ÖBB-Mitarbeiter wollen regelmäßigere Notfallstrainings

30.10.2026 • 09:39 Uhr
ÖBB-Mitarbeiter wollen regelmäßigere Notfallstrainings

Nach Problemen bei einer Zug-Evakuierung im Wienerwaldtunnel im Juli 2025 haben die ÖBB damals regelmäßige Notfalltrainings für Zugmitarbeiter angekündigt. Laut einem Beitrag im Ö1-Morgenjournal finden diese allerdings nicht zur Genüge statt. Das ORF-Radio berichtete am Freitag von einem Brief des Betriebsrats an das Bahnmanagement, in dem die Mitarbeiter darauf hinweisen, dass diese Schulungen nicht, beziehungsweise nicht in ausreichendem Umfang angeboten werden.

Die Mitarbeiter selbst wünschen sich aber ausreichende Weiterbildungsmaßnahmen, hieß es. Standardmäßige Evakuierungsübungen gäbe es demnach nur in der Grundausbildung – und die liegt bei älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern teils mehr als 20 Jahre zurück.

Aus dem ÖBB-Vorstand teilte man laut Ö1 schriftlich mit, dass ein solches praktisches Training zu Notfall- und Evakuierungsmaßnahmen künftig regelmäßig einmal jährlich Teil des Dienstunterrichts sein soll. Die Oberste Eisenbahnbehörde werde das kontrollieren. Die im Verkehrsministerium angesiedelte Behörde werde die konkrete Ausgestaltung von Schulungen und Übungen, die zur Bewältigung von Notfallsituationen sowie zur Evakuierung von Reisenden notwendig sei, überprüfen, wurde im ORF-Radio eine Stellungnahme aus dem Ministerium zitiert.

Pannen bei Evakuierung im Juli 2025

Der Zwischenbericht der Obersten Eisenbahnbehörde zur Evakuierung eines steckengebliebenen deutschen ICE im Tunnel Knoten Hadersdorf in Wien an der Grenze zu Niederösterreich im Juli 2025 hatte diverse Kommunikationsprobleme, Pannen und Mängel aufgelistet. Die Bergung der Reisenden dürfte demnach massiv verzögert worden sein. Die ÖBB betonten damals, dass die Erfahrungen aus der missglückten Aktion in künftige Prozesse einfließen sollen.

Die Garnitur mit Abfahrt am Wiener Hauptbahnhof und Endziel Hamburg war am 27. Juli aufgrund eines technischen Defekts mitten im Tunnel stehengeblieben. Schnell war klar gewesen, dass der Zug nicht eigenständig weiterfahren konnte. Die Passagiere, darunter auch Kinder und ältere Menschen, waren gezwungen, über Stunden im Zug auszuharren. Die Enge des Tunnels und die mangelnde Belüftung verschärften die Situation für die rund 400 Fahrgäste zusätzlich.

Die folgende Evakuierungsaktion lief laut dem Bericht jedoch weniger reibungslos ab als ursprünglich geplant. Die Fahrgäste wurden in einen Ersatzzug gebeten. Dieser konnte jedoch nicht wegfahren, weil in der Zwischenzeit die Oberleitung abgeschaltet worden war. Unstimmigkeiten zwischen der Feuerwehr und den ÖBB zur Frage, ob die Fahrleitung überhaupt abgeschaltet sein müsse oder nicht, verschärften die Situation. Probleme in der Koordination, in der Organisation, aber auch im Bereich der Ausbildung des ÖBB-Personals dürften laut Bericht ausschlaggebend gewesen sein.