Rasante Turbulenzen: “Der nackte Wahnsinn” in Kobersdorf

01.07.2026 • 09:36 Uhr
Rasante Turbulenzen: "Der nackte Wahnsinn" in Kobersdorf

Türen flogen auf und zu, Sardinen wurden mitgenommen oder dagelassen, gesucht und wieder gefunden: Bei den Schloss-Spielen in Kobersdorf hat mit der Premiere am Dienstagabend “Der nackte Wahnsinn” Einzug gehalten. Die Hitze ließen sich Intendant Wolfgang Böck und sein Ensemble dabei nicht anmerken – rasant ging es hin und her, rauf und runter, da hinein und dort wieder hinaus. Das Ergebnis: ein kurzweiliger und unterhaltsamer Theaterabend.

Mit dem “Nackten Wahnsinn” hat sich Böck dieses Mal eine turbulente Komödie vorgenommen, die – anders als die Stücke in den vergangenen Jahren – ganz auf ernste Themen verzichtet. Alles dreht sich um eine britische Schauspieltruppe, die schon bei der Generalprobe unbeholfen durch ihr Stück stolpert und bei den darauffolgenden Aufführungen mehr und mehr den Faden verliert, bis das Dargebotene nur noch bruchstückhaft an das Einstudierte erinnert.

Ein Einbrecher, der zuverlässig seinen Einsatz verpasst

Der Intendant selbst gibt darin den vergesslichen, dem Alkohol verfallenen Schauspieler Selsdon Mowbray, der als Einbrecher zuverlässig seinen Einsatz verpasst – eine Rolle, die Böck auf den Leib geschneidert ist. Besonders beeindruckte bei der Premiere aber auch Boris Popovic als Garry und Roger, der mit zusammengebundenen Beinen die Stufen hinaufhüpfte und sie beim desaströsen letzten Auftritt der Truppe samt Schachtel am Fuß hinunterstürzte.

Die Slapstick-Einlagen saßen, ebenso das Timing, und auch mit dem rasanten Tempo der Komödie von Michael Frayn konnte das Ensemble trotz Hitze problemlos mithalten. Beim Publikum sorgte die Inszenierung von Claus Tröger vor allem in der zweiten Hälfte für zahlreiche Lacher. Das Bühnenbild von Erich Uiberlacker rotierte während der Aufführung mehrmals. Auf der einen Seite zeigt es die Theaterkulisse, ein Haus mit zwei Stockwerken, Stiegen, zahlreichen Türen und einem großen Fenster – ohne Alarmanlage ideal für Böck zum Einbrechen. Auf der anderen Seite gibt es den Blick frei hinter die Kulissen.

Wer sich von den Schloss-Spielen heuer etwas Ernstes zum Nachdenken erwartet hat, der wurde wohl enttäuscht. Wer jedoch, wie Böck, vor allem Spaß haben wollte, kam voll auf seine Kosten. Der Intendant sah sich durch das Stück auch an seine eigenen Erfahrungen auf der Bühne erinnert, wie er vor der Premiere betonte: “Nicht alles, was Sie heute Abend sehen werden, passiert ständig im Theater, aber einiges schon auch.” Nur hoffentlich nicht in Kobersdorf.

(Von Theresa Puchegger/APA)

(S E R V I C E – Schloss-Spiele Kobersdorf: “Der nackte Wahnsinn” von Michael Frayn. Weitere Vorstellungen bis 26. Juli jeweils Donnerstag bis Sonntag. )