„Als mir Social Media zu viel wurde“

Die Sängerin Nina Fleisch geriet als Selbstständige unter Dauerstress. Heute entwickelt sie KI-Lösungen und spricht erstmals bei ahead x über Chancen und Grenzen der Technologie.
Fünf Beiträge pro Woche, dazu Information und Unterhaltung, sonst geht der eigene Inhalt im täglichen Grundrauschen unter. Als Nina Fleisch diese Empfehlung für Instagram hörte, begann sie Social Media anders zu sehen. Nicht als lästige Nebenaufgabe, sondern als Arbeit, die kaum zu bewältigen schien.
„Das zeigte mir auf, wie viel Arbeit es benötigt, dass man wahrgenommen wird“, sagt die Sängerin und Selbstständige. Von da an habe Social Media für sie das Attribut „unbezwingbar“ getragen. „Es fühlte sich an, als würde man täglich gegen Windmühlen kämpfen.“
Fleisch steht heuer erstmals als Speakerin bei ahead x auf der Bühne. Bei den City-Abenden in Götzis übernimmt sie den Einstieg in die Grundlagen künstlicher Intelligenz. Sie spricht über Geschichte, Funktionsweise, Möglichkeiten, Chancen und Gefahren der Technologie. Ihr eigener Weg führt dabei von der Musik über die Selbstständigkeit bis zur Entwicklung einer eigenen Social-Media-Software.

Der Druck wächst
Seit mehr als 13 Jahren arbeitet Fleisch selbstständig als Sängerin. Im Lauf der Zeit kamen Hochzeits- und Trauerreden, Bands und Konzertprojekte dazu. Sie veröffentlichte ein Album, arbeitete mit Jugendlichen an Songwriting, Musikvideos und Studioaufnahmen.
Social Media war dabei von Beginn an Teil ihrer Arbeit. Für Solo-Selbstständige sei es einer der wenigen Wege, mit überschaubarem Budget sichtbar zu werden. Aber die Anforderungen stiegen. Immer wieder posten, auf unterschiedliche Plattformen reagieren, Inhalte planen, Kommentare und Nachrichten im Blick behalten. Parallel dazu läuft der restliche Betrieb weiter.
Im ersten Lockdown 2020 wurde diese Belastung für Fleisch zu viel. Sie geriet in ein Burnout, von dem sie sich eineinhalb Jahre lang erholen musste, wie sie sagt. Danach stellte sich für sie die Frage neu: Wie lässt sich als Selbstständige arbeiten, ohne wieder in dieselbe Überforderung zu geraten?
Die Antwort sollte zunächst nicht künstliche Intelligenz sein. Fleisch probierte zahlreiche Tools aus, um Abläufe zu vereinfachen. Doch sie empfand das Wechseln zwischen verschiedenen Anwendungen selbst als zusätzlichen Stress. Eine Gesamtlösung habe sie nicht gefunden.
Die Wege verkürzen
Statt Social-Media-Coaching entschied sich Fleisch für Ausbildungen zur KI-Managerin sowie zur Automation- und Agent-Managerin. Daraus entstand die Marke Talavy und eine Software, die Social-Media-Arbeit bündeln soll. Der Name und die einzelnen Funktionen sind für ihre Geschichte jedoch weniger wichtig als die Frage dahinter: Welche Arbeit soll eine Maschine übernehmen?
„KI soll Selbstständigen immer wiederkehrende Aufgaben abnehmen und ihre Wege abkürzen“, sagt Fleisch. Ihre Haltung ist klar: „Alles, was automatisiert werden kann, soll automatisiert werden.“
Das kann etwa bedeuten, Notizen zu strukturieren, erste Textentwürfe vorzubereiten, wiederkehrende Inhalte zu planen oder Informationen zusammenzufassen. Aber Automatisierung löst nicht jedes Problem. Wer durch KI schneller Inhalte produziert, muss sich auch fragen, ob dadurch wirklich Zeit frei wird oder bloss die Erwartung entsteht, noch mehr zu veröffentlichen.

Gerade bei Social Media ist das ein wichtiger Unterschied. KI kann helfen, einen Text zu formulieren oder Ideen zu sortieren. Sie entscheidet aber nicht, wofür ein Betrieb stehen will, welche Geschichte wirklich erzählt werden sollte oder wann ein Mensch besser keine automatisierte Antwort erhält.
KI ohne Zauberei
Damit passt Fleischs Geschichte zum Grundgedanken von ahead x. Die City-Abende wollen künstliche Intelligenz nicht als Wundermittel darstellen, sondern verständlich machen. Fleisch übernimmt dabei die Einführung in das Grundwissen: Woher kommt KI, wie funktioniert sie, was kann sie und wo liegen ihre Risiken?
Gerade ihre eigene Erfahrung zeigt, warum das Thema nicht nur für Technikbegeisterte relevant ist. KI kann wiederkehrende Arbeit verkürzen. Sie ersetzt aber nicht die Entscheidung, was mit der gewonnenen Zeit geschehen soll.

KI für alle
Bei ahead x soll es deshalb nicht nur um jene gehen, die bereits mit ChatGPT, Claude oder anderen Anwendungen arbeiten. Fleischs Einstieg und die ganze Veranstaltung richten sich dezidiert auch an Menschen, die bislang keine Berührungspunkte mit KI hatten oder vor allem Schlagworte kennen und wissen möchten, was hinter der Technologie steckt. Was kann eine KI verlässlich übernehmen? Wo produziert sie überzeugend klingende Fehler? Welche persönlichen Daten gehören nicht in einen Chatbot? Wann spart ein Werkzeug tatsächlich Zeit, statt neue Arbeit zu schaffen?
Weil künstliche Intelligenz immer stärker in Suchmaschinen, Büroprogramme und Kommunikationsdienste eingebaut wird, sind solche Fragen nicht nur für Selbstständige relevant. Die City-Abende in Götzis wollen sie anhand konkreter Beispiele und Live-Anwendungen greifbar machen.
ahead x in Götzis
Nina Fleisch ist am 1. und 2. Oktober bei den ahead x city Shows auf der Kulturbühne Ambach in Götzis zu erleben. Beide Abende stehen unter dem Titel „KI für Alle“.
Ahead x Vorarlberg
1. Oktober 2026: ahead x city
KI für Alle
Kulturbühne Ambach, Götzis
2. Oktober 2026: ahead x city
KI für Alle
Kulturbühne Ambach, Götzis
5. Oktober 2026: ahead x city
KI für Unternehmen
Spannrahmen, Hard
6. Oktober 2026: ahead x city
KI für Alle
Gössersaal, Bregenz
Beginn ist jeweils um 19 Uhr.
Reservierungen sind über die zentrale KI-gestützte Hotline unter +43 670 3016058 möglich.
Online: aheadx.at
Ticketpreis: 49 Euro
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