Tirols ÖVP-Wahlkampfleiter rechnet nicht mit 35 Prozent

14.08.2022 • 05:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Tirols ÖVP-Wahlkampfleiter rechnet nicht mit 35 Prozent

Die Tiroler ÖVP legt sich die zu überspringende Prozent-Latte für die Landtagswahl am 25. September öffentlich offenbar weiter sehr tief. Ein Ergebnis von 35 Prozent wäre schon die theoretisch “oberste Kante”, sagte Landesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter Martin Malaun im APA-Gespräch und meinte gleichzeitig: “Ich gehe nicht davon aus, dass das erreichbar ist”. Damit würde die ÖVP zweistellige Verluste aufweisen, bei der Wahl 2018 hatte man noch 44,26 Prozent eingefahren.

40 Prozent zu erreichen, sei gar “unmöglich”, so Malaun. Zuletzt hatte eine Umfrage der Landespartei nur 29 Prozent ausgewiesen. Zumindest bezüglich dieses Prozent-Tiefpunktes gab sich Malaun optimistischer. Er hoffe schon, dass man höher als bei 29 Prozent zu liegen komme und gehe auch davon aus, dass ein “3er” vor dem Ergebnis stehen werde. “Ab 30 Prozent” müsse man “zufrieden sein” und nun im Wahlkampf danach trachten, prozentmäßig hinaufzuklettern. Das bisher schlechteste Wahlergebnis in der Geschichte der Tiroler Landtagswahlen hatte die ÖVP bei Noch-Landeshauptmann Günther Platters erstem Urnengang als Frontmann im Jahr 2013 mit 39,35 Prozent.

Die ÖVP-Granden übten sich zuletzt beständig in (Prozent)-“Bescheidenheit” und niedrigen Erwartungen und begründeten dies mit völlig anderen Voraussetzungen als noch bei der Landtagswahl 2018. Politische Gegner und Beobachter sehen darin jedoch auch eine bewusste Strategie – einerseits um zu mobilisieren, andererseits um möglichen innerparteilichen Verwerfungen nach der Wahl vorzubauen. Tirols Neo-ÖVP-Obmann und Spitzenkandidat Anton Mattle gab bisher ein Ergebnis von etwas mehr als 30 Prozent als Ziel aus. Malaun hatte Ende Juli gegenüber der APA von absolut unrealistischen 40 Prozent gesprochen.

Ein Manko ist offenbar weiter Mattles, seines Zeichens auch Wirtschaftslandesrat, relativ geringer Bekanntheitsgrad. 63 Prozent würden den ÖVP-Spitzenmann laut internen Erhebungen derzeit kennen. Am Ende des Wahlkampfes, bzw. zwei Wochen davor, müssten und werden es 100 Prozent sein, zeigte sich der Landesgeschäftsführer und langjährige Platter-Vertraute Malaun, der nach der Wahl die Parteizentrale verlassen wird, zuversichtlich. Vor allem im Unterland und im städtischen Bereich habe der Oberländer Mattle Aufholbedarf. Spitzenkandidat und Partei müssten generell verstärkt städtisches Publikum ansprechen – hier gebe es ein “Defizit”, was aber auch keine Neuigkeit sei, so Malaun. Vor allem bei älteren Menschen bzw. “Über 65-Jährigen” liege man hingegen gut.

Der offizielle Wahlkampfauftakt findet am 3. September in Mattles Heimatgemeinde Galtür statt. Aber nicht in Form einer gewohnten Großveranstaltung, betonte Malaun, sondern in einer Art Kandidatenpräsentation. “Bescheiden” und Inszenierungs-enthaltsam will die 1,5 Mio. Euro in den Wahlkampf investierende Landes-ÖVP auch in den darauffolgenden Wochen agieren. Mattle werde mit einem Bus durch Tirol touren, mit den Menschen reden – aber keine größeren Kundgebungen abhalten. Die erste Plakatwelle lässt die ÖVP auch relativ spät vom Stapel – in den Tagen vor dem Wahlkampfauftakt beginne man mit dem Plakatieren, so Parteimanager Malaun.

Die erwarteten Verluste würden natürlich auch Auswirkungen auf die Kandidatinnen und Kandidaten auf der Landesliste sowie den Bezirkslisten haben, die zuletzt bekanntgegeben wurden. Mandate und Grundmandate in den Bezirken wären rarer gesät. Das Listen-Ergebnis brachte jedenfalls allenthalben eine “deutliche Verjüngung”, wie Malaun betonte, aber auch altbekannte Gesichter. Quereinsteiger blieben großteils aus. Hinter Mattle auf der Landesliste kandidieren Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann, der Landtagsabgeordnete und geschäftsführende AAB-Obmann Dominik Mainusch, Landtagsvizepräsidentin Sophia Kircher, LAbg. und Touristiker Mario Gerber sowie Gesundheitslandesrätin Annette Leja. Dann folgt der Landesobmann der Jungbauernschaft und Landjugend, Dominik Traxl, auf Platz sieben. Auf Platz acht steht die Zirler Kommunalpolitikerin Iris Zangerl-Walser, auf neun der Kufsteiner Bezirksparteiobmann und Bundesrat Sebastian Kolland und auf Platz zehn die Unterländerin Katrin Brugger. Bünde- und Bezirksausgleich spielten – wie immer in der ÖVP – auch diesmal eine gewichtige Rolle. Die Listenplätze zwei bis 15 weisen laut ÖVP einen Altersdurchschnitt von 40 Jahren auf.

Einige Granden wurden auf Bezirksebene abgesichert – wie Klubobmann Jakob Wolf auf Listenplatz eins in Imst, Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler auf demselben Platz in Schwaz oder Landesrat Johannes Tratter an erster Stelle in Innsbruck-Land. In der Landeshauptstadt Innsbruck führt Stadtparteiobmann Christoph Appler die Bezirksliste an. Im Bezirk Kufstein kam es zu einer Überraschung bzw. einem neuen Gesicht an der Spitze: Bezirkspolizeikommandantin Astrid Mair führt dort die Liste an und wird in den Landtag einziehen.

Vom derzeitigen 17-köpfigen Landtagsklub nicht mehr kandidieren werden Klubobmannstellvertreter Hermann Kuenz, die Unterländer Josef Margreiter und Martin Wex, der Imster Bürgermeister Stefan Weirather, die Innsbruckerin Martina Nowara sowie die frühere Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf. Mehr als ungewiss ist ein Wiedereinzug in den Landtag für den Bauernbündler Josef Edenhauser (Listenplatz drei in Kitzbühel) und die Wirtschaftsbündlerin Barbara Schwaighofer (Platz drei in Kufstein). De facto ohne Chance ist Marina Ulrich mit Listenplatz vier im Bezirk Landeck.