ÖFB-Chef Pröll sieht Ball für Verlängerung nun bei Rangnick

Die Gespräche des ÖFB mit Teamchef Ralf Rangnick über eine Verlängerung seines nach der WM in Nordamerika auslaufenden Vertrages biegen in die Zielgerade. Josef Pröll wurde am Montag vom Aufsichtsrat einstimmig ermächtigt, zu den mit Rangnick besprochenen Konditionen mit dem Deutschen zu verlängern. Der ÖFB-Aufsichtsratschef wertete das als stärkstmögliches Zeichen des Verbandes. “Der Ball liegt jetzt bei Ralf Rangnick, er wird auf uns zukommen”, erklärte Pröll der APA.
Ob eine Unterschrift noch vor WM-Start erfolgt, ist weiter offen. Rangnick hatte diesbezüglich zuletzt keine Eile signalisiert. Der 67-Jährige reist mit dem ÖFB-Team am 4. Juni ins WM-Quartier nach Kalifornien, Pröll kommt zehn Tage später nach. Am 16. Juni (17. Juni, 6.00 Uhr MESZ) steigt Österreichs Auftaktspiel gegen Jordanien. “Natürlich wäre es wünschenswert, das noch vor Beginn der WM zu haben”, sagte Pröll. “Er und ich sind jederzeit gesprächsfähig, auch über Distanzen hinweg.” Man werde sich aber die nötige Zeit nehmen.
AC Milan als neuer Konkurrent
Finanziell sollen sich der ÖFB und Rangnick seit Monaten einig sein. Zuletzt wurden laut Pröll auch mit dem vom Teamchef gewünschten Trainer- und Betreuerstab intensive Gespräche geführt. “Wir haben ein klares Signal gesetzt, dass wir ihn und sein Betreuerteam wollen mit den besprochenen Eckpunkten, dass wir bereit sind zu finalisieren.” Den einstimmigen Aufsichtsratsbeschluss habe er Rangnick mitgeteilt. Pröll: “Er braucht noch seine Zeit, und das ist in Ordnung so. Er und ich werden die Themen, die notwendig sind, besprechen. Das wird in den nächsten Tagen oder Wochen passieren – wann immer er sagt, dass seine Entscheidung gefallen ist.”
In den vergangenen Tagen ist mit AC Milan ein Konkurrent erwachsen. Die Mailänder sollen Rangnick bei einem Treffen in der Vorwoche in Wien den Posten des Sportdirektors angeboten haben. Wie weitreichend seine Befugnisse beim Großclub wären, scheint allerdings noch nicht endgültig geklärt. Das Interesse anderer Clubs und Verbände wertete Pröll als Beleg dafür, wie gefragt der ÖFB-Teamchef “als Fußball-Experte, Trainer und darüber hinaus” sei. “Das ist einmal das Wichtigste.”
Gespräche seit rund einem halben Jahr
Möglicherweise hätte der ÖFB schon früher Nägel mit Köpfen machen können. Ein erstes Gespräch mit Rangnick zur gemeinsamen Vorgehensweise hatte es laut Pröll am 5. Dezember, am Tag der WM-Auslosung in Washington, gegeben. “Wir haben uns da nie in einen Zeitplan hineindrängen lassen, das ist gut so”, meinte der Verbandschef. “Wir haben ein gegenseitiges Vertrauen bewiesen, und das soll jetzt im Finale dieser Entscheidung auch so bleiben.”
Über Vertragsinhalte, etwa eine bei einem früheren Angebot kolportierte Leistungsklausel, die das Überstehen der WM-Gruppenphase vorausgesetzt hätte, wollte Pröll daher nicht sprechen. “Wir haben nie Zweifel daran gelassen, dass wir mit den Möglichkeiten, die wir haben, großes Interesse haben”, betonte der frühere ÖVP-Politiker. Nun gebe es offensichtlich auch andere Interessenten. “Deswegen habe ich Ralf Rangnick sehr fair gesagt, dass wir ein klares Zeichen setzen wollen im ÖFB mit diesem Beschluss”, erklärte Pröll. Nun gelte es, die Rückmeldung des Teamchefs abzuwarten.