Serbiens Wirtschaft hinkt im Regionalvergleich hinterher

23.10.2026 • 06:00 Uhr
Serbiens Wirtschaft hinkt im Regionalvergleich hinterher

Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) relativiert im Vorfeld der serbischen Parlamentswahl am Sonntag Serbiens Wirtschaftserfolge. Laut einer aktuellen Analyse wuchs Serbiens BIP von 2012 bis 2025 im Schnitt um 2,4 Prozent pro Jahr. Damit lag das Land nicht nur unter früheren Eigenwerten, sondern auch hinter sechs von acht verglichenen Volkswirtschaften der Region, wie wiiw-Ökonom Branimir Jovanović feststellt.

Im regionalen Vergleich der Jahre 2012 bis 2025 verzeichnete das Kosovo mit durchschnittlich 4,1 Prozent das stärkste jährliche Wachstum, gefolgt von Albanien (3,0 Prozent), Montenegro (2,9 Prozent), Rumänien (2,8 Prozent), Bosnien und Herzegowina (2,6 Prozent) sowie Kroatien (2,5 Prozent). Serbien lag mit seinen 2,4 Prozent gleichauf mit Bulgarien (2,4 Prozent) und schnitt lediglich besser ab als Nordmazedonien (2,3 Prozent). Jovanović betont in der Analyse, Serbiens Wachstum sei nach jedem Maßstab bescheiden gewesen und das Bild des Landes als regionaler Wachstumschampion werde durch die Daten schlicht nicht gestützt.

Wachstumsdämpfer und Stagnation am Arbeitsmarkt

Auch der Blick auf die serbische Wirtschaftsgeschichte belegt die Verlangsamung: Von 2001 bis 2011 unter den Vorgängerregierungen war das BIP noch um durchschnittlich 4,2 Prozent pro Jahr gewachsen. Zwar verweist der wiiw-Bericht darauf, dass das Vorkrisen-Wachstum regional getrieben war, hebt jedoch hervor, dass die Wirtschaft unter der regierenden Fortschrittspartei SNS in ihren ersten drei Jahren (2012-2014) um fast 2 Prozent schrumpfte – mehr als in den drei Jahren nach Ausbruch der globalen Finanzkrise (minus 1,5 Prozent von 2009 bis 2011). Ein nachhaltiges Wachstum stellte sich erst ab 2015 ein.

Die Arbeitslosenquote sank zwar von rund 23 Prozent auf unter 9 Prozent, allerdings stagniert die Zahl der Beschäftigten seit 2019 bei etwa 2,9 Millionen Personen und ging 2025 leicht zurück. Der durchschnittliche Nettolohn stieg zwischen 2012 und 2025 zwar in Euro nominell von etwa 370 auf 930 Euro pro Monat (+150 Prozent), die monatlichen Konsumausgaben pro Kopf kletterten jedoch im selben Zeitraum von 290 auf 700 Euro (+140 Prozent). Zwei Durchschnittslöhne decken weiterhin nur rund zwei Drittel der Konsumausgaben einer vierköpfigen Familie ab.

Mängel bei Infrastruktur

Bei den ausländischen Direktinvestitionen (FDI) verzeichnete Serbien seit 2012 im Schnitt 5,7 Prozent des BIP pro Jahr und lag damit unter den 6,1 Prozent der Jahre 2001 bis 2011. Im Jahr 2025 überstiegen die Gewinne ausländischer Investoren in Serbien mit über 5 Prozent des BIP erstmals die neuen Zuflüsse an Direktinvestitionen (3,9 Prozent). Öffentliche Investitionen stiegen seit 2021 zwar auf rund 7 Prozent des BIP, konzentrierten sich jedoch stark auf den Autobahnbau. Bei Bahnnetz, Stromerzeugung, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung fiel Serbien im Vergleich zum EU-Durchschnitt weiter zurück, während heimische Privatinvestitionen bei 3 Prozent des BIP verharren.

Zugleich stieg die Einkommensungleichheit: Der Anteil der reichsten 10 Prozent am Nettoeinkommen kletterte von 35,5 Prozent im Jahr 2011 auf 37,6 Prozent 2024, während jener der ärmsten 20 Prozent von 4,3 auf 4,1 Prozent sank. Vor der Wahl am Sonntag steht laut wiiw daher die künftige Ausrichtung auf dem Spiel: Bei einem Wahlsieg der SNS sei eine Fortsetzung des bisherigen Kurses zu erwarten, während ein Regierungswechsel die Chance auf ein wirtschaftspolitisches Umdenken bieten würde.