Organisatorische Erneuerung nach LIVA-Affäre angelaufen

08.07.2026 • 14:31 Uhr
Organisatorische Erneuerung nach LIVA-Affäre angelaufen

Die Linzer Veranstaltungsgesellschaft LIVA, die städtische Kultur- und Sporteinrichtungen unter einem Dach vereint, hat sich im Vorjahr neu aufgestellt: Nach der Brucknerhausaffäre wird nicht nur baulich, sondern auch organisatorisch renoviert. Die seit einem Jahr amtierenden Geschäftsführer Norbert Trawöger und Kai Liczewski wollen eine neue Strategie aufsetzen und die Einrichtungen stärker öffnen. Ein Kontrollamtsbericht bescheinigt ihnen, auf einem guten Weg zu sein.

2024 wurde der damalige künstlerische LIVA-Geschäftsführer und Brucknerhaus-Intendant Dietmar Kerschbaum nach Compliance-Vorwürfen entlassen, im Zuge der Brucknerhausaffäre musste auch LIVA-Aufsichtsratsvorsitzender und Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) beide Sessel räumen. Die finanzielle Situation war schlecht.

Strategieprozess startet im Herbst

Unter dem neuen Aufsichtsratschef Meinhard Lukas begann die Aufarbeitung. Interimistisch hatten die Konzertmanagerin Johanna Möslinger und Rechtsanwalt Alexander Stefan die Geschicke des Brucknerhauses geleitet. Seit knapp einem Jahr ist die neue, fixe Geschäftsführung, bestehend aus Norbert Trawöger, der zuvor die OÖ KulturEXPO Anton Bruckner 2024 verantwortet hatte, als künstlerischer und Kai Liczewski als kaufmännischer Part im Amt.

Rund um das Brucknerhaus reihen sich Baustellen aneinander – es wird gerade barrierefrei umgebaut und thermisch saniert. Auch im Posthof und im Sportpark Lissfeld laufen Renovierungsarbeiten. Erneuert werden sollen aber auch interne Abläufe: Im Herbst startet ein Strategieprozess, kündigte Liczewski an, erste Ergebnisse soll es bis Jahresende geben – Nachsatz: “Ein guter Strategieprozess ist nie fertig.” Auch soll es mehrere Ebenen bis hin zu einer KI-Strategie geben.

Compliance und Unternehmenskultur

Die formelle Organisationsstruktur sei in der LIVA bisher “nicht sehr ausgeprägt gewesen”, rekapitulierte Liczewski, daran arbeite man. Auf externe Berater will man künftig zwar nicht verzichten, sie aber sparsamer einsetzen. Die Compliance-Richtlinien will man sich ebenfalls ansehen, vor allem gehe es aber darum, die bestehenden Regeln besser zu vermitteln. Noch wichtiger als ein Compliance-Regelwerk sei die Kultur eines Unternehmens, ergänzte Lukas, und “welche Kultur es gibt, lebt die Geschäftsführung vor”, meint er mit Blick zurück auf die vergangenen Jahre.

Trawöger betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit mit allen möglichen Playern in der Stadt und will das Haus weiter öffnen sowie mit dem Programm hinausgehen. Exemplarisch verwies er auf ein Konzert mit Christoph Sietzen im Rahmen des Brucknerfestes, das vom Konzerthaus in eine Skaterhalle wandert. Mit den Besucherzahlen ist man vorerst zufrieden, für das Brucknerhaus erwarten die Geschäftsführer im Kalenderjahr 2026 rund 178.000 Gäste (nach 174.000 im Jahr davor). Eine Strategie wird auch für die von Sport, Kultur und Event genutzte TipsArena gesucht, in der Lukas das Potenzial einer “Stadthalle von Linz” sieht.