Tönende Secession: Bernhard Leitners “Soundspacesculpture”

10.09.2026 • 12:58 Uhr

Zu einer tönenden Schau lädt die Secession ab Freitag: Bernhard Leitner hat im Hauptraum eine große “Soundspacesculpture” aufgebaut, bei der zwar durchaus skulpturale Interventionen und Objekte zu sehen sind, die Hauptsache aber nicht mit den Augen, sondern mit den Ohren erfahrbar ist: “Hören und Sehen sind miteinander verschränkt”, sagte der Tonkünstler, der sich seit fünf Jahrzehnten mit den Beziehungen von Raum und Sound beschäftigt, am Donnerstag bei der Presseführung.

“Das Hören ist wesentlich komplexer als angenommen”, resümierte der 1938 in Feldkirch Geborene, dessen auch zur Akustikforschung herangezogene frühe Rauminstallationen aus den 60er- und 70er-Jahren in der bis 22. November laufenden Schau ebenso fotografisch dokumentiert werden wie seine Experimente des “Körper Hörens”. Leitner verwies darauf, dass auch die Haut über “akustische Zellen” verfüge, die zum ganzheitlichen Hörerlebnis beitragen. Nach seinem Architekturstudium in Wien habe er “die utopische Idee gehabt, mit Sound plastisch zu arbeiten”. Man sei gewohnt, Töne rasch als Musik wahrzunehmen, “aber wir bewegen uns permanent in einem akustischen Environment. Ich arbeite nicht mit Musik, sondern mit akustischem Material.”

“Klang-Strahlen” und Soundbibliothek

Mittlerweile verfügt Leitner, der mehrere Jahre in Paris, New York und Berlin verbracht hat und heute in Wien und Gaindorf lebt, über eine beachtliche Soundbibliothek, die er für seine Arbeiten heranzieht. “Was ich mache, ist nicht Musik, sondern Bildende Kunst. Ich möchte zum räumlichen Hören anregen.” Im Zentrum des Raums ist die große, extra für die Secession geschaffene Arbeit “Wasser Würfel / Wand Wellen” aufgebaut. “Immer gleich, aber nie dasselbe”, definierte Leitner Wasser in unserer akustischen Wahrnehmung. In dem aus Holzlatten gebauten Kubus werden Wassergeräusche über ein an PVC-Schläuchen befestigtes Lautsprechersystem in einer 48-Kanal-Ton-Raum-Komposition eingespielt – in wechselnden Rhythmen, die man auch als Wellen wahrnehmen kann.

Die von Jeanette Pacher kuratierte Ausstellung liefert einen Überblick über Theorie und Praxis von Leitners Tonkunst, von frühen Zeichnungen und Notizen zu Ton-Raum-Skulpturen bis zu fertigen Objekten und Installationen. Zu sehen und hören sind u.a. eine “Ton-Liege”, die Installation “Pulsierende Stille 2” aus zwei einen engen Korridor bildenden Metallplatten, an denen Lautsprecher “tiefe, von außen nicht oder kaum hörbare Frequenzen ausstrahlen, deren basslastige Schwingungen Vibrationen erzeugen, die beim Durchschreiten als pulsierender Raum wahrgenommen werden”. Bei der Installation “Klang-Strahlen” werden Klänge mittels Metallplatten umgelenkt. Eine ähnliche Intervention hat Leitner auch in dem Raum von Gustav Klimts “Beethovenfries” vorgenommen.

(S E R V I C E – “Bernhard Leitner. Soundspacesculpture”, “Lap-See Lam. 192 Wing Lok Street” und “JJJJJerome Ellis. A calendar commemorating slaves who escaped their enslavers, 1673-1886”, Ausstellungen in der Wiener Secession, 11. September bis 22. November, )