Renommierte Comic-Preise an Franz Suess und Ulli Lust

Zwei der am Freitagabend verliehenen Max und Moritz-Preise, die von der Stadt Erlangen im Rahmen des alle zwei Jahre stattfindenden Internationalen Comic-Salons vergeben werden, sind an Zeichner aus Österreich gegangen: Ulli Lust erhielt für “Die Frau als Mensch” (Reprodukt) den Preis für den Besten Sachcomic, Franz Suess wurde als “Beste*r deutschsprachige*r Comic-Künstler*in” geehrt. Die Auszeichnung in dieser renommierten Kategorie ist mit 10.000 Euro dotiert.
Suess, 1961 in Linz geboren, hat sich seit seinem ersten, im Alter von 50 Jahren vorgelegten Buch “1160, Ottakring” (2011) eine eigene Bildsprache erarbeitet. “Ich arbeite themenbezogen”, hatte er 2024 im APA-Interview erzählt. “Ausgangspunkt ist manchmal die Natur, etwa die körperlichen Veränderungen beim Menschen. Oder aber bestimmte Personen, die mich interessieren, wenn ich sie sehe und mir dann imaginiere, wie sie vielleicht leben oder was ihr Leben ausmacht. All das ist natürlich auch Übertragung und Fantasie.” In dem 2022 erschienenen Band “Diebe und Laien” erzählte er aus dem Alltag mehrerer Menschen aus der Wiener Unterschicht. Danach erschien seine Short-Story-Sammlung “Drei oder vier Bagatellen” und im Vorjahr “Jakob Neyder” (avant-verlag), ein düsteres Buch über den jugendlichen Außenseiter Jakob, der nach einer Straftat in einen Strudel aus Antriebs- und Sinnlosigkeit gerät.
“Franz Suess seziert das Leben seiner Protagonist*innen mit feinem, messerscharfem Bleistiftstrich. Mitunter wirkt das, als würden die Porträtierten vom scharfen Strich verletzt oder deformiert. Dann wieder sind sie so diffus gezeichnet, dass sie kaum zu greifen sind. Es wirkt, als wolle Franz Suess die Vielschichtigkeit seiner Protagonist*innen aufzeigen”, fasste Jurymitglied Andrea Heinze in ihrer Laudatio zusammen.
Neue Auszeichnung für Ulli Lust
“Die Frau als Mensch” der seit langem in Berlin lebenden Wienerin Ulli Lust (58) ist eines der ungewöhnlichsten und ambitioniertesten Sachcomic-Projekte der vergangenen Jahre. “Auf fundierte Art verknüpft die Autorin aktuelle Perspektiven aus archäologischer Forschung, Anthropologie und Gender Studies. Dabei ist ihr Blick außerordentlich frisch und der breite fachliche Ansatz führt zu überraschenden Schlüssen”, lobte die Jury, die Band 1 im Vorjahr zum Sachbuch des Jahres 2025 kürte.
Mittlerweile ist Band zwei (“Schamaninnen”) erschienen. “Auch diesmal wird sie für ihre präzisen Darstellungen von der Fachwelt gelobt. Auch weil sie immer wieder deutlich macht, dass die Darstellungen eine Interpretation der dünnen Datenlage sind”, hieß es nun in der Begründung. “Selten wurde der Stand der Wissenschaft so leicht vermittelt, wie in ‘Die Frau als Mensch’ – weil Ulli Lust eine nachvollziehbare Erzählung schafft – und weil die Naturzeichnungen einfach nur schön sind.”