Prozess gegen Nevrivy in Causa Wienwert geht weiter
Im Prozess rund um die pleitegegangene Immobiliengruppe Wienwert werden am Donnerstag am Wiener Straflandesgericht weitere Zeugen zu Vorwürfen gegen den Donaustädter SPÖ-Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy befragt. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft dem Politiker in dem Nebenstrang des Großprozesses unter anderem Verletzung des Amtsgeheimnisses und Bestechlichkeit vor. Nevrivy bestreitet sämtliche Vorwürfe.
Nevrivy soll dem ehemaligen Wienwert-Chef Stefan Gruze einen internen Aktenvermerk über den geplanten Standort für eine Remisen-Erweiterung durch die Wiener Linien zugespielt haben. Gruze soll das Grundstück daraufhin gekauft und wenige Monate später zu einem weit höheren Preis an den Öffi-Betreiber weiterverkauft haben. Dadurch soll der Stadt Wien laut Anklage ein Schaden von rund 850.000 Euro entstanden sein.
Im Gegenzug soll Nevrivy von Gruze mehrere VIP-Tickets für das Wiener Fußball-Derby sowie Spiele der Nationalmannschaft bekommen haben. Zudem soll die Wienwert die bei Nevrivy beliebte Band “Wiener Wahnsinn” gesponsert haben. Gruze muss sich in diesem Zusammenhang unter anderem wegen Bestechung und Untreue verantworten. Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe, für sie gilt die Unschuldsvermutung.
Offenes Geheimnis?
Nevrivy erklärte vor Gericht wiederholt, dass die Remisenpläne bereits weit vor seiner Informationsweitergabe an Gruze einem breiten Personenkreis – etwa “der halben Baubranche” – bekannt gewesen seien. Mit Blick auf die Einladungen zu Wiener Derby-Fußballspielen verwies der Politiker auf seinen Stiefsohn, einen ehemaligen Rapid-Manager, der ihm leicht Tickets hätte besorgen können. Band und Wienwert-Chef Gruze habe er lediglich einander bekanntgemacht.
Beim vergangenen Verhandlungstermin im März hatten mehrere Zeugen die bisher getätigten Aussagen der Angeklagten, wonach Pläne für eine Remisenerweiterung der Wiener Linien bereits früh einem breiten Personenkreis bekannt waren, tendenziell bestätigt.