Sieben Jahre Haft für 19-Jährigen nach Home Invasion
Wegen einer brutalen Home Invasion im vergangenen Dezember ist ein 19-Jähriger am Dienstag am Wiener Landesgericht nicht rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt worden. Der Mann hatte sich als Installateur ausgegeben und eine damals 88-Jährige in ihrer Wohnung ausgeraubt. Die Pensionistin erlitt schwere Verletzungen. Der geständige Serbe hatte sich damit seine Drogen- und Spielsucht finanzieren wollen.
“Er hat das Opfer nicht geschlagen”, beteuerte sein Verteidiger am Dienstag vor dem Richter. “Es tut ihm sehr leid.” Sein Mandant habe seit Längerem mit Spielsucht zu kämpfen.
Angeklagter: “Ich war geschockt”
Sein Bekannter habe ihn angerufen und erzählt, “dass es eine Frau gibt, die Geld hat und wir könnten uns das Geld holen”, erinnerte sich der 19-Jährige. Er und sein Freund seien dann am 18. Dezember zu ihrer Adresse im niederösterreichischen Langenzersdorf gefahren und hätten die 88-Jährige gefragt, ob sie eine Thermenwartung brauche. “Die Frau hat gesagt, dass sie die Garage aufmachen wird. In dem Moment hat er sie am Mund gepackt und mit einem Teil vom Bettzeug gefesselt. Er hat mir gesagt, dass ich das Geld suchen soll, aber ich war so geschockt, dass ich der Frau helfen wollte”, erklärte der Angeklagte.
“Ich hatte hohe Schulden und war in einer sehr schlechten finanziellen Situation.” Es sei nie geplant gewesen, dem Opfer körperlichen Schaden zuzufügen. “Ich bereue sehr, dass ich das gemacht habe und möchte mich bei der Frau entschuldigen.” Die Staatsanwältin nannte die Angaben des 19-Jährigen “absolut unglaubwürdig”.
Opfer: “Haben nicht von mir abgelassen”
Die Frau gab in ihrer Einvernahme vor der Polizei an, das Duo in Angst um ihr Leben angefleht zu haben und von beiden Männern geschlagen worden zu sein. “Aber sie haben nicht von mir abgelassen”, wie die Richterin aus der Einvernahme vorlas. Letztlich erbeuteten die beiden Männer nur einen Bargeldbetrag von 120 Euro und ein Handy.
Das Opfer konnte sich schließlich selbst befreien. Ihr Nachbar, der am Dienstag ebenfalls als Zeuge befragt wurde, verständigte daraufhin die Einsatzkräfte. Sie erlitt neben Prellungen und Hämatomen im Gesicht eine stressbedingte Herzmuskelschwäche. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wurde das Opfer in einer Pflege- und Betreuungseinrichtung aufgenommen, weil sie aufgrund der erlittenen Verletzungen den Alltag nicht mehr selbstständig bewältigen konnte. “Kurz nach dem Vorfall begann der körperliche Verfall”, erklärte die Privatbeteiligtenvertreterin der Frau.
Auch versuchter Raub angeklagt
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 19-jährigen viertangeklagten Serben schweren Raub sowie versuchten schweren Raub im Rahmen einer kriminellen Vereinigung vor. Angeklagt waren neben ihm zwei 32-jährige Serben, ein 28-jähriger Serbe sowie ein 21-jähriger Österreicher. Ihnen wird lediglich ein versuchter Raub im April vorgeworfen – ebenfalls im Rahmen einer kriminellen Vereinigung.
Die fünf, untereinander teils befreundet, teils lediglich flüchtig bekannten Männer hatten damals über einen Kontaktmann den Tipp bekommen, unter dem gleichen Vorwand wie im Dezember einen Wiener auszurauben. Wie die Angeklagten vor dem Schöffensenat angaben, hätten sie sich mit dem Geld ihre Drogensucht finanzieren wollen. “Wir haben alle das gleiche Problem”, schilderte einer der Männer vor der Richterin.
Sie trafen sich beim zweitangeklagten 32-jährigen Serben, um zu feiern. “Wie es der Zufall will, hatten wir Drogen dabei”, erzählte der drittangeklagte ebenfalls 32-jährige Serbe. Im weiteren Verlauf der Drogenparty sei ihr Kontaktmann dazugestoßen, der ihnen die Idee des Raubes weiter schmackhaft machte. “Die anderen sollten ihm nur einen Schrecken einjagen, nehmen, was zu holen ist und dann abhauen”, erzählte er über den Plan. “Ich sollte einen Blaumann anziehen und ihn als Installateur ablenken.”
Komplize festgenommen
Der Plan scheiterte jedoch – auch weil das Opfer Verdacht schöpfte. “Der Installateur ist gekommen, ohne Werkzeug. Er hat an der Therme rumgefingert”, erinnerte sich das Opfer in seiner Vernehmung im Zeugenstand am Dienstag. Bereits dieser Umstand sei ihm komisch vorgekommen. Er habe noch nie eine so “patscherte Home Invasion erlebt”, schilderte der Verteidiger des mehrfach vorbestraften Zweitangeklagten.
Die Männer flüchteten letztlich unverrichteter Dinge und gingen den observierenden Beamten der Wiener Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) ins Netz. Die Exekutive hatte die Gruppe bereits seit längerem als mutmaßliche Installateursbetrugsbande im Visier und sie am Tattag vor dem Mehrparteienhaus observiert. Im Verfahren am Dienstag waren jedoch nur die Raubüberfälle Thema.
DNA-Abgleich brachte Treffer
Durch einen DNA-Abgleich wurde dem 19-Jährigen die Tat in Langenzersdorf zugeordnet. Sein Komplize wurde wenig später von der Polizei in Bosnien festgenommen.
Das Schöffengericht verurteilte den 19-Jährigen am Dienstag zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sieben Jahren wegen schweren Raubes. Als erschwerend wurde die Kombination der beiden Taten sowie insbesondere das hochbetagte Opfer gewertet. Mildernd sah die Richterin hingegen den bisherigen ordentlichen Lebenswandel sowie das Geständnis an. Der 88-Jährigen wurden zudem 10.000 Euro Schmerzengeld zugesprochen. Der 19-Jährige nahm das Urteil an.
Die weiteren Angeklagten wurden wegen versuchtem schwerem Raub zu unbedingten Freiheitsstrafen in Höhe von zweieinhalb Jahren bis zu sieben Jahren verurteilt. Der 32-jährige Zweitangeklagte erbat sich Bedenkzeit. Die weiteren Angeklagten nahmen das Urteil an. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Die Urteile sind damit nicht rechtskräftig.