Philosoph Peter Kampits 83-jährig gestorben

Der Philosoph Peter Kampits ist in der Nacht auf Dienstag im Alter von 83 Jahren nach langer Krankheit in Wien gestorben. Das wurde der APA aus informierten Kreisen bestätigt. Kampits war Gründungsdekan der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaften der Uni Wien und Mitinitiator der Donau-Uni Krems und äußerte sich vielfach zu gesellschaftlichen Entwicklungen.
Der am 28. Juni 1942 in Wien geborene Wissenschafter galt nicht nur als Spezialist für das Werk Jean-Paul Sartres und Kenner der Gegenwartsphilosophie, er war in den vergangenen Jahrzehnten auch in wichtige hochschulpolitische Entscheidungen involviert. Nach der Matura im Gymnasium in der Geblergasse in Wien-Hernals studierte Kampits Philosophie, Psychologie und Geschichte an der Uni Wien. 1965 wurde er dort promoviert. Seine Dissertation trug den Titel “Das Bild des Menschen bei Albert Camus: ein Mythos vom Menschen”. Darauf folgte ein Post-graduate-Studium an der Sorbonne in Paris, der Geburtsstadt des Existenzialismus.
Kommentierte immer wieder gesellschaftliche Entwicklungen
Zurück an der Uni Wien habilitierte er sich 1974 mit einer Arbeit zum Werk von Sartre und Gabriel Marcel, mit dem er auch zusammengearbeitet und dessen Werk er ins Deutsche übersetzt hat. 1977 erfolgte Kampits’ Ernennung zum Professor. Von 1987 bis 1991 sowie 2001 bis 2004 fungierte der Philosoph, der das Bild seines Faches neben zahlreichen Veröffentlichungen auch in Radio- und Fernsehauftritten prägte, als Vorstand des damaligen Instituts für Philosophie, dessen Neuorientierung er einleitete. Von 1988 bis 1990 war er Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Philosophie. In Folge der Neuorganisation der Uni Wien wurde Kampits 2004 zum ersten Dekan der neuen Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft (bis 2008).
Gegenüber der Entwicklung der Universitäten im Zuge des Bologna-Prozesses hat sich Kampits immer wieder kritisch geäußert. Stellung nahm er auch im Diskurs um ein selbstbestimmtes Sterben und in der Debatte um das Sterbehilfegesetz. In den vergangenen Jahren äußerte er sich zudem kritisch zu Entwicklungen während der Covid-19-Pandemie. So meldete er sich u.a. als “großer Skeptiker der Impfpflicht, vor allem aber des diesbezüglichen Gesetzes”, zu Wort. Auch zum Ukraine-Krieg äußerte sich der Ehrendoktor der Universität Kiew.
Vielfach ausgezeichneter Wissenschafter
Eingehend befasste sich Kampits mit medizinethischen Fragen – so etwa seit 2007 als Mitglied der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt. Über Jahre hinweg engagierte sich der Philosoph überdies für einen allgemein verpflichtenden Ethikunterricht an den Schulen und Universitäten. So sah es der Wissenschafter kritisch, ethische Fragen im Religionsunterricht zu diskutieren. Hier sei “immer eine gewisse Dogmatik im Hintergrund”. Das betreffe etwa bioethische Fragen wie nach dem Anfang oder dem Ende des Lebens, Embryonen oder Genetic Engineering.
Einer von Kampits’ bekanntesten Schülern war der frühere Wissenschaftsminister und ehemalige EU-Kommissar Johannes Hahn (ÖVP). Als dessen Dissertation aus dem Jahr 1987 wegen des Vorwurfs wissenschaftlichen Fehlverhaltens in die Kritik geriet, verteidigte ihn Kampits als Doktorvater und bezeichnete die Vorwürfe als “Beckmesserei”.
Kampits war als Gastprofessor in der Türkei, den USA, der Slowakei, Kroatien, Frankreich oder Rumänien tätig. Er war Träger des Goldenen Ehrenzeichens des Landes Niederösterreich und der Stadt Wien sowie des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. Im Nachgang seines 80. Geburtstages im Jahr 2022 erschien ein Buch mit Auszügen seiner gesellschaftskritischen Texte.