Primare wollen entlastet werden

26.06.2026 • 11:55 Uhr
Primare wollen entlastet werden

Die österreichischen Primarärzte wollen eine Entlastung bei ihrer Tätigkeit am Patienten. Selbstverständlich sei man bereit einzuspringen, man wolle aber nicht als “Notfallreserve” dienen, meinte Ärztekammer-Vizepräsident Daniel von Langen bei einer Pressekonferenz am Freitag. Verlangt werden von den Standesvertretern mehr Ärztestellen in den Spitälern, dann könnten auch Mehrfach-Primariate vermieden werden.

Basis für die Pressekonferenz war eine Umfrage der Kammer, an der rund die Hälfte der angeschriebenen Primarärzte teilnahm. Als durchschnittliche Arbeitszeit kamen 55 Stunden heraus. Dass man in dieser Funktion mehr als 40 Stunden arbeiten müsse, ist für von Langen klar. Doch sollte die Arbeitszeit nicht mit Dingen gefüllt werden, die von anderen erbracht werden sollten.

Priorität will man auf die Sicherung der Qualität und der Weitergabe von Wissen legen. Es sei unglaublich wichtig, dass wenigstens eine Person die Möglichkeit habe, das Wissen in periphere Häuser zu bringen, wurde die Lanze für Kongresse und Fortbildungen gebrochen.

Zu wenig Zeit für Ausbildung

Knapp die Hälfte der Ärzte gibt in der Umfrage an, selbst Ärzte in Ausbildung zu betreuen. Ein Drittel bedauert, zu wenig Zeit dafür zu haben. Auch beim Personalmanagement gibt es Grund zur Klage: Gut ein Viertel schildert, für dieses Tätigkeitsfeld keine Unterstützung zu erhalten.

Drei Viertel der Befragten leiten nur ein Primariat. Immerhin 14 Prozent kommen auf zwei, sechs Prozent sogar auf drei oder mehr. Diese Mehrfach-Funktionen seien so gut wie immer Folge des ökonomischen Drucks der Träger, erklärte der Primarärzte-Vertreter der Kammer, Rudolf Knapp. Die Standesvertretung lehne das ab, denn an mehreren Standorten könne man nicht präsent sein.

Viel Kontakt in der Bereitschaft

Nur ein Drittel der Primare wird so gut wie nie in der Bereitschaft kontaktiert bzw. aktiviert. Bei einem Viertel der Befragten ist es hingegen vier Mal im Monat oder öfter.

Die Gesamt-Situation ist für die Kammer so nicht zufriedenstellend. Aus ihrer Sicht werden die Primariate auch unattraktiver. Knapp schilderte, dass er sich bei seiner Bestellung in Kufstein gegen 15 andere Bewerber durchsetzen habe müssen. Bei seiner Nachfolge habe es dann nur noch vier Kandidaten gegeben. Nicht gerade ausgeglichen ist die Verteilung zwischen den Geschlechtern. Nur zehn Prozent der Primariate sind von Frauen besetzt.