Organisationen fürchten um Freiwilliges Soziales Jahr
Sozialorganisationen fürchten um die Anrechenbarkeit des Freiwilligen Sozialjahrs (FSJ) auf den Zivildienst. Im Zuge der Verhandlungen zu den Änderungen beim Zivildienst nach der Regierungseinigung zur Wehrdienstreform könnte diese eingeschränkt werden, so die Sorge. Die Abschaffung der Anrechenbarkeit wäre ein “falsches Signal für engagierte junge Männer”, so etwa die Diakonie. Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) plädierte indes klar für die Anrechenbarkeit.
Entscheidung dazu sei noch keine gefallen, hieß es aus dem Büro der für den Zivildienst zuständigen Ministerin Claudia Bauer (ÖVP) auf APA-Anfrage. Dieser Aspekt sei noch in Verhandlung. Bauer hat wiederholt anklingen lassen, dass sie sich Änderungen bei der Anerkennung des Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) als Zivildienst vorstellen kann. Bei diesen Ersatzleistungen habe es zuletzt “Wildwuchs” gegeben. Die Möglichkeit der Anrechnung von Freiwilligendiensten könnte in Zukunft daher eingeschränkt werden.
Nach der Einigung der Regierungsparteien für eine Wehrdienstreform brauchen ÖVP, SPÖ und NEOS noch eine der beiden Oppositionsparteien für die Änderungen beim Zivildienst, handelt es sich dabei doch um eine Zweidrittelmaterie. Sowohl Freiheitliche als auch Grüne haben sich bis dato aber zurückhaltend gezeigt.
Diakonie lehnt auch Verlängerung des FSJ ab
Die Diakonie blickt “mit großer Sorge” auf Pläne, die Anrechenbarkeit des Freiwilligen Sozialjahres auf den Zivildienst abzuschaffen. Damit würden die Bemühungen konterkariert, junge Männer für Sozialberufe zu gewinnen. Mehr als 70 Prozent der FSJ-Absolventen entscheiden sich im Anschluss für eine Tätigkeit im Sozial- oder Pflegebereich, so die Diakonie. Es sei “widersprüchlich, junges Engagement fördern zu wollen, während man gleichzeitig Hürden für jene aufbaut, die bereit sind, sich für andere einzusetzen”.
Sollte es zu einer Verlängerung von Wehr- und Zivildienst kommen, spricht sich die Diakonie dagegen aus, das Freiwillige Sozialjahr über zwölf Monate hinaus zu erweitern. Die Dauer des Dienstes müsse mit den Bildungs- und Lebenswegen der Jugendlichen vereinbar bleiben. Kritisch sieht die Diakonie auch die Bestrebungen, den Zivildienst der militärischen Landesverteidigung unterzuordnen. Vielmehr sollte dieser der sozialen Sicherheit des Landes dienen und zu einem Sozial- und Friedensdienst verbessert werden, so die Argumentation.
Schumann: FSJ weiterhin als Zivilersatzdienst anerkennen
Sozialministerin Schumann stellte in einem schriftlichen Statement gegenüber der APA klar, dass das Freiwillige Sozialjahr weiterhin als Zivilersatzdienst anerkannt werden müsse. Auch warnte sie vor einer Schwächung des Instruments. “Wer sich freiwillig ein Jahr lang in den Dienst unserer Gesellschaft stellt, Verantwortung übernimmt und für andere Menschen da ist, verdient Anerkennung und keine zusätzlichen Hürden”, betonte sie.
Das Freiwillige Soziale Jahr sei nicht nur eine wichtige Unterstützung für soziale Einrichtungen, sondern bringe junge Menschen auch mit Sozial- und Pflegeberufen in Kontakt. “Wir brauchen in Österreich mehr Menschen, die sich für einen Beruf im Sozial- und Pflegebereich entscheiden. Deshalb müssen wir jungen Menschen Türen öffnen und dürfen keine neuen Hürden errichten. Das Freiwillige Soziale Jahr ist dafür ein wichtiger Baustein.”
Daher sei klar, dass bei den weiteren Verhandlungen über die Ausgestaltung des Zivildienstes die Auswirkungen auf das Freiwillige Soziale Jahr und auf die sozialen Einrichtungen berücksichtigt werden müsse. “Zivildienst und freiwilliges Engagement dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Beides ist für den sozialen Zusammenhalt in Österreich von großer Bedeutung. Ich werde mich dafür einsetzen, dass freiwilliges soziales Engagement auch künftig die Anerkennung bekommt, die es verdient.”