Naturschützer mit Forderungen zu besserem Alpenschutz

In einem Schulterschluss haben Organisationen wie der Österreichische, der Deutsche und der Südtiroler Alpenverein am Dienstag mit Naturschutzorganisationen Forderungen für einen besseren Alpenschutz gestellt. Verlangt wurde etwa der Erhalt des Tiroler Platzertals im Zuge der Kaunertal-Kraftwerksdebatte, die effizientere Nutzung von bestehenden Kraftwerken sowie Beteiligungsrechte von Umweltschützern. Zudem wurde neuerlich ein Ende jeglicher Alpen-Erschließung eingemahnt.
Es brauche unbedingt “klare Leitplanken zugunsten des Naturschutzes”, hieß es bei einem Medientermin auf der Dortmunder Hütte im Tiroler Kühtai mit Blick auf den Speichersee und das Staudammprojekt im Längental. “Die Energiewende ist notwendig, aber sie darf nicht auf Kosten der Natur gehen”, strich der Präsident des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV), Wolfgang Schnabl, heraus. Beschleunigte Verfahren, vereinfachte Genehmigungen und gelockerte Schutzbestimmungen bei Bauprojekten im alpinen Raum seien verantwortlich dafür, “dass sich Grenzen immer weiter zulasten der Natur verschieben”, kritisierte der ÖAV-Präsident.
Um diese “Grenzverschiebung” zu verhindern, seien auch “starke Rechte von Umweltorganisationen” in Genehmigungsverfahren zentral, führte Schnabl aus. Würden diese Rechte etwa bei der Umsetzung von (Wasser)-Kraftwerksprojekten in den Alpen beschnitten, leide “nicht nur der Naturschutz, sondern die Demokratie insgesamt”, führte Schnabl aus. Die Stimmen der Naturschützer seien aber entscheidend, denn die Frage “wie viel Eingriffe die Alpen noch vertragen” müsse bei Projekten immer wieder aufs Neue gestellt werden.
“Irreversible Eingriffe” im Platzertal
Im Falle des Platzertals fiel die Beantwortung dieser Frage überaus eindeutig aus. “Es müsse alle Alternativen ernsthaft geprüft werden”, sagte Schnabl. Im Platzertal zerstöre man ansonsten “einen sensiblen Raum, der über Jahrzehnte gewachsen ist”. Es handle sich hierbei schließlich um “irreversible Eingriffe”, die es zu verhindern gelte.
Der dortige, geplante Ausbau des Kraftwerks im Kaunertal durch den landeseigenen Energieversorger Tiwag sieht eine Flutung des anschließenden Platzertals vor. Die Pläne für das Mega-Pumpspeicherkraftwerk waren zum ersten Mal im Jahr 2009 eingereicht, die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erstmals 2012 gestellt worden. Sowohl frühere Landesregierungen als auch die aktuelle aus ÖVP und SPÖ bekannten sich bisher zum Kaunertaler Kraftwerksausbau. Mit dem UVP-Bescheid wurde zuletzt für das Jahr 2027 gerechnet.
Die Entwicklungen in den Alpen seien “beängstigend”, erklärte indes Roland Stierle, Präsident des Deutschen Alpenvereins (DAV). Auch er sprach sich wie sein österreichischer Alpenvereins-Kollege dezidiert gegen das Kaunertal-Projekt aus. “Es muss unbedingt ernsthaft geprüft werden, ob nicht im Kühtai bereits genügend Energie erzeugt werden kann”, sagte er. Damit bezog sich Stierle auf die Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz, zu denen auch das Kraftwerk im Kühtai gehört. Zudem gelte es auch “Speichermedien im Blick zu behalten, die es in zehn bis 20 Jahren geben wird”, führte Stierle aus. Eine “Erschließung des Platzertals” sei dabei aber definitiv der falsche Weg, meinte der DAV-Präsident unumstößlich.
“Genug gebaut”, Schluss mit “Vergewaltigung der Natur”
“Es ist genug gebaut”, stimmte der Präsident des Südtiroler Alpenvereins, Georg Simeoni, bei und meinte damit sowohl das geplante Projekt im Kaunertal als auch neue Kraftwerksprojekte in den Alpen generell. “Das Ende der Erschließung der Alpenregionen ist längst gekommen.” Es müsse Schluss sein mit einer “Vergewaltigung der Natur”, wie sie etwa bereits im Kühtai passiert sei.
Damit schloss Simeoni an einer Forderung an, die im Juni 2024 bei einem Pressegespräch im Kaunertal eingemahnt worden war. Damals verlangten die Alpenvereinspräsidenten “absoluten Gletscherschutz” und eine unbedingten Beibehaltung von “unerschlossenem Naturraum”. Sie sprachen sich für den Stopp von Kraftwerksprojekten sowie gegen neue Gletschererschließungen aus.
Der Diagnose von Simeoni am Dienstag schlossen sich schließlich auch die zahlreichen, ebenfalls an dem Pressegespräch beteiligten Naturschutzorganisationen an, darunter beispielsweise der WWF, die Naturfreunde, BirdLife Österreich, “Wildwasser erhalten Tirol” oder der Verband alpiner Vereine Österreichs. “Intakte Natur” dürfe nicht zerstört werden und die “Biodiversität in den Alpen” müsse erhalten bleiben, wurde einhellig eingemahnt.
Tiroler Grüne begrüßten Forderungen
Zustimmung zu den aufgestellten Forderungen und zu besagter Diagnose kam indes auch von den oppositionellen Tiroler Grünen. Man wolle “Naherholungsräume bewahren” und dafür sorgen, dass “wir nicht weiter überrollt werden”, erklärte Landessprecher und Klubobmann Gebi Mair am Dienstag in einer Aussendung. “Alpiner Schutz” beginne dabei “bereits in den Tälern”, was auch bedeute “dass es keine neuen Transitrouten mit Lärm bis zu den höchsten Gipfeln” geben dürfe, so Mair.