Tierisches Kunst-ABC in der Sammlung Hans Bäumler

25.09.2026 • 13:04 Uhr
Tierisches Kunst-ABC in der Sammlung Hans Bäumler

Kühe sind nicht grün, bei Malern wie Franz Marc waren sie es doch. Die Abkehr von der naturgetreuen Wiedergabe eröffnete Künstlern und Künstlerinnen zur Zeit der Wiener Moderne einen neuen Blick auf die Welt. Die Sonderausstellung “Grüne Kuh und Ziegenbock” der Sammlung Hans Bäumler in Hohenems widmet sich diesem neuen Sehen bis 6. Jänner in Form einer in Stil und Technik vielfältigen Menagerie. Ab 17. Februar wandert das von Tobias G. Natter kuratierte Tier-ABC ins MAK Wien.

Das Vorarlberger Privatmuseum versammelt rund 75 Tierdarstellungen von 1900 bis 1930, darunter Arbeiten fast vergessener Künstlerinnen sowie ein bisher öffentlich nicht gezeigtes Bild Rudolf Wackers. Nukleus der Schau ist eines der Hauptwerke der Sammlung Bäumler: Marcs “Grüne Kuh” wird zum Ausgangspunkt für eine nach dem Alphabet geordnete Parade, von “A wie Affe” bis “Z wie Ziegenbock”. Die grüne Kuh stehe für einen “grundlegenden Wandel des Sehens” in jener von Umbruch geprägten Epoche. Künstler fanden in der Tierwelt, zugleich fremd und vertraut, ein Experimentierfeld für neue Ausdrucksformen, so Kurator Natter bei einer Presseführung am Freitag. Die Digitalisierung der Museumsbestände, etwa des Museums für Angewandte Kunst (MAK), habe die Recherche erheblich erleichtert, berichtete er. “Katzen gab es natürlich viele”, so Natter. In der Schau tummeln sich nun aber auch Adler, Elefanten, Blaukehlchen, Flamingos, Hühner, Kamele, Tiger und Fische.

Zu sehen sind Werke von 46 Künstlern, etwa Oskar Kokoschka, Alfred Kubin, Koloman Moser oder Emil Noldes “Stilleben mit Hund”. Aus der alphabetischen Reihung ergeben sich mitunter ungewöhnliche Nachbarschaften, so findet sich eine Pudel-Zeichnung Gustav Klimts neben einem “Perlthier” von Dagobert Peche und einer Fotografie eines Puffottern-Skeletts. Vertreten sind auch weniger bekannte Namen aus dem Umfeld der Wiener Werkstätte wie Mathilde Flögl, Ditha Mauthner-Markhof, Marie von Uchatius, Fanny Zakucka, Norbertine Bresslern-Roth und Lotte Calm. Den titelgebenden “Rauchenden Ziegenbock” steuerte der Wiener Tiermaler Ludwig Heinrich Jungnickel bei. Er, wie der mit “Vogelpredigt des Hl. Franziskus” vertretene Oskar Laske, verbrachten viele Stunden im Tiergarten Schönbrunn, der sich damals zum modernen Zoo zu wandeln begann. Die Asien-Begeisterung der Zeit repräsentiert etwa der “Weißgefleckte Pfau” des Tirolers Carl Moser.

Wacker-Gemälde erstmals öffentlich zu sehen

Erstmals öffentlich zu sehen ist in Hohenems “Puppengesellschaft mit gelbem Hund”, 1924 gemalt vom Vorarlberger Rudolf Wacker. Das in Privatbesitz stehende, noch vom Expressionismus beeinflusste Ölgemälde eines der bekanntesten Künstler der Neuen Sachlichkeit in Österreich ist für Natter ein “Schlüsselwerk”. Er sprach von einer “Wiederentdeckung”, die das Spektrum von Wackers Motivwelt erweitere. So seien Puppenbilder ein Markenzeichen Wackers Schaffens, Tiermotive seien dagegen selten, so der Kunsthistoriker.

Ab Februar 2027 im MAK Wien

Bei einem Gutteil der gezeigten Werke handelt es sich um Leihgaben des MAK, wohin die Schau 2027 weiterziehen wird. Als man für die Ausstellung in Hohenems dort um Leihgaben gebeten habe, habe sich aus der Kooperation schließlich die Übernahme der Schau ergeben, hieß es. Natter wie Sammler Hans Bäumler zeigten sich am Freitag hoch erfreut über die Kooperation, Bäumler sah eine weitere Aufwertung seiner Sammlung. Die Partnerschaft stärke die Verbindung zwischen Wien und Vorarlberg, so MAK-Generaldirektorin Lilli Hollein in einem Grußwort. Die Schau halte Entdeckungen bereit, “unterhaltsam, berührend, musterhaft oder sonderbar und abgründig”.

(S E R V I C E – Ausstellung “Grüne Kuh und Ziegenbock. Das große Tier-ABC” von 26. September 2026 bis 6. Jänner 2027, Sammlung Hans Bäumler in Kooperation mit dem MAK Wien, Markus-Sittikus-Straße 20, Hohenems. Öffnungszeiten Freitag 11-18 Uhr, Führung um 16 Uhr. Samstag 11-17 Uhr, Sonntag 12-16 Uhr. Von 17. Februar bis 19. September 2027 ist die Schau im MAK Wien zu sehen. Weitere Informationen unter )