Sonnenfinsternis-Start unter gutem Wetter-Stern

12.08.2026 • 19:25 Uhr
Sonnenfinsternis-Start unter gutem Wetter-Stern

Die hierzulande vielleicht eindrucksvollste Sonnenfinsternis seit dem Jahr 1999 hat am Mittwochabend eine besondere astronomische Nacht eingeläutet. Nach dem Naturphänomen, bei dem der Mond die Sonnenscheibe von Österreich aus gesehen zu fast 90 Prozent verfinstert untergehen lässt, hatten sich für die Nacht auf Donnerstag auch mit dem Maximum des Meteorstroms der Perseiden viele Sternschnuppen angesagt. Die Wetterbedingungen waren vielerorts ideal, der Andrang groß.

Während in Wien die Bedeckung um 19.22 Uhr begann, um mit der maximalen Verfinsterung beim Sonnenuntergang um 20.13 Uhr zu enden, hatte man weiter im Westen länger die Möglichkeit, dem Spektakel zu folgen, das in Spanien, Grönland und Island sogar eine totale Finsternis brachte. Die letzte komplette Verfinsterung, die von Österreich aus zu sehen war, war jene am 11. August 1999. Beobachtet werden dürfen solche Ereignisse nur mit Finsternisbrillen. Der direkte Blick schon mit freiem Auge – geschweige denn mit Feldstecher oder Teleskop – kann zu schweren Augenschäden führen.

Viele Möglichkeiten zum gemeinsamen Schauen bundesweit

Bundesweit hatten viele astronomische Vereinigungen zum mehr oder weniger geführten bzw. unterstützten gemeinsamen Beobachten geladen – Angebote, die gerne angenommen wurden. Schon vor Beginn des Ereignisses fanden sich zum Beispiel zahlreiche Interessentinnen und Interessenten auf der Wiener Sophienalpe ein. Hier hatten die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA) in Kooperation mit dem Österreichischen Astronomischen Verein aufgrund der Waldbrandgefahr zwar von einem “Public Viewing” abgesehen, Experten, Laien und sonstige Schaulustige fanden sich ohnehin in großer Zahl an dem beliebten Platz nahe der Stadt mit guter Sicht Richtung Westen ein.

Dort geht bekanntlich die am Mittwoch markant verfinsterte Sonne unter. Dementsprechend hatte man von tieferen hauptstädtischen Lagen, wie beim gemeinschaftlichen Beobachten, das das Planetarium Wien sowie die Kuffner- und Urania-Sternwarten an der Neuen Donau organisierten, aus auch gegen 19.50 Uhr schon keine Sicht mehr auf die verfinsterte Sonne. Viele Beobachterinnen und Beobachter fanden sich unweit davon auch am Wiener Donauturm oder auf dem Bisamberg im Norden Wiens ein. Unter dem Titel “From Eclipse to Starlight” lud zudem das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg (NÖ) in Hauptstadt-Nähe Interessierte zum Live-Erlebnis unter freiem Himmel.

Anneliese Haika von der WAA freute sich auf der Sophienalpe im Vorfeld auf ein “recht spektakuläres Ereignis. Immerhin geht die Sonne verfinstert als dünne Sichel mit den Spitzen voran unter”. Eine Sonnenfinsternis sei ein schöner Anlass, um zu sehen, “wie die Natur arbeitet”.

Längste Sichtbarkeit in Vorarlberg

Am Grazer Schlossberg verfolgten u.a. die Astrophysikerinnen Manuela Temmer und Astrid Veronig von der Universität Graz das Phänomen und beantworteten hier auch Fragen von Schaulustigen. Das Institut für Physik der Uni Graz hatte Teleskope und spezielle Sichtbrillen vorbereitet, durch die Interessierte einen Blick auf die verdunkelte Sonne werfen konnten.

Die längste Sicht auf die partielle Sonnenfinsternis gab es in Vorarlberg, wo die Sonne am Mittwoch erst um 20.39 Uhr unterging. Dort veranstaltet bereits seit vielen Jahren der Lech-Zürs-Tourismus auf dem Rüfikopf (2.350 Meter Seehöhe) oberhalb von Lech die “Laurentiusnacht”, um zur Perseiden-Beobachtung zu laden. Heuer nutzte man eben auch die partielle Sonnenfinsternis als Auftakt. Rund 250 Personen hatten sich für die “Sofi”-Beobachtung bereits im Voraus angemeldet, wie der Vorarlberger Astronom Robert Seeberger, der die “Laurentiusnacht” schon seit Jahren als Experte und Ansprechperson für die breite Öffentlichkeit begleitet, der APA im Vorfeld berichtete. Der Vorarlberger Fotograf Paul Baumgartner brachte eine Reihe von Perspektiven und Teleskopen mit, mit denen den Besuchern die Sonnenfinsternis gezeigt wurde.

Perseiden als üppiger Nachschlag

Wer nach der Eklipse noch nicht genug vom Noch-oben-Blicken hat, kann in der Nacht auf Donnerstag auch noch auf einiges hoffen: Die aktuelle Neumondphase schafft nämlich ideale Bedingungen, um in den Nächten rund um die Sonnenfinsternis nach Sternschnuppen Ausschau zu halten. Vor allem Richtung Ende der Nacht gegen 4.00 Uhr könne an Orten mit günstigen, also sehr dunklen Bedingungen, wie etwa in den Bergen, bis zu 90 Sternschnuppen pro Stunde gerechnet werden, wie Experten schätzten.

Die Erde kreuzt alljährlich Mitte August die Staubspur, die der Komet Swift-Tuttle auf seiner Bahn hinterlässt. Wenn diese Staubpartikel mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eindringen, verglühen sie dort und rufen in der Luft Leuchteffekte hervor – den Meteorstrom der Perseiden. Der Name des Meteorstroms kommt daher, weil es so aussieht, als würden Sterne aus dem Sternbild des Perseus fallen. Der Sternschnuppenschauer wird auch “Tränen des Laurentius” genannt, weil sein Erscheinen mit dem Namenstag des Märtyrers Laurentius am 10. August zusammenfällt und als Tränen des Himmels über dessen Martyrium gedeutet wurden. Die Sichtbarkeitsperiode für die Perseiden endet heuer um den 24. August.