Auf der Baustelle: Wie “s’Matt haus” leistbares Wohneigentum möglich machen will

Mitten in Vorarlberg entsteht derzeit ein Haus, das leistbares Wohneigentum neu denken soll. Die NEUE war vor Ort auf der Baustelle und hat mit David Matt und Katja Huber über kurze Bauzeiten, niedrige Kosten und die Idee hinter dem „s’Matt-Haus“ gesprochen.
Mittendrin, eingebettet zwischen den Seitenstraßen von Koblach, entsteht gerade etwas Außergewöhnliches. „Also wir haben Anfang Juni mit dem Bau angefangen und bis in ungefähr vier Tagen sind wir hier fertig“, erzählt David Matt am Freitagmorgen der NEUE. Die Rede ist dabei nicht von einem kleinen Schuppen oder Carport, sondern von einem ganzen, schlüsselfertigen Haus.

Dabei ist nicht nur die Bauzeit des Gebäudes ungewöhnlich kurz, sondern auch dessen Konstruktion. Das sogenannte „s’Matt-Haus“ wird von einem Metallgerüst getragen. Das ist unüblich für ein privates Heim, jedoch nicht im Industriebau. Viele Hallen und Betriebsgebäude werden nach einem ähnlichen Prinzip errichtet. Genau dort liegt auch der Ursprung der Idee für “s’Matt Haus”.
Aus der Industrie zum Eigenheim
Matt erklärt: „Wir als Schlosserei haben bereits längere Erfahrung im Industriebau. 2022 haben wir in Rankweil auch unser Hauptgebäude nach diesem Prinzip selbst errichtet.“ Dabei habe man bemerkt, dass man im Industriebau mit Systemen arbeite, mit denen große Flächen schnell, robust und effizient hergestellt werden können. „Wir haben gesehen, dass, wenn wir das in ein Hauskonzept umwandeln, wir die Vorteile für die Geschwindigkeit und dadurch Kostenersparnis mit Langlebigkeit und Wohnlichkeit verbinden können“, sagt Matt.

Der Schlosser weiß, wie schwierig es derzeit ist, in Vorarlberg an leistbares Wohneigentum zu kommen. Die Grundidee sei deshalb gewesen, ein Haus zu entwickeln, dessen Finanzierung in etwa dort liegt, wo viele heute ohnehin für eine Mietwohnung zahlen. „Die Idee ist, dass man um das Geld, wo du in einer aktuellen Mietwohnung bist, eine Finanzierung für das Eigenheim herbringst“, erklärt Matt. Gedacht sei das Modell vor allem für Menschen, die derzeit in einer Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnung leben und sich eine Alternative wünschen.
Glücklicher Zufall
Bis Herbst vergangenen Jahres fehlte ihm allerdings noch jemand, der diese Idee planerisch umsetzt. Das änderte sich, als Matt die Bauleiterin Katja Huber bei Projekten mit der Diözese Feldkirch kennenlernte. Huber war damals zu 50 Prozent bei der Diözese tätig und suchte nach einer Möglichkeit, ihre Arbeitszeit aufzustocken. „Dann hat sich das gerade wirklich als glücklicher Zufall ergeben“, erinnert sie sich. Seit Mitte Oktober ist sie bei Matt tätig. Aktuell arbeitet sie dort als Planerin und Bauleiterin.

Gemeinsam begannen Matt und Huber, das Konzept zu entwickeln. „Wir haben wirklich eine Art Grundhaus hergenommen, ein Standardhaus, und gesagt: Was braucht es wirklich? Was können wir wegstreichen? Wo können wir Flächen ersparen?“, erinnert sich Huber. Das Ziel war klar: möglichst wenig Grundfläche, möglichst viel Wohnraum und trotzdem ein gutes Raumgefühl. Gerade in Vorarlberg, wo Baugrund knapp und teuer ist, sei das entscheidend. Auf Grundstücken ab rund 220 Quadratmetern soll das Haus möglich sein. Je nach Bauplatz lassen sich dabei bis zu 90 Quadratmeter Wohnfläche schaffen.

Ein wichtiger Punkt ist laut Huber die Raumhöhe. Während bei vielen kompakten Häusern schnell ein beengtes Gefühl entsteht, will Huber dem durch höhere Räume entgegenwirken. Man könne durch die Kubatur und die Planung „Wohnlichkeit in einen kleinen Umriss bringen“, sagt sie. Der Grundriss ist flexibel und wird an die Bedürfnisse der Kunden angepasst. In Vorgesprächen werden Budget, Grundstück und Anforderungen besprochen. Danach erstellt Huber eine Planung. „Bisher haben wir bei allen Projekten mit zwei, drei Gesprächen das Ganze fertig gehabt“, sagt Matt.
Stahlgerüst
Derzeit steht das erste umgesetzte Haus in Koblach. Es ruht nicht auf einer klassischen Bodenplatte, sondern auf sechs Punktfundamenten. Darauf liegt ein verzinkter Stahlrahmen. Weil die Konstruktion im Vergleich zu einem herkömmlichen Gebäude leichter ist, brauche es laut Huber und Matt keine große Bodenplatte zur Gewichtsverteilung. Das spart Zeit. „Normal brauchst du schon fast zwei, drei Wochen für eine Bodenplatte, weil man sie abtrocknen lassen muss“, erklärt Matt. Beim „s’Matt-Haus“ entfallen solche Trocknungszeiten weitgehend.

Auch das Thema Rückbaubarkeit spielt eine zentrale Rolle. Wo immer möglich, sollen verklebte und vergossene Materialien vermieden werden. Das Haus soll also demontierbar bleiben. Materialien wie Stahl, Aluminium und Holz können dadurch später wiederverwendet werden. Die Außenfassade besteht aus Aluminium, im Innenausbau kommt Massivholz zum Einsatz. Damit will Matt Vorteile aus dem Industriebau in den Wohnbau übertragen, wie zum Beispiel, schnelles Bauen, klare Konstruktion und eine lange Nutzbarkeit.

Produziert wird der Stahlbau in der Rankweiler Schlosserei. „Wir bauen das komplett in Rankweil“, sagt Matt. Für den Stahlbau selbst rechne man mit rund einer Woche Produktionszeit. Auch die beteiligten Gewerke kommen laut Matt aus Vorarlberg. Elektriker, Installateure und weitere Partner seien früh in die Planung eingebunden worden, um die Abläufe möglichst effizient zu gestalten.

Beim Preis nennt Matt für das Grundhaus in Koblach rund 200.000 Euro. Darin sieht er den entscheidenden Ansatz. Wer heute 1200 oder 1300 Euro Miete bezahle, könne bei entsprechender Finanzierung und vorhandenem Grund in eine ähnliche monatliche Größenordnung kommen. Gleichzeitig gehe es nicht nur um die Errichtungskosten, sondern auch um niedrige Betriebskosten. Das Haus verfügt über Photovoltaik, geheizt und gekühlt wird in Koblach über eine Klimaanlage, das Warmwasser wird über eine Luftwärmepumpe erzeugt. Zusätzlich gibt es einen Schwedenofen. Je nach Standort könne das System aber angepasst werden — etwa an Gas, Fernwärme oder andere vorhandene Möglichkeiten.
Angepasst
Matt betont, dass man nicht an ein einzelnes, technisches System gebunden sei. „Wir versuchen immer für den Kunden eine Lösung zu finden, die für ihn das Beste ist“, sagt er. Ebenso flexibel ist der Ausbauzustand. Das Haus kann vom Rohbau bis schlüsselfertig geliefert werden. Wer handwerklich geschickt ist, kann also Teile des Innenausbaus selbst übernehmen und dadurch weitere Kosten sparen.

Das erste „s’Matt-Haus“ kann dieses Wochenende in Koblach besichtigt werden. Am Samstag von 9 bis 17 Uhr stehen Matt, Huber , sein Team und der Hausbesitzer am Roten Graben 20a für Fragen bereit. Weitere Projekte sind bereits in Vorbereitung. Zwei Häuser seien in der Einreichung, weitere Interessenten würden stark in Richtung Umsetzung tendieren. Für Matt ist das ein Zeichen, dass der Bedarf vorhanden ist.