Thielemann in Innsbruck: Bunte Blasorchester-Leistungsschau

10.07.2026 • 09:40 Uhr
Thielemann in Innsbruck: Bunte Blasorchester-Leistungsschau

Christian Thielemann hat Donnerstagabend im Innenhof der Innsbrucker Hofburg mit der Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg im Rahmen der “Innsbrucker Promenadenkonzerte” eine feinsinnige und vielseitige Blasorchester-Leistungsschau auf die Freiluftbühne gebracht. Das Programm umfasste Werke von Richard Strauss, Richard Wagner oder James Barnes. Für diese Mischung aus Lyrischem, Sentimentalem und Abenteuerlichem gab es Stehovationen für das Orchester und den Dirigenten.

Genau genommen war das Innsbrucker Konzert mit der Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg ein da capo. Thielemann konzertierte nämlich bereits im März 2025 mit ebenjenem Blasorchester im “Mozarteum” in Salzburg. Am Donnerstag trat das Thielemann-Mozarteum-Gespann allerdings in dieser Kombination erstmalig in Tirol mit einem im Vergleich zum Vorjahr leicht veränderten Programm auf. Dieser gemeinsame Auftritt war zugleich auch das Tirol-Debüt des hochdekorierten 67-jährigen Berliners, der bereits zweimal das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigiert hatte. Das Programm in Innsbruck zeigte jedenfalls die wachsende Begeisterung von Thielemann für die Bläsermusik und Bläsertranskriptionen von klassischen Werken sowie seine zunehmende Vertiefung in diesem Segment.

Ausloten von Emotionen

Auch ein neues Stück hatte sich ins heurige Programm “eingeschlichen”: Mit “Für Natalie”, dem dritten Satz aus der Dritten Symphonie “Die Tragische” von James Barnes, schöpften Thielemann und die Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg aus dem Vollen der Blasorchester-Möglichkeiten. Das Werk geriet – präzise und feingliedrig musiziert – zu einem vollumfänglichen Ausloten von Emotionen wie Trauer, Mutlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Zuversicht.

Mit dieser eindrucksvollen Schau, was ein Blasorchester an Emotionsarbeit und Virtuosität so alles leisten kann, war es aber unter dem Dirigat von Thielemann noch längst nicht getan. Das Programm, welches Thielemann selbst nach getaner Arbeit als “Parade dessen, was ein Blasorchester leisten muss” bezeichnete, bot außerdem noch beispielsweise “Mir anvertraut” aus der Oper “Die Frau ohne Schatten” von Richard Strauss, den “Trauermarsch zum Tode Siegfrieds” aus der Oper “Götterdämmerung” von Richard Wagner oder auch “Till Eulenspiegels lustige Streiche”, wiederum von Richard Strauss.

Homogener “Gemischtwarenladen”

Auszumachen war ein hochmusikalisch arbeitendes Orchester, ein leidenschaftlicher und sichtlich entbrannter Thielemann und eine musikalische Bandbreite, die zwar kein “Gemischtwarenladen” war, aber dennoch weniger den Fokus auf einen Stil und eine Form von Ausdruck fokussierte, sondern eben feinsinnig und gewieft durch das weite Feld der Ausdrucksmöglichkeiten pirschte. Dass das Programm dabei dennoch wie aus einem Guss und in sich stimmig klang, darf sowohl dem guten Händchen von Thielemann als auch dem herausragenden Orchester zugeschrieben werden.

Für beide gab es schließlich vom Publikum neben kollektiven Stehovationen im restlos ausverkauften Innenhof der Hofburg auch laute Bravo-Rufe. Auch Thielemann selbst applaudierte rhetorisch. Zwar nicht sich selbst – und wenn dann nur indirekt – , sondern “seinem Orchester”. Dieses habe das “toll hinbekommen” und äußerst “homogen gespielt”, richtete er leicht väterlich klingende Worte an die Musiker. Ein Ton, der wohl auch seiner kommenden Rolle in Salzburg geschuldet war. Das Publikum darf nämlich auf ein weiteres Konzert-da capo hoffen, da Thielemann ab Herbst eine Professur für Orchesterdirigieren am “Mozarteum” in Salzburg antritt.

(Von Markus Stegmayr/APA)

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