Russischer Angriff auf türkisches Schiff
Die russischen Streitkräfte haben nach ukrainischen Angaben ein türkisches Schiff mit Drohnen angegriffen. Das unter der Flagge Vanuatus fahrende Frachtschiff sei in der Nacht zum Freitag von der südukrainischen Region Odessa in Richtung Türkei gefahren, teilt die ukrainische Marine mit. Zwei Besatzungsmitglieder seien verletzt und in Sicherheit gebracht worden. Ein Feuer sei rasch gelöscht worden. Die Ukraine bezeichnete den Vorfall als “gezielten Angriff” Russlands.
Nach Angaben der örtlichen Behörden gab es zudem einen Drohnenangriff auf das Gebiet um den ukrainischen Hafen Ismajil in der südlichen Oblast Odessa. Eine der Drohnen habe sich in Stromleitungen verfangen, wodurch die Stromversorgung in fünf Dörfern vorübergehend unterbrochen worden sei, teilten die Behörden der Nachrichtenagentur Reuters mit. Ismajil liegt nahe der rumänischen Grenze und beherbergt den größten ukrainischen Hafen an der Donau. Die strategisch wichtige Stadt ist häufig Ziel von Angriffen.
Die ukrainischen Luftstreitkräfte gaben bekannt, dass Russland die Ukraine mit einer ballistischen Rakete vom Typ Iskander und 232 Drohnen angegriffen habe. 217 Drohnen seien unschädlich gemacht worden.
Brände, Schäden und ein Toter nach ukrainischen Drohnenattacken
Das russische Verteidigungsministeriums meldete hingegen, dass in der Nacht zum Freitag 208 Drohnen abgeschossen wurden. Es habe ukrainische Angriffe in 13 Regionen gegeben. Zur Gesamtzahl eingesetzter Drohnen und zu Treffern machte das Ministerium keine Angaben. Mehrere Regionen meldeten allerdings Brände, Schäden und einen Toten gemeldet. In Wolschski im Gebiet Wolgograd starb ein 60 Jahre alter Mann in einer Kunststofffaserfabrik, wie Gouverneur Andrej Botscharow mitteilte. Eine 55 Jahre alte Frau sei mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden.
Im Gebiet Jaroslawl gab es nach Behördenangaben ebenfalls einen massiven ukrainischen Drohnenangriff. Industrieobjekte für die Lagerung von Treibstoffen seien getroffen worden, sagte Gouverneur Michail Jewrajew. Ein Brand werde gelöscht. Verletzte gebe es nicht. Zeitweilig habe die Straße nach Moskau gesperrt werden müssen.
Auch im südrussischen Hafen Temrujuk ist nach einem ukrainischen Drohnenangriff ein Feuer ausgebrochen. Das teilen die Behörden der Oblast Krasnodar mit, in der sich Temjurk befindet. Krasnodar liegt gegenüber der 2014 von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim und ist mit ihr durch die Brücke über die Straße von Kertsch verbunden. Verletzte gebe es in dem Kurort am Asowschen Meer, dem nördlichen Nebenmeer des Schwarzen Meeres, nicht, hieß es.
Im Süden von Wolgograd (früher Stalingrad) kam es zu einem Brand in einem nicht näher benannten Energieobjekt. Auch ein Wohnhaus sei in der Region beschädigt worden.
Kiew bestätigt Angriffe
Der Generalstab in Kiew bestätigte in sozialen Medien unter anderem Angriffe auf Wolgograd und Jaroslawl. In Wolgograd sei eine Ölraffinerie getroffen worden und nachweislich ein Brand ausgebrochen. Die Raffinerie habe den Betrieb eingestellt, hieß es in der Mitteilung. Die Anlage sei wichtig für die Versorgung der Militärlogistik und die russische Armee, begründete der Generalstab die Attacke. In Jaroslawl sei eine Ölpumpstation getroffen worden. Zwei Öltanks sollen in Brand geraten sein. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.
Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Drohnenattacken im russischen Hinterland angekündigt. Nach seiner Darstellung sollen durch die Angriffe etwa auf Anlagen der Ölindustrie Moskau die für die Kriegswirtschaft wichtigen Einnahmen aus dem Energieexport genommen werden. Ein weiteres Ziel sei, den Aggressor durch den Druck der Angriffe an den Verhandlungstisch zu zwingen – für eine gerechte Beendigung des Kriegs, hatte Selenskyj erklärt.