Osttiroler “Hoch Kultur Festival” künftig biennal

04.08.2026 • 10:17 Uhr
Osttiroler "Hoch Kultur Festival" künftig biennal

Es gibt doch die von vielen Fans erhoffte Fortsetzung. Drei Jahre nach dem ersten “Hoch Kultur Festival” geht in der nächsten Woche im Osttiroler Innervillgraten die zweite Auflage über die Bühne. Nach vielen organisatorischen und finanziellen Hürden soll das Festival nun eine fixe Einrichtung werden. “Wir planen, es künftig biennal zu veranstalten”, sagt Andreas Schett, Mastermind der Musicbanda Franui, im Gespräch mit der APA.

Das Festivaldebüt ließ zum 30. Geburtstag des Musikensembles an drei Tagen insgesamt rund 7.000 Menschen auf die Unterstalleralm pilgern. Dort wurde auf 1.673 Metern eine Open-Air-Bühne errichtet, vor der die im Almgras sitzenden Zuhörenden der deutschen Jazzpianistin Johanna Summer, der Wiener Liedermacherin Anna Mabo oder dem isländischen Klassik-Shootingstar Vikingur Olafsson lauschten. Das Grundkonzept einer bunten, aus allen musikalischen Stilrichtungen kommenden Freundesriege, die mit oder ohne die Gastgeber musizieren, wird beibehalten. Organisatorisch gibt es ein paar Neuerungen.

1.800-Plätze-Zelt im Dorf als Ausweichquartier

Die wichtigste Novität betrifft das Schlechtwetterprogramm, für das 2023 unter großem Aufwand ein Zelt auf die Alm transportiert worden war. “Wir haben gelernt, dass das keine so gute Idee war”, sagt Schett. Für heuer wird daher ein aus Deutschland angemietetes 1.800-Plätze-Zirkuszelt (Schett: “In Bierzelten kann man nicht g’scheit spielen, die haben zu wenig Höhe!”) im Dorfzentrum von Innervillgraten aufgestellt.

Das dient am 12. August als Schauplatz für die Festivaleröffnung mit Thomas Bernhards “Holzfällen”, mit der Nicholas Ofczarek und Franui seit 2024 am Burgtheater für ausverkaufte Vorstellungen sorgen. Das Zelt im Tal ist aber auch Ausweichquartier für die Almwiese. “Die Wetterdienste sind heute schon so gut, dass wir am Vortag sagen können, wo wir spielen können”, ist sich Schett sicher. Niemand soll also bei der Wanderung auf die Alm oder beim Konzert unter freiem Himmel nass werden.

Auch die Tourismusverbände steuern bei

Bei der Erstauflage sind alle trocken geblieben, dafür mit einzigartigen Eindrücken wieder nach Hause gefahren. Das ist auch der Osttirol Werbung nicht verborgen geblieben. Die Tourismusverbände tragen mit Zuschüssen ebenso wie der Bund oder der Hauptsponsor Gutmann Energiesysteme dazu bei, dass das Budget für die zweite Festivalauflage gesichert werden konnte. Mit 60 Prozent Eigendeckungsanteil hat man kalkuliert. Ohne die vielen örtlichen Helferinnen und Helfer wäre freilich schon das erste Festival nicht möglich gewesen. Die Zeiten, in denen die unkonventionelle Gruppe daheim angefeindet wurde und ein altes Holzhaus in Flammen aufging, sind längst vorbei. “Dass das Dorf so mitgeht, ist super!”

Das Programm ist eine Schnittmenge von prominenten Freundinnen und Freunden und unkonventionellen Ansätzen der Gruppe. “Die Kontextverschiebung ist unsere künstlerische Leitlinie.” So möchte sich Franui etwa künftig mehr mit Richard Strauss beschäftigen, hat dafür das Motto “Mehr Garmisch, weniger Walhalla!” ausgegeben und die Sopranistin Christiane Karg dazu gebracht, gemeinsam nicht nur Lieder von Mahler, sondern auch von Strauss zu interpretieren. Das ebenfalls am Eröffnungstag musizierende Simply Quartet preist Schett als “tolles, junges Streichquartett” an, das mit dem jungen Zymbal-Virtuosen Áron Horváth und dem Schweizer Jazzpianisten Nik Bärtsch kombiniert wird – “unglaublich funky Musik!”

Pierre-Laurent Aimard macht eine Ausnahme

Nach Auftritten u.a. von der Akustik-Techno-Band Elektro Guzzi, dem Ensemble The Erlkings und der Akkordeonistin Viviane Chassot am Freitag ist am letzten Festivaltag neben dem estnischen Vokalensemble Vox Clamantis (“Die Weltmeister in der Interpretation von Arvo Pärt und gregorianischen Chorälen.”), dem Gitarristen Wolfgang Muthspiel und Bariton Florian Boesch der französische Pianist Pierre-Laurent Aimard einer der Gaststars. “Er spielt seit vielen Jahren grundsätzlich nie im August”, erzählt Andreas Schett. “Auf unsere Bitte hat er gemeint: Man muss Grundsätze haben – aber man muss sie auch umwerfen können.” Auch deshalb ist es gut möglich, dass der intellektuelle Tastenvirtuose unter die versprochenen Schubert-Ländler vielleicht das eine oder andere Stück des 100-jährigen Avantgardisten György Kurtág mischt. Töne jedenfalls, die den Kühen auf der Unterstaller Alm wohl noch nie zu Ohren gekommen sind.

Andreas Schett wirkt entspannt. Dennoch könnten noch tausend Dinge schiefgehen, räumt er ein. “Um so etwas dauerhaft auf die Beine zu bringen, muss man viel Risiko nehmen – das war aber wahrscheinlich 1920 bei den Festspielen in Salzburg auch so.”

(S E R V I C E – ; )