Seniorenrat will bei älteren Beschäftigten Anreizsystem

11.09.2026 • 11:49 Uhr
Seniorenrat will bei älteren Beschäftigten Anreizsystem

Die Seniorenvertreterinnen Ingrid Korosec (Seniorenbund) und Birgit Gerstorfer (Pensionistenverband) haben am Freitag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Vorsitzenden der Alterssicherungskommission, Christine Mayrhuber, angekündigt, ein Anreizsystem für Unternehmen ausarbeiten zu wollen, um die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer zu heben. Ausarbeiten soll das Bonus-Malus-System das Wifo.

Als Zeithorizont habe man Ende des Jahres ins Auge gefasst, so Korosec. Dann will man das Anreizsystem der Öffentlichkeit präsentieren und der Regierung vorlegen. Dabei könnten es freilich auch mehrere Modelle sein. Nun müsse es aber erst einmal vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) “wissenschaftlich aufbereitet werden”, so Korosec: “Dann wird man sehen, welche Varianten es gibt.” Jedenfalls müsse etwas passieren, “weil ohne Maßnahmen nichts weitergeht”.

“Wir hören immer wieder, dass wir länger arbeiten müssen, bzw. dass das Antrittsalter erhöht werden muss. Gleichzeitig erleben wir aber, dass Unternehmen ihrer Verantwortung nicht gerecht werden und ältere Arbeitnehmer abbauen bzw. nicht einstellen”, monierte Gerstorfer: “Wer länger arbeiten soll, muss auch länger arbeiten dürfen”, kritisierte sie die “Diskrepanz der Beschäftigten im Arbeitsmarkt und der Arbeitslosigkeit ab einem gewissen Alter”. Daher fordere man ein Bonus-Malus-System, das “klar definiert, welche Unternehmen einen Beitrag leisten und welche noch einen leisten sollen”.

Anreizsystem soll “aufkommensneutral” sein

Dabei handle es sich um ein “komplexes Vorhaben”, räumte Mayrhuber ein. Den Seniorenvertreterinnen schweben aber bereits Eckpunkte vor. Zum einen müsse es “aufkommensneutral” sein und könnte etwa über die Sozialversicherungsbeiträge abgewickelt werden. Unternehmen mit einem hohen Anteil an Beschäftigten über 60 Jahre könnten dann geringere Beiträge zahlen als jene mit weniger Arbeitnehmern in dieser Gruppe, erläuterte Mayrhuber: “In Summe würde sich das Aufkommen nicht verändern, die Unternehmen aber unterschiedlich Beiträge leisten.”

Auch verwaltungstechnisch wäre das aus Sicht der Expertin einfach zu administrieren, enthalte doch jede Sozialversicherungsnummer das Geburtsdatum. Angesiedelt wäre das Ganze nach Vorstellung der Seniorenvertreterinnen in der Buchhaltung der Unternehmen. Freilich müsste es aber eine Übergangsphase von drei bis fünf Jahren geben, räumte Mayrhuber ein.

Es brauche einfach Maßnahmen, um ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben zu halten. Die Arbeitsmarktzahlen seien nämlich teilweise alarmierend. Die Lage verschärfe sich zunehmend. Rund ein Fünftel aller Arbeitslosen hierzulande gehört der Altersgruppe 55plus an, während jedoch der Anteil älterer Menschen an den unselbstständig Erwerbstätigen bei rund 17 Prozent liegt, erklärte Mayrhuber. Zudem habe jemand, der mit 60 seinen Job verliert, kaum eine Chance auf einen Wiedereinstieg.

Seniorenvertreterinnen halten nichts von “NEOS-Pensionsgipfel” im Herbst

Wenig halten die Seniorenvertreterinnen von dem von NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger geforderten Allparteien-Pensionsgipfel im Herbst. Korosec hält diesen für “völlig überflüssig” und populistisch. Dem schloss sich Gerstorfer an. Und auch für Mayrhuber ist ein derartiger Gipfel “etwas für die Medien”. “Da geht es um die Auslage und nicht den Inhalt”, kritisierte sie. Andererseits merkte die Expertin aber an, dass es eine breite Diskussion benötige. Denn das Pensionssystem sei wie ein großer Tanker. Entscheidungen und Justierungen, die jetzt getroffen werden, wirkten sich in zehn bis zwanzig Jahren aus.