Nestroy und Traummännlein: Regisseur Peter Gruber ist 80

Nestroy bestimmt sein Leben. Er war Mitbegründer der Nestroy-Spiele Schwechat und leitete diese bis 2022 ein halbes Jahrhundert lang. Im Hof von Schloss Rothmühle realisierte er exemplarische Nestroy-Inszenierungen. Er forcierte die Nestroy-Forschung, wurde mit dem Nestroy-Preis und dem Nestroy-Ring ausgezeichnet. Am Mittwoch (23. September) feiert der Wiener Schauspieler, Sprecher und Regisseur Peter Gruber seinen 80. Geburtstag.
Zudem feiert der Vater von vier Kindern, der mit seiner markanten Stimme auch Sprecher und Moderator unzähliger Sendungen, Dokumentationen und Hörspiele sowie mehr als zwei Jahrzehnte lang die Stimme des “Traummännleins” im ORF-Radio war, sein 60-jähriges Bühnenjubiläum. Denn neben den rund 200 Inszenierungen, die er im gesamten deutschsprachigen Raum realisiert hat – neben Nestroy u.a. Sophokles, Shakespeare, Horváth, Hofmannsthal, Raimund, Schwab und Mnouchkine – stand er zwischendurch auch selbst auf der Bühne, “um nicht zu vergessen, wie schön das sein kann, wenn’s gelingt”. Als Darsteller war er u.a. in Wien, Düsseldorf, Oberhausen, Zürich, bei den Salzburger Festspielen oder den Ruhrfestspielen zu sehen, aber auch in TV-Produktionen von ORF, ZDF und BBC.
Großneffe von Gustaf Gründgens
Am 23. September 1946 geboren, widmete sich der Großneffe von Gustaf Gründgens nach seiner Matura in Wien der Darstellenden Kunst und absolvierte das Max-Reinhardt-Seminar in Schauspiel und Regie. Als in den 1970er-Jahren ein Proponentenkomitee rund um den Schauspieler Bruno Dallansky und den Autor György Sebestyén in der frisch renovierten Schwechater Rothmühle ein Nestroy-Sommerspiel initiieren wollte, wurde für einen Probelauf mit Amateuren Gruber als Regisseur engagiert.
Weil sich jedoch keine Sponsoren für ein Profi- und Promifestival fanden, wurde aus dem Provisorium eine Dauereinrichtung – für deren langjährige Leitung er 2014 beim Nestroy-Preis mit einem Spezialpreis gewürdigt wurde. Nestroy in Schwechat war stets Garant für aufmüpfiges, politisches, ganz und gar nicht biedermeierliches Theater, für fundierte theaterwissenschaftliche Begleitung sowie für Entdeckungen aus dem breiten Oeuvre des Wiener Dramatikers. 2022 übergab er die Leitung an Christian Graf, der seine Bühnenlaufbahn 22 Jahre zuvor in Schwechat begonnen hatte.
Professor mit Perspektive
Für seine Arbeit wurde Gruber u.a. zweimal mit der Kainz-Medaille für die beste Regie (1974: “Musketiere”, 1984: “Mephisto”) ausgezeichnet. 2009 erhielt er den Kulturpreis des Landes Niederösterreich in der Sparte Darstellende Kunst. 2016 wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen. Seine Überzeugung, dass Theater und Film auf unterhaltsame Weise dazu beitragen können, dass Menschen reflektierter, toleranter und empathischer werden, ist ungebrochen. Die Hoffnung auf eine Umkehr der politischen Entwicklungen hat er nicht aufgegeben.