Nuklearwaffenbestände nehmen laut SIPRI-Bericht weltweit zu

08.06.2026 • 00:05 Uhr
Nuklearwaffenbestände nehmen laut SIPRI-Bericht weltweit zu

Weltweit steigt die Zahl der einsatzbereiten Nuklearwaffen. Zu diesem Ergebnis kommt das heute veröffentlichte Jahrbuch des Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstituts (SIPRI). Die Experten sehen damit eine jahrzehntelange Entwicklung in Richtung sinkender Atomwaffenbestände zunehmend gefährdet. Gleichzeitig warnt der Bericht vor einer nuklearen Eskalation.

Die neun Atomwaffenstaaten: die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel führen laut SIPRI ihre intensiven Programme zur Modernisierung ihrer Atomwaffen fort.

Nukleares Risiko erheblich erhöht

Von den weltweit geschätzten 12.187 Atomsprengköpfen befanden sich Anfang 2026 rund 9.745 in militärischen Beständen für einen möglichen Einsatz. Etwa 4.012 Sprengköpfe waren bereits auf Raketen oder Flugzeugen stationiert. Zwischen 2.100 und 2.200 Sprengköpfe wurden in hoher Alarmbereitschaft gehalten. Der Großteil davon entfällt auf Russland und die USA, in geringerem Ausmaß auch auf Frankreich und Großbritannien.

“Einflussreiche Stimmen, darunter einige Staats- und Regierungschefs, propagieren Atomwaffen als Garantie gegen Angriffe feindlicher Staaten. Eine stärkere Abhängigkeit nationaler Verteidigungs- und Sicherheitsstrategien von Atomwaffen könnte die nuklearen Risiken jedoch erheblich erhöhen”, erklärte SIPRI-Direktor Karim Haggag im Hinblick auf den weltweit wachsenden Bestand von Atomwaffen und der politischen Drohkulisse.

China baut Nukleararsenal am schnellsten aus

Zum ersten Mal seit dem Ende des Kalten Krieges falle laut SIPRI die Verschrottung ausgemusterter Sprengköpfe durch Russland und die USA geringer aus als die Stationierung neuer Atomwaffen.

Obwohl über 80 Prozent der weltweit geschätzten Nuklearwaffen immer noch Russland (5.420) und den USA (5.042) zugerechnet sind, wuchs Chinas Bestand von 2025 auf 2026 auf schätzungsweise 620 Nuklearwaffen an. Dabei baue laut SIPRI China sein Nukleararsenal am schnellsten von allen Atomwaffenmächten aus.

China könnte bis zum Ende des Jahrzehnts über ebenso viele Interkontinentalraketen verfügen wie Russland oder die USA. Selbst bei einem Bestand von mehr als 1.000 Sprengköpfen würde China jedoch nur etwa ein Viertel der derzeitigen russischen oder amerikanischen Bestände erreichen.

Bestand laufend modernisiert

Das US-Modernisierungsprogramm für Nuklearwaffen kam 2025 zwar voran, blieb jedoch von Planungs- und Finanzierungsproblemen geprägt. Zusätzlichen Kostendruck erzeuge das von US-Präsident Donald Trump geplante Raketenabwehrsystem “Golden Dome”, dessen Kosten auf rund 1,2 Billionen US-Dollar (1,03 Mrd. Euro) in den kommenden 20 Jahren geschätzt werden.

Westliche Sanktionen und die hohen Kosten des Ukraine-Krieges verlangsamten zwar die russischen Modernisierungsprogramme. Dennoch trainierten Mitte Mai russische Soldaten gemeinsam mit Soldaten aus Belarus den Einsatz von Atomwaffen. Russland hatte im vergangenen Jahr seine jüngste atomwaffenfähige Hyperschallrakete, Oreschnik, in Belarus stationiert. Anfang Februar lief zudem das “New-Start”-Abkommen zwischen den USA und Russland aus. Damit endete ein über 50-jähriges Abkommen zwischen den beiden Atommächten, die eine gegenseitige Rüstungskontrolle vorsah. Derzeit unterliegen die beiden Nuklearmächte keinen gegenseitigen Beschränkungen und Kontrollen.

Auch Frankreich, Großbritannien, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel modernisieren nach SIPRI-Angaben ihre nuklearen Kapazitäten. Nordkorea habe möglicherweise bereits rund 60 Sprengköpfe zusammengebaut und verfüge über ausreichend spaltbares Material für mindestens 30 weitere. Indien und Pakistan hätten ihre Atomprogramme ebenfalls weiterentwickelt, obwohl beide Staaten nach einem kurzen militärischen Konflikt im Mai 2025 Maßnahmen zur Vermeidung einer Eskalation ergriffen hätten.