Schwede nach Suizidversuch einer 14-Jährigen in U-Haft

Vor einem Monat wurde ein junger Schwede in der Bundeshauptstadt festgenommen, weil er einer 14-Jährigen bei einem Suizidversuch geholfen haben soll. Das Mädchen wollte sich am 26. Mai im Stiegenhaus an ihrer Adresse in Wien-Landstraße das Leben nehmen. Der 20-Jährige war dabei anwesend. Das Landesgericht hat die über ihn verhängte U-Haft verlängert, teilte Gerichtssprecherin Christina Salzborn am Freitag auf APA-Anfrage mit. Als Haftgrund wird Tatbegehungsgefahr angenommen.
Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen den jungen Mann wegen Mitwirkung an der Selbsttötung (§ 78 StGB). Die Anklagebehörde geht derzeit davon aus, dass er das Mädchen verleitet bzw. in ihrem Entschluss bestärkt hat. Er soll ihr auch bei Besorgungen geholfen haben. Das Mädchen überlebte nur deshalb, weil eine Nachbarin auf die Vorgänge im Stiegenhaus aufmerksam wurde und die Polizei verständigte. Die 14-Jährige wurde in lebensbedrohlichem Zustand in ein Spital gebracht, nachdem Polizeibeamte Erste-Hilfe-Maßnahmen gesetzt und die Rettung alarmiert hatten. Im Spital wurde das Mädchen in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt. Nach gesicherten APA-Informationen hat sich ihr Zustand inzwischen gebessert. Sie konnte allerdings noch nicht als Zeugin vernommen werden.
Zwei Jahre lang gechattet
Das Mädchen hatte den deutlich älteren Burschen im Alter von zwölf Jahren im Internet auf einer Spiele-Plattform kennengelernt. Zwei Jahre lang chatteten die beiden miteinander und sollen sich regelmäßig über das Thema Suizid ausgetauscht haben. Ende Mai reiste der 20-Jährige nach Wien, um – so zumindest die Verdachtslage – dem Mädchen beizustehen.
Zwischen den beiden dürfte es auch zu intimen Kontakten gekommen sein. Unklar ist, ob diese einvernehmlich waren oder ob es sich um sexuelle Übergriffe handelte. Wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Judith Ziska, auf APA-Anfrage erklärte, wird auch in Richtung eines möglichen Missbrauchs ermittelt. Sichergestellte Handys und Datenträger würden ausgewertet, um weitere Aufschlüsse zu erhalten, sagte Ziska.
Seitens des Landesgerichts wurde gegenüber der APA betont, dass für die U-Haft nur der Vorwurf der Mitwirkung an der versuchten Selbsttötung maßgeblich war. Hinsichtlich möglicher Missbrauchshandlungen liege kein dringender Tatverdacht und kein Haftgrund vor. Die Tatbegehungsgefahr stützt sich somit offenbar auf die Befürchtung, der Schwede könnte auch auf andere Personen einwirken, die sich in einer verzweifelten Lebenssituation befinden.
(S E R V I C E – Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich.
Hilfeangebote des Vereins AÖF: Die Frauen-Helpline gegen Gewalt 0800/222-555 steht rund um die Uhr, mehrsprachig, anonym und kostenlos allen Frauen, Angehörigen und Interessierten zur Verfügung: ; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter
Weitere Anlaufstellen für Gewaltopfer: Gewaltschutzzentrum Wien: 01/585-32-88 – 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien: 01-71719 – Wiener Frauenhaus-Notruf 057722 – Österreichische Gewaltschutzzentren: 0800/700-217)