Prozessauftakt um riesige Cannabis-Plantage in Wien-Liesing

10.09.2026 • 10:54 Uhr
Prozessauftakt um riesige Cannabis-Plantage in Wien-Liesing

Am Landesgericht hat am Donnerstag der Prozess um die mutmaßlich größte Wiener Cannabis-Plantage der jüngeren Kriminalgeschichte begonnen. Die zwei Hauptangeklagten sollen im Frühjahr 2024 eine über 3.000 Quadratmeter große Lagerhalle in Wien-Liesing angemietet und zur illegalen Aufzucht von Cannabispflanzen umfunktioniert haben, um die Ernte gewinnbringend zu verkaufen. Die gesamte Anlage sei “wie eine Vollpension” ausgestattet gewesen, sagte die Staatsanwältin eingangs.

Die Betreiber – zwei Männer im Alter von 42 und 46 Jahren – sollen bis Anfang September 2025 hunderte Kilogramm Cannabiskraut erzeugt haben. Als die Polizei im Vorjahr die Plantage aushob, wurden dort 300 Kilogramm Cannabis sichergestellt, das in 99 Säcken abgepackt war. Beim Einschreiten der Polizei standen in der Halle 9.270 Cannabispflanzen in Blüte, was nach dem exekutiven Abernten weitere 245 Kilogramm ergab. 420 Kilogramm wurden in mehreren Self-Storage-Lagern entdeckt, die der Drittangeklagte – ein unterstandsloser 56-Jähriger – als Suchtgiftbunker angemietet, in Kartonagen abgepackt und zum Verkauf bereit gehalten haben soll.

Die Plantage spielte alle Stückerln, wie die Staatsanwältin bekräftigte. Neben der für den Anbau nötigen Technik und Infrastruktur wies sie eine voll ausgestattete Küche, Sanitäranlagen und Schlafplätze auf – eigens beschäftigte “Gärtner” lebten dort und hatten sich um Wuchs und Gedeih der Pflanzen zu kümmern. Neben dem Wohnbereich gab es für die neun Arbeiter serbischer Herkunft sogar eine eigene Chill-Zone mit einem Fernseher samt Playstation-Konsole, mehreren Laptops und einer Dartscheibe.

Verteidiger: Legales Geschäftsmodell

Die beiden Hauptangeklagten waren nicht geständig. Ihre Verteidiger Normann Hofstätter und Volkert Sackmann betonten, die zwei hätten legale Geschäfte mit Cannabis-Stecklingen gemacht und nicht Suchtgift produziert. “Stecklinge darf man legal erwerben und legal verkaufen”, sagte Hofstätter. Sein Mandant und der 46-Jährige – ein in der Immobilienbranche tätiger Manager – hätten ein legales Geschäftsmodell entwickelt und Cannabis-Generika produziert.