Tiroler Mediziner: KI als Mittel für weniger Organverwerfung


Der Tiroler Mediziner Gerald Brandacher hat den Einsatz von Künstlicher Intelligenz als einen wichtigen Faktor zur Reduktion von verworfenen Organen benannt. Derzeit würde nämlich rund ein Drittel der bereits entnommenen Organe verworfen statt transplantiert. Die KI könne künftig dabei nützlich sein, diese Zahl deutlich zu reduzieren, indem sie dabei helfe, “Organe besser bewerten zu können”, sagte Brandacher am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.
Ob ein Organ zu einem Empfänger passe oder nicht, sei bisher “im Wesentlichen aufgrund weniger Daten und Laborparameter” entschieden worden, erläuterte Brandacher, der als Co-Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie der Medizinischen Universität und der tirol kliniken fungiert. “Die KI kann uns nunmehr dabei unterstützen, bei Organen weitere Muster zu erkennen”, meinte der Experte. Mittlerweile stünden nämlich “tausende und hunderttausende Daten zur Verfügung, wie etwa genetische Marker oder Stoffwechseldaten.” Diese Vielzahl an Informationen sei für Menschen “kaum verarbeitbar oder gar bewertbar”, hielt er fest.
Auch beim Aufbau einer Art von “cloudbasiertem System” könne die KI behilflich sein, so Brandacher weiters. “Auf ein solches könnten schließlich alle Transplantationszentren sämtliche Daten zu einem Organ gebündelt abrufen”, sagte der Top-Mediziner. Das wiederum bedeute, dass “das jeweils beste Organ dem jeweils passenden Patienten zugeteilt wird”, skizzierte Brandacher künftige Möglichkeiten, die die “Organzuteilung grundlegend verändern” würden. Das wiederum führe dazu, dass zu Unrecht verworfene Organe doch noch ihren passenden Patienten fänden.
Längere Konservierungszeit zur besseren Bewertung von Organen
Abseits von Künstlicher Intelligenz sei es jedenfalls grundsätzlich so, dass die Gründe für das Verwerfen von Organen ihre Ursache in “unzureichendem Wissen über das jeweilige Organ” lägen, schloss Stefan Schneeberger, Direktor der Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie der Medizinischen Universität und der tirol kliniken, an Brandacher an.
“Oftmals sieht ein Organ einfach optisch nicht gut aus oder die Daten vom Spender deuten darauf hin, dass es nicht geeignet ist”, führte er aus. Mittlerweile ließe sich eine solche Bewertung aber schon präziser vornehmen. “Das ist vor allem durch eine längere Konservierungszeit möglich”, betonte Schneeberger. Oftmals ließen sich so einfache “Schäden reparieren” und das Organ, wie etwa Niere oder Leber, doch noch entsprechend verpflanzen statt verwerfen.
Jahrestagung von “Austrotransplant” in Innsbruck
Anlass der Pressekonferenz war übrigens die mit Mittwoch beginnende Jahrestagung der “Austrotransplant” der Österreichischen Gesellschaft für Transplantation, Transfusion und Genetik. Unter dem Motto “Developing Dialogue – Pioneering Practice – Reaching the Full Potential” wird vom 14. bis 16. Oktober über neue Ansätze in der Organkonservierung oder etwa dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Transplantationschirurgie diskutiert.