. Damit verknüpft sei ein Hersteller-Bashing. Doch das würde die Inflation nicht senken, so Thumser.
Thumser stellte in der Diskussion um den täglichen Einkauf, bei der es nur um den niedrigsten Preis gehe, den Wert der Produkte entgegen. Eine 1-Euro-Leberkässemmel-Aktion sei für ihn der “traurige Höhepunkt der aktuell betriebenen Wertvernichtung im österreichischen Handel”. “Markenqualität hat viel mehr Dimensionen als nur den Preis allein”, stimmte MAV-Präsident und Berglandmilch-Chef Josef Braunshofer mit ein. Er bezweifle, dass mit der endlosen Aneinanderreihung von Wochenendaktionen die Verunsicherung der Konsumenten weniger werde. Der private Konsum müsse anspringen und die Sparquote sinken, so der Berglandmilch-CEO.
Stauds-Geschäftsführer Stefan Schauer bezeichnete als Vertreter der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Markenprodukte als “wahren Luxus”, weil sie aus seiner Sicht auf hohen Prinzipien beruhen: Qualität, Verantwortung, Verlässlichkeit und Innovation. Allerdings würden die Preise die realen Kosten nicht widerspiegeln.
Thumser: Mehrwertsteuersenkung “teurer Griff” ins Budget
Angesprochen auf die von der Regierung angekündigte Mehrwertsteuersenkung für ausgewählte Grundnahrungsmittel ab Mitte 2026 sagte Thumser: “Aus unserer Sicht ist das ein teurer Griff in das Budget.” Einen nachhaltigen Effekt erwarte er nicht. “Die wirklichen Inflationstreiber sind wir nicht”, betonte Braunshofer und verwies auf Energie und Dienstleistung. Beim Shrinkflation-Gesetz erwartet Thumser, dass es bei der EU “in der Form nicht durchgeht”, weil man aus seiner Sicht die Hersteller in die Pflicht nehme und den Handel aus der Sanktionierung herausnehme. Die aus seiner Sicht “hervorragend umgesetzte Grundpreisauszeichnung” biete den Konsumenten gemeinsam mit klar auf den Packungen ausgewiesenen Inhaltsangaben eine seriöse Vergleichsinformation. “Wer hier wirklich mogelt, das ist unser Wirtschaftsminister (Wolfgang Hattmannsdorfer, Anm.)”, so Thumser. “Er verkauft es nämlich als Paket gegen die Inflation.”
Die erneut von Demner, Merlicek und Bergmann (DMB) entwickelte Kampagne der Markenartikelindustrie ist laut Thumser heuer “sehr viel persönlicher”. Erstmals seien die Konsumenten selbst miteinbezogen worden. Laut Mariusz Demner wurde die Kampagne mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt. Die KI diente dabei als Hilfsmittel. “Es ersetzt nicht die Idee”, betonte Demner. Insgesamt nehmen 40 Marken von 38 Unternehmen an der Kampagne teil, die ab dem Wochenende für mindestens vier Wochen laufen soll. Jede fünfte Plakatstelle in Österreich wird bespielt – neben Social-Media-Kanälen, CityLights, Zeitschriften, Online-Bannern und Radio.