Sozialbetreuung soll besser anerkannt werden

10.09.2026 • 11:04 Uhr
Sozialbetreuung soll besser anerkannt werden

Die Caritas setzt sich für eine bessere Anerkennung der Sozialbetreuung ein. Die demografische Entwicklung führe einerseits zu einem erhöhten Pflegebedarf, betonte Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Neben medizinischer Versorgung gehe es aber auch um die Erhaltung der Selbstständigkeit – etwa durch Altenarbeit. Die derzeitigen Rahmenbedingungen würden aber die Ausbildung und Finanzierung etwa von Altenarbeit erschweren.

Bis 2050 soll die Zahl der Pflegegeldbezieherinnen und -bezieher von derzeit rund 500.000 auf 750.000 steigen, gleichzeitig fehlen rund 70.000 Fachkräfte. Gleichzeitig dürfe man diese Entwicklung aber nicht rein medizinisch betrachten. “Im Pflegealltag geht es oft um Körperpflege, Verbandswechsel etc.”, so Tödtling-Musenbichler. “Das ist wichtig und notwendig. Der Mensch ist aber nicht nur die Summe seiner Krankheiten, Pflegestufen und Defizite.” Viele Menschen bräuchten oft nur oder zusätzlich Unterstützung bei der Gestaltung ihres Alltags.

Duale Ausbildung

Hier setzen die Sozialbetreuungsberufe an: Die Caritas – aber nicht nur sie – betreibt etwa Schulen, die für Alten-, Familien- oder Behindertenarbeit ausbilden. Diese beinhalten neben dem jeweiligen Schwerpunkt auch eine Ausbildung zur Pflegeassistenz. Oft würden die Absolventinnen und Absolventen aufgrund gesetzlicher bzw. finanzieller Vorgaben aber “nur” in letzterem Bereich eingesetzt bzw. nur für diesen bezahlt.

“Es würde nie jemand auf die Idee kommen, bei Kindern zu sagen, dass wir sie nur füttern und ihnen Windeln anlegen müssen”, meinte Ernst Sandriesser, Direktor der Caritas Kärnten und Leiter der Schulträger-Kooperation. Neben pflegerischen Interventionen müssten Menschen auch weiter ihren Interessen nachgehen können – dies auch vor dem Hintergrund eines steigenden Anteils von Menschen mit Demenz- und psychiatrischen Erkrankungen in den Wohnhäusern.

Gesetzliche Anrechnung

Für die Betreuung verfüge die Caritas zwar über Menschen mit dualer Ausbildung für die Altenarbeit und die Pflegeassistenz – die Vorgaben der Länder für Personalschlüssel bzw. Tarife führten aber dazu, dass diese Personen oft nur als Pflegeassistenzen angestellt bzw. bezahlt werden können. Eine bessere gesetzliche Anrechnung solle daher dafür sorgen, dass beide Bereiche Hand in Hand angeboten werden können, so Tödtling-Musenbichler. “Eine Ausbildung, die anerkannt ist, muss auch als solche bezahlt werden können.” Personen, die entsprechend betreut werden, hätten auch einen geringeren Bedarf an Medikamenten und müssten seltener ins Krankenhaus eingewiesen werden, ergänzte Sandriesser.

Darüber hinaus seien mehr Praktikumsplätze nötig, so die Caritas-Präsidentin. Die Hälfte der Ausbildung finde in der Praxis statt – zur Gewährleistung einer qualitätsvollen Ausbildung sei es nötig, die Praxisanleitung auch entsprechend zu bezahlen und Freistellungen dafür zu bekommen. Schließlich bräuchten auch die Schulen finanzielle Unterstützungen für ihre Infrastruktur wie etwa die digitale Ausstattung. Mit den Schulgeldern allein könne diese nicht abgedeckt werden.