SpaceX-IPO kann Dollar stärken und Krypto schwächen

11.06.2026 • 11:44 Uhr

Vor dem größten Börsengang der Geschichte bringen sich weltweit Anleger in Stellung. Wenn am Freitag der Raumfahrt- und KI-Konzern SpaceX an der Wall Street sein Debüt auf dem Börsenparkett feiert, könnte laut Analysten weitreichende Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben. Börsianer spekulieren, dass Investoren ihre Portfolios umschichten und Kapital aus anderen Technologiewerten oder aus Kryptowährungen abziehen. Zugleich wird laut Commerzbank-Analysten der Dollar gestützt.

“Mit dem erwarteten Börsengang von SpaceX und weiteren potenziellen Schwergewichten am IPO-Markt steht der Appetit der Investoren auf Wachstumswerte vor einer Nagelprobe”, sagte Timo Emden von Emden Research. “Anleger befürchten, dass neue Börsenkandidaten zu einer Rotation von Risikokapital aus den bisherigen Marktlieblingen führen könnten.”

SpaceX plant Börsengang mit Volumen von 75 Mrd. Dollar

SpaceX von Elon Musk plant einen Börsengang mit einem Volumen von 75 Milliarden Dollar (65 Mrd. Euro) – dem höchsten jemals erzielten Betrag. Das Unternehmen würde dadurch mit 1,75 Billionen Dollar bewertet. Die Preisfestsetzung soll am Donnerstag erfolgen. Die endgültige Zuteilung der Aktien wird für Donnerstagnachmittag erwartet. Die Nachfrage liegt Insidern zufolge bei mehr als 250 Milliarden Dollar und übersteigt damit das angestrebte Volumen von 75 Milliarden Dollar um ein Vielfaches.

Im Durchschnitt hielten ausländische Investoren rund 20 Prozent am US-Aktienmarkt, konstatierte Commerzbank-Analyst Volkmar Baur. “Bei Technologie-Aktien ist der Anteil von ausländischen und insbesondere europäischen Investoren meist sogar noch etwas höher, allen voran weil Europa nur einen relativ kleinen IT-Sektor hat.” Vor diesem Hintergrund flössen wohl schätzungsweise 15 Milliarden Dollar an neuem Kapital in die USA. “Dies sollte den US-Dollar also stützen, insbesondere gegen den Euro, wenn die Hälfte der Kapitalzuflüsse aus Europa kommt.” Zudem sei der Börsengang nur der Startschuss für eine länger anhaltende Entwicklung, da mit ChatGPT-Entwickler OpenAI und Rivale Anthropic zwei weitere Blockbuster-IPOs anstehen.

Privatanleger schichten Kapital um

Der mit Spannung erwartete Börsengang von SpaceX dürfte nach Einschätzung von Analysten auch die Kurse von Kryptowährungen weiter unter Druck setzen. Privatanleger, die sich für neue und riskante Aktien aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) interessieren, schichteten Kapital um, um sich an dem IPO zu beteiligen. Der Bitcoin, die weltgrößte Kryptowährung, notierte zuletzt bei rund 60.000 Dollar und damit mehr als 50 Prozent unter seinem Allzeithoch vom Oktober.

Das von Milliardär Musk geführte Raumfahrtunternehmen hat Berichten zufolge bis zu 30 Prozent der Aktien oder 22,5 Milliarden Dollar für Privatanleger reserviert. Dies ist ungewöhnlich für einen Börsengang dieser Größenordnung, der sonst von institutionellen Investoren dominiert wird. “Wir müssen 75 Milliarden Dollar für diesen Börsengang auftreiben, und das Geld muss irgendwoher kommen”, sagte Spencer Hallarn, globaler Handelschef bei der Kryptofirma GSR. Dies habe eine Umschichtung aus Risikoanlagen wie Kryptowährungen gefördert.

Obwohl SpaceX durch die Wiederbelebung der Raumfahrt bekannt wurde, stützt sich die hohe Bewertung des Unternehmens vor allem auf die Erwartung seines künftigen Wachstums als KI-Konzern. Damit sei es eine riskante und spekulative Wette, die dieselbe Gruppe von Privatanlegern anspreche, die auch die Stimmung am Kryptomarkt bestimme, sagten Branchenvertreter. Im Vergleich zu Krypto sei KI derzeit aber das “heißere” Investmentthema, sagte Thomas Puech, Chef der Kryptohandelsfirma Indigo.

Hohe Dollar-Nachfrage in Südkorea

Die massive Nachfrage nach Dollar für den Börsengang von SpaceX hat zuletzt auch am Devisenmarkt in Südkorea für Wirbel gesorgt und die Landeswährung Won belastet. Aufträge für Dollarkäufe im Wert von schätzungsweise 1,5 Milliarden Dollar hätten aber ihre Endphase erreicht, sagte ein Insider. “Die damit verbundenen Angebots- und Nachfrageprobleme sind gelöst.”

Die hohe Nachfrage nach Dollar hatte den Won in der vergangenen Woche auf ein 17-Jahres-Tief gedrückt. In Südkorea hatten sich institutionelle Investoren und vermögende Privatanleger um Finanzierungen bemüht, um an den Zuteilungen für den Börsengang teilzunehmen. Der Abfluss von schätzungsweise 1,5 Milliarden Dollar belastete den Won, der angesichts des relativ geringen Handelsvolumens am Kassamarkt anfällig Won für einmalige Nachfragespitzen ist.