Neudauer Glashausprojekt von Frutura auf der Kippe

15.10.2026 • 06:00 Uhr
Neudauer Glashausprojekt von Frutura auf der Kippe

Der steirische Gemüse- und Obstproduzent und -vermarkter Frutura hat in den vergangenen zehn Jahren einen steilen Wachstumskurs hingelegt. Geschäftsführer Manfred Hohensinner, einst einfacher Landwirt, hat gemeinsam mit anderen Bauern aus einem kleinen Familienbetrieb einen Konzern mit fast 1.000 Beschäftigten gemacht. Und Frutura wächst weiter, wenngleich Hohensinner in Österreich wegen bürokratischer Hürden an seine Grenzen stößt. Eine Expansion nach Kroatien rückt näher.

Hohensinner hat mit Blick auf seine Geschäftszahlen eigentlich kaum Grund zum Jammern. Bei einem Pressegespräch mit Spar in der Oststeiermark ist am Mittwoch ein neues Projekt für den Erhalt von alten Apfelsorten vorgestellt worden. Spar ist der größte Abnehmer von Frutura. 230.000 bis 270.000 Tonnen Obst und Gemüse werden für den Lebensmittelhändler in Österreich jährlich geliefert. Drehscheiben sind entweder der Frutura-Hauptsitz in Hartl bei Kaindorf in der Oststeiermark oder Vorchdorf in Oberösterreich.

Gurken und Exoten

Geliefert werden unter anderem rund 32.000 Tonnen Bananen, Millionen Einheiten von Exoten wie Mangos und Avocados sowie vor allem regionales Gemüse aus den eigenen Geothermie-Gewächshäusern nahe Bad Blumau. Die Bananen kommen aus Übersee und werden bei Frutura fertig gereift, ehe sie an Spar geliefert werden. In Straden in der Südsteiermark produziert Frutura auch noch Kräuter. Die Frutura Obst & Gemüse Kompetenzzentrum GmbH hat im Geschäftsjahr 2024/2025 mehr als 675 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT, vor Steuern) lag bei 9,25 Mio. Euro. Der Jahresüberschuss betrug rund 7,15 Mio. Euro. Die gesamte Gruppe namens DOL Group GmbH kam auf fast 705 Mio. Euro Umsatz und beschäftigte 2025 knapp 950 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Doch trotz steigender Umsätze ist Hohensinner verärgert: Ein neues Geothermie-Projekt in Neudau an der Grenze zum Burgenland, in das 92 Mio. Euro gesteckt werden sollen, liegt auf Eis. “Es war alles fertig genehmigt und wir haben schon etwa 7 Millionen Euro in das Projekt gesteckt”, sagte Hohensinner im APA-Gespräch. Es sollte eine Kopie des Glashausstandorts nahe Bad Blumau werden – samt Energieversorgung mittels nachhaltiger Geothermie.

Neues Projekt an der Kippe

Die erste Bauphase mit etwa 10 Hektar Fläche sollte eigentlich 2027 abgeschlossen sein. Die zweite Ausbaustufe sieht weitere 8 Hektar vor, die 2028 folgen sollten. Unterstützung gibt es von der Gemeinde Neudau. Bürgermeister Wolfgang Dolesch (SPÖ) setzt sich für das Projekt ein, bringt es doch 250 bis 300 Arbeitsplätze.

Doch seit etwa einem Jahr geht nichts mehr weiter, da es einen Einspruch von Robert Rogner, Gründer der Therme Bad Blumau, gab. Er befürchtet offenbar, dass die rund 1.700 Meter entfernt geplanten Thermalbohrungen (Neudau GT1 und GT2) den Wasserdruck und die Versorgung der eigenen Thermalquelle in Bad Blumau negativ beeinflussen könnten. Der wasserrechtliche Bescheid wurde damit vorerst erfolgreich von ihm angefochten. “Nun ist alles verfahren”, sagte Hohensinner. Dabei liege das Wasserrecht beim Land Steiermark, Rogner habe lediglich die Nutzungsrechte am Wasser.

Der Frutura-Chef kritisierte, dass bei den Behörden niemand erreichbar sei und die Politik “die heiße Kartoffel nach links und rechts verschiebt”. Es gebe nun niemanden, der entscheide, “aber die Behörden haben die Verantwortung”, mahnte Hohensinner beinahe verzweifelt. Er verstehe nicht, warum die Politik im Fall des niederösterreichischen Ardo-Standorts Geld nach Belgien schicken will, damit das Werk erhalten bleibt, während Neudau “niemanden kümmert”, obwohl dort ein heimischer Produzent, ökologisch nachhaltig und versorgungssicher bis zu 300 Arbeitsplätze schaffen will. Er wisse nicht, wie es nun in Neudau weitergehe. Die Landespolitik sei großteils auf Tauchstation oder könne nicht vermitteln. “Es ist wie in einem schlechten Film.”

Kroatien statt Neudau als Option

Eine Abwanderung des Projekts nach Kroatien steht daher im Raum: “Die wollen uns”, so Hohensinner. Auch dort gebe es heißes Wasser im Untergrund, geologisch ähnliche Bedingungen wie in der Steiermark. “Eine Expansion war nie geplant”, versicherte der Geschäftsführer, doch: “Es gibt keine Zufälle, aber es fällt einem zu”, so sein Nachsatz.

Schon vor mehr als zehn Jahren hatte Hohensinner starken Gegenwind in Bad Blumau erfahren, als er die riesigen Gewächshäuser geplant hatte, die mit Geothermie beheizt werden. 2016 wurde der Standort eröffnet und stetig ausgebaut. Mittlerweile werden dort auf etwa 26 Hektar, davon 23 Hektar Glashäuser und 3 Hektar Folientunnel, ganzjährig unter anderem Tomaten, Paprika, Gurken, Melanzani und Bio-Champignons gezogen. Die Energie dafür kommt aus dem heißen Wasser aus rund 3.000 Metern Tiefe. Spätestens seit dem Krieg in der Ukraine sei der Gegenwind verflogen, sagte Hohensinner, denn da habe sich die Wichtigkeit von Versorgungssicherheit gezeigt.