“Pedo-Hunter”-Prozess : Hohe Haftstrafen in Salzburg

29.05.2026 • 18:16 Uhr
"Pedo-Hunter"-Prozess : Hohe Haftstrafen in Salzburg

Am Landesgericht Salzburg sind am späten Freitagnachmittag in einem Prozess wegen Hass-Kriminalität im Umfeld der sogenannten “Pedo Hunter”-Szene die Angeklagten zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Die Geschworenen sahen bei vier der fünf Angeklagten auch versuchten Mord. Die drei jungen Männer und die junge Frau wurden zu Strafen von neuneinhalb bis zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Die fünf Angeklagten sollen laut Staatsanwaltschaft im Oktober 2024 zweimal einen Mann zu einem Treffen mit einem vorgeblich 14-jährigen Mädchen in die Pinzgauer Gemeinde Lend gelockt haben. Dort wartete die Freundin des Hauptangeklagten als Lockvogel, nach kurzer Begrüßung tauchten die Angeklagten mit über den Kopf gezogenen Sturmhauben auf. In beiden Fällen prügelten sie auf Körper und Kopf ihrer Opfer ein, einmal kam auch ein Teleskopschlagstock, einmal ein Baseballschläger zum Einsatz. Das erste Opfer erlitt Prellungen, Hämatome, Rissquetschwunden sowie den Bruch eines Zahns. Dem zweiten Mann wurden Brüche der Rippen und im Gesicht und eine Gehirnblutung zugefügt.

Der mutmaßliche Haupttäter, ein 24-jähriger gebürtiger Deutscher, war laut Staatsanwaltschaft auf der Plattform Telegram mit einer Szene in Kontakt, die unter dem Deckmantel der Jagd auf Pädophile oder vermeintliche Pädophile Fake-Profile auf Dating-Plattformen anlegt und Treffen an abgelegenen Orten ausmacht. Die Opfer werden dann von mehreren maskierten Tätern massiv misshandelt und erniedrigt. “Die Übergriffe werden ‘Hunts’ genannt, die Gruppen sind österreichweit und teilweise international vernetzt”, erklärte die Staatsanwältin im Prozess. Die Taten werden gefilmt, die Videos anschließend in internen Gruppen und auf einschlägigen Foren hochgeladen.

Bei den Opfern entschuldigt

Die Angeklagten entschuldigten sich am ersten Verhandlungstag am Mittwoch bei den Opfern und berichteten zum Teil von bereits geleisteten Entschädigungszahlungen. Zum Gros der Vorwürfe zeigten sie sich geständig. Den Mordversuch wiesen die Männer und die Frau allesamt zurück: “Ich habe das Pedo-Hunting in den sozialen Medien gesehen und bin einer Gruppe beigetreten. Ich dachte, das wäre etwas Gutes”, sagte der Hauptangeklagte. Es sei nicht geplant gewesen, dass es solche Ausmaße annimmt. Sein Verhalten bezeichnet er heute als “Scheiße”: “Das hätte nicht sein müssen.”

Der gebürtige Deutsche wurde am Freitag zu zwölf Jahren Haft verurteilt, der zweite Angeklagte zu elf Jahren und zwei Monaten. Die Frau und ein weiterer Beschuldigter bekamen je neueinhalb Jahre, der fünfte Angeklagte wurde zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er nur eine untergeordnete Rolle gespielt hatte. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Große Polizeioperation im März 2025

Im März 2025 waren bei einer bundesweiten Polizeioperation unter der Federführung des Landeskriminalamts Steiermark bei einem Schlag gegen die “Pedo Hunter”-Szene in sieben Bundesländern und in der Slowakei 18 Personen festgenommen worden. Sie sollen überwiegend Homosexuellen fälschlicherweise Pädophilie unterstellt und sie misshandelt haben. Durch die in Foren und ins Netz gestellten Videos kam die Polizei so auch auf die Spur der Salzburger Angeklagten.