Polizeidiensthunde werden spielerisch trainiert

Was Mensch nicht alles tut für die vierbeinigen Lieblinge: Zum Beispiel sich bei mehr als 30 Grad im Schatten und ausgeprägter Luftfeuchtigkeit in einen einige Kilo schweren Schutzanzug stecken und wieder und wieder beißen lassen. Für die Beamtinnen und Beamten – einige zumindest – bei der Wiener Polizeidiensthundeeinheit ist das tägliches Brot. Es dient der Ausbildung der Hunde für den Schutzdienst, die Polizisten fungieren de facto als menschliche Beißwurst.
“Wenn der Hund voll ausgebildet ist, weiß er, wo er hinbeißt”, schilderte der Beamte, der sich im Schutzanzug am Dienstag bei einer Demonstration für Medienvertreterinnen und -vertreter wieder und wieder beißen ließ. Schlimmer seien da die jungen, die noch im Grundtraining seien. Da könne es schon passieren, dass das Tier die – ungeschützte – Hand erwischt, während der Polizist die Spuren auf seiner Hand zeigt.
74 Polizeihundeführer und 67 voll ausgebildete Tiere
Die Wiener Polizeidiensthundeeinheit (PDHE) verfügt derzeit über 74 ausgebildete Hundeführerinnen und -führer. “Weitere sind in Ausbildung”, erläuterte der Kommandant der Einheit, Gabriel Berkes. Dazu kommen 67 Tiere (plus 13 in Ausbildung), die grundsätzlich immer “dual”, wie es die Polizei nennt, geschult werden. Zunächst geht es für zwei Jahre um die Erziehung zum Schutzhund, der bei Demonstrationen, Fahndungen, Festnahmen und Ähnlichem eingesetzt wird. Danach gibt es eine Spezialausbildung beispielsweise zum Drogen-, Sprengstoff- (und Waffen-), Geld-, Brandmittel- oder Leichenspürhund.
Was der Vierbeiner letztlich besonders gut können soll, entscheidet letztlich der Bedarf: “Im Endeffekt ist es dem Hund egal, wonach er sucht”, sagte Berkes. “Chaos” beispielsweise ist ein sehr lebhafter, fünf Jahre alter und sehr großer belgischer Schäferhund-Rüde, der am 1. April in einem Wohnhaus im Penzinger Bezirksteil Baumgarten eine bereits mumifizierte Leiche in einer Wohnung im Stiegenhaus erschnüffelt hatte. “Für uns Menschen war der Geruch im Stiegenhaus nicht wahrnehmbar”, schilderte “Chaos'” Diensthundeführerin Alexandra P.. “Aber es ist eben so: Wir Menschen haben rund 2,5 Millionen Geruchszellen, Hunde 300 Millionen”, ergänzte einer ihrer Kollegen. Zweimal ließ Alexandra P. “Chaos” suchen, jedes Mal setzte er sich vor die betreffende Wohnungstür und schlug an.
“Chaos” erschnüffelte für menschliche Nasen nicht wahrnehmbare Leiche
Nach der Öffnung der Räumlichkeiten fanden die Beamten die mumifizierte Leiche in Plastik eingewickelt in der Bettlade. “In der Wohnung waren auch schon Räucherstäbchen aufgestellt, um den Geruch zu übertünchen”, so Berkes. “Chaos” ließ sich aber nicht beirren. Detail am Rande: Der Mieter der Wohnung wurde festgenommen. Er gestand, einen Freund, der zu Besuch war, im Streit gewürgt zu haben.
Auf Sprengstoff, Kampfmittel, Waffen und dergleichen ist “Karla von de Stoabeissa” (Züchtername) spezialisiert, ihr Hundeführer David G. nennt die vierjährige niederländische Schäferhündin allerdings “Chili”. Erst Anfang Juli kam das Duo zu einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt in der Innenstadt. Eine 64-Jährige war von ihrem 36-jährigen Sohn attackiert und mit dem Umbringen bedroht worden. Aufgrund von Hinweisen, dass sich der Mann im Besitz von Waffen befand, ordnete die Staatsanwaltschaft Hausdurchsuchungen sowohl an der Adresse in der City als auch an einer Adresse in der Leopoldstadt an.
“Chili” stöberte illegale Waffen und 15.000 Schuss Munition auf
Letztlich war es “Chili”, die mehrere nicht registrierte Langwaffen sowie 15.000 Schuss Munition aufstöberte. Detail am Rande: Sprengstoffspürhunde werden nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen trainiert, passiv anzuzeigen. Das heißt, “Chili” und ihre Kollegen schlagen nicht an, sondern setzen sich vor den Fundort und starren diesen an.
Noch ziemlich am Beginn seines Trainings steht der fünf Monate alte “Ferox”, ein belgischer Schäferhundwelpe, der aber bereits einige grundlegende Kommandos seines Hundeführers Christopher O. akkurat befolgt. Dazu muss man wissen, dass die Tiere 24 Stunden an der Seite ihrer Hundeführerinnen und -führer sind und auch in deren Familien integriert sind. Es kann durchaus sein, dass eine Beamtin oder ein Beamter drei Tiere gleichzeitig hält. Das wäre dann ein Tier in Pension, ein weiteres, das die Ausbildung begonnen, aber den nach einem Jahr üblichen Gesundheitstest nicht bestanden hat – etwa wegen Wirbelsäulenproblemen -, und ein drittes Jungtier, das sich in der Ausbildung befindet. Wenn Hunde in der Ausbildung scheitern, bleiben sie dennoch bei ihren Bezugspersonen.
12.000 Einsätze pro Jahr
Die PDHE, die jedes Jahr rund 12.000 Einsätze absolviert, bezieht die Vierbeiner in der Regel als Jungtiere oder Einjährige von bekannten Züchterinnen und Züchtern in Österreich, es gab aber auch schon den Fall eines Diensthundes, der aus dem Tierheim kam. Etwa 60 bis 70 Prozent sind belgische Schäferhunde, dazu kommen niederländische und deutsche Schäferhunde, Riesenschnauzer und in Wien auch ein Rottweiler. Ausgebildet werden die Tiere durch sogenannte positive Motivation. Hat der Hund etwas richtig gemacht, bekommt er von seinem Trainer sehr schnell eine Belohnung in Form eines “Leckerlis”, einer Beißwurst oder eines Spielzeugs.